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Vor 160 Jahren gegründet

Schnitzschule in Berchtesgaden wird immaterielles Kulturerbe

Die Schnitzschule in Berchtesgaden wurde zum immateriellen Kulturerbe ernannt.
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Die Schnitzschule in Berchtesgaden wurde zum immateriellen Kulturerbe ernannt.

Die fünf Schnitzschulen in Bayern sind von der Staatsregierung zum immateriellen Kulturerbe ernannt und ins Bayerische Landesverzeichnis eingetragen worden. Die Berufsfachschule für Holzschnitzerei und Schreinerei in Berchtesgaden freut sich über die Anerkennung der geleisteteten Arbeit in der Ausbildung junger Holzbildhauerinnen und Holzbildhauer.

Berchtesgaden – Begonnen hatte es mit der Ausstellung „Formen traditionellen Handwerks in Bayern und ihre Weiterentwicklung“ in der Galerie Handwerk in München. Dabei wurde gezeigt, wie traditionelles Handwerk praktiziert, modernisiert und zukunftsfähig gemacht wird.

Die fünf bayerischen Berufsfachschulen, neben Berchtesgaden sind sie in Oberammergau, Garmisch-Partenkirchen, München und Bischofsheim gelegen, haben sich in der Ausstellung eindrucksvoll präsentiert. Berchtesgaden zeigte neben aktuellen Schülerarbeiten eine Urkunde von der Weltausstellung 1873 in Wien, die der Schule eine besondere Anerkennung für ihre dort ausgestellten Arbeiten beglaubigt. Eingerahmt in einem mit Eichenlaub verzierten geschnitzten Rahmen, der dem damaligen historisierenden Stil entsprach. Das beweist, wie lange die Schnitzschule sich schon um die Ausbildung im Schnitzerhandwerk kümmert.

Vor über 160 Jahren gegründet, zählt sie neben der Schule in Bischofsheim zu den ältesten der fünf Schulen. Die Ausstellung in München rückte gleichzeitig das Thema „Immaterielles Kulturerbe“ ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Viele traditionelle Handwerkstechniken, die ausgestellt waren, sind im Bayerischen Landesverzeichnis und teilweise im Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes gelistet, zum Beispiel das Drechslerhandwerk, die Flechthandwerkstradition und die Malund Vergoldetechniken des Kirchenmalers.

Nach der Eröffnung waren sich die fünf Schulleiter einig, dies für die Schnitzschulen ebenfalls anzustreben. „Für die Bewerbung blieb uns nicht viel Zeit, weil nur alle zwei Jahre das entsprechende Gremium tagt“, erinnert sich Schulleiter Norbert Däuber. Innerhalb von zwei Wochen wurde die umfangreichen Bewerbungsunterlagen unter der Federführung von den Schulen in München und Berchtesgaden ausgefüllt und gerade noch rechtzeitig abgeschickt.

„Dabei ist es uns gelungen, die fünf Schulen, jede mit ihrem ganz eigenen Charakter, gut unter einen Hut zu bekommen. Denn wir wollen alle als gemeinsames Ziel den Schülerinnen und Schülern eine gute Ausbildung geben“, meint Däuber. Die Anstrengungen wurden belohnt, denn seit Ende März zählen die Schnitzschulen nun zum immateriellen Kulturerbe Bayerns. Für ihre Aufnahme sprach die lange Tradition des Berufes und seine schulische Ausbildung.

Seit fast 200 Jahren erfolgt die Ausbildung in der Holzschnitzkunst in Bayern über die Schnitzschulen. Das holzverarbeitende Handwerk ist beim Holzbau, im Möbelbau und genauso in der Holzschnitzkunst ein unverzichtbarer Teil unseres kulturellen Erbes. Während der industriellen Revolution geriet die Holzschnitzkunst im 19. Jahrhundert zunehmend unter Druck. Ein veränderter bürgerlicher Geschmack, der teilweise Wegfall der katholischen Kirche als Auftraggeber und der zunehmende weltweite Handel verschärften die Situation.

Um sie wettbewerbsfähiger zu machen, wurden damals in Bayern die Schnitzschulen gegründet. Dort setzte man neben der handwerklichen Ausbildung großen Wert auf den Entwurf. Damit wollte man die Qualität der geschnitzten Arbeiten verbessern, die wiederum einen höheren Preis nach sich zog. Damit sollte das Auskommen der Schnitzerfamilien gesichert werden.

Bis heute wird bei der Ausbildung neben dem Handwerk auf den Entwurf großen Wert gelegt. War es damals die industrielle Revolution, so sind es heute die digitalen Veränderungen, mit denen sich auch das Holzbildhauerhandwerk auseinandersetzen muss. Da in den Schulen Theorie und Praxis zusammen gelehrt werden, stärkt es die Ausbildung, auch im digitalen Bereich, und die Holzschnitzerinnen und Holzschnitzer werden zu eigenständigen Arbeiten befähigt.

Nun ist neben den Weihnachtsschützen auch die Schnitzschule immaterielles Kulturerbe. Als gutes Beispiel für die Friedhofskultur ist der Alte Friedhof in Berchtesgaden ebenfalls ausgezeichnet. Damit zeigt sich, welch reiches kulturelles Erbe sich in Berchtesgaden findet. 

 Berufsfachschule für Holzschnitzerei und Schreinerei Berchtesgaden

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