Heimlich, still und leise:

Der Fledermaus auf der Spur

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Die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fledermauskurses am Schülerforschungszentrum in Berchtesgaden konnten alle

Bechtesgaden - Sie ist für den Menschen sehr nützlich, kann während eines Sommers beispielsweise bis zu 60.000 Mücken fressen und ist das einzig aktiv fliegende Säugetier – die Fledermaus. So jagt sie z.B. ihre Beute mit Hilfe von Ultraschall bei völliger Dunkelheit.

In Bayern kommen 25 verschiedene Fledermausarten vor, die „Wohnsituation“ von ihnen ist aber nicht immer besonders gut. Deshalb konnten unter dem Titel „Der Fledermaus auf der Spur“ in einem speziellen Kurs des Schülerforschungszentrums Berchtesgaden, Jugendliche sich mit diesen bedrohten fliegenden Säugetieren beschäftigen.

Der Kurs begann bereits am frühen Nachmittag mit dem Bau eines Fledermauskastens. So mussten die zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmer, alle zwischen zwölf und fünfzehn Jahren, mit viel handwerklichem Geschick messen, sägen, hobeln, bohren, schrauben und schleifen.

Alle hatten dann die „Unterkunft“, um die sympathischen Jäger der Nacht bei der Quartiersuche zu unterstützen, gebaut. Unter der Anleitung von Monika und Jürgen Gasteiger vom Schülerforschungszentrum und Ralf Reuter, einem „Fledermausfreund“ aus Piding, der sich schon länger mit diesen possierlichen Tierchen beschäftigt, entstanden diese Behausungen.

Ihr dürft jetzt natürlich nicht erwarten, dass sofort die Fledermäuse mit ‚Sack und Pack’ dort einziehen werden“, erklärte Ralf Reuter den jungen Handwerkern. „Vielmehr muss man der Natur Zeit geben, und den Fledermäusen die Ruhe gönnen, die neuen Quartiere zu finden und anzufliegen.“

Mehr Konzentration, Geduld und viel Fingerspitzengefühl verlangte dann anschließend der Bau des Fledermausdetektors. Mit diesem Gerät sollen die Töne der Fledertiere, die in der Dämmerung unterwegs sein werden, für uns Menschen hörbar gemacht werden.

Aus 32 Einzelzeilen mussten die geschickten Teilnehmer auf eine zum Teil vorgefertigte Platine weitere elektronische Teile auflöten und mit Lautsprecher, Drehreglern und einem speziellen Ultraschallmikrofon verkabeln.

Die ganzen Teile wurden von ihnen dann in ein von Jürgen Gasteiger speziell entworfenes Gehäuse, sogar mit eingelaserter Fledermaus, eingebaut.

Im Unterricht hat die Fledermaus meist nur ihren Platz in Schulbüchern, selten jedoch kommt es zur wirklichen Begegnung mit diesen faszinierenden Tieren“, bedauert Jürgen Gasteiger. „Sind die Tiere schon kaum zu sehen, so können wir sie erst recht nicht hören. Dabei sind Fledermäuse ausgesprochen laute Tiere. Sie senden und hören aber so hohe Töne, dass unsere Ohren davon nichts wahrnehmen.

Unser Detektor soll für die jungen Kursteilnehmer eine Ergänzung sein, um sich für die Welt der nachtaktiven und schützenswerten Tiere zu interessieren“, so Jürgen Gasteiger.

Nach so viel handwerklicher und hochkonzentrierter Tätigkeit sollten die jungen Kursteilnehmer noch Einiges über die Fledermäuse erfahren. Deshalb besuchte den Kurs beim gemeinsamen Abendessen die Biologin Brigitte Meiswinkel, Fledermausbeauftrage des Berchtesgadener Landes und des Chiemgaus.

Fragen über Fragen

Fledermäuse sind vielen Menschen unheimlich. Beißen sie? Saugen sie Blut? Knoblauch soll helfen, wird gesagt, und dass sie sich gern in langen Haaren verfangen.

Die nachtaktiven Kleinsäuger, die weder mit Vögeln noch Mäusen verwandt sind, entziehen sich durch ihr Treiben im Dunkeln weitestgehend unserer Erfahrung. Wie jagen sie oder wie bekommen sie ihren Nachwuchs, wo überwintern und wo schlafen Sie im Sommer oder wie kommunizieren sie untereinander und wie jagen die Flattertiere?

Diese und viel mehr Fakten und vor allem die vielen Fragen der jungen Teilnehmer wollten beantwortet werden. So interessierte beispielsweise den 13-jährigen Lukas warum die Fledermäuse nicht runterfallen, wenn sie so kopfüber an den Dachbalken hängen. „Die Fledermaus verfügt über eine Haltesehne die einrastet, sodass sie ohne Kraftaufwand in sicherer Höhe hängend schlafen kann“, erklärte Brigitte Meiswinkel. Und dass Fledermäuse meistens sogar hängen bleiben, nachdem sie gestorben sind, faszinierte nicht nur den kleinen Lukas. „Ich war sehr positiv über das Engagement der jungen Leute überrascht und vor allem nach solch einem anstrengenden handwerklichen Tag so viele gute Fragen zu stellen, war für mich ein Grund, sehr gerne die Veranstaltung zu unterstützen“, freute sich die Biologin Meiswinkel.

Krönender Abschluss des Tages

Da es mittlerweile bereits zu Dämmern begann, zog Brigitte Meiswinkel mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern und ihren konstruierten Fledermausdetektoren zur „Bat-Night“ vor das Schülerforschungszentrum. Und siehe da… es wimmelte bereits von Fledermäusen - es waren vorwiegend Zwerg- und Nordfledermäuse. Dass jetzt doch tatsächlich alle Geräte der Teilnehmer die Geräusche der Nachtjäger hörbar machten, war dann der krönende Abschluss des abenteuerlichen Tages.

„Wir hoffen, dass diese Verbindung aus Natur und Technik weiterhin viele Jugendliche zu motivieren vermag, selbst Forschungen anzustellen und sich in der Naturschutzarbeit zu engagieren“, so das abschließende Fazit der Organisatoren Monika und Jürgen Gasteiger und Ralf Reuter.

Pressemitteilung Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land (Ralf Reuter)

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