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Beginnende Tourismussaison in Berchtesgaden

Bringen 9-Euro-Tickets den ÖPNV zum Erliegen? - RVO-Chef Datz: „Planung ist schwierig”

9 Euro Ticket Berchtesgadener Land Bus Bushaltestelle Berchtesgaden Symbolbild
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Am Freitagvormittag haben sich viele ein Schnäppchen-Ticket geleistet - und warten nun auf den Bus.

Gut gefordert ist die Regional Verkehr Oberbayern (RVO) seit Anfang der Pfingstferien. Überfüllte Busse gab es, bestätigt Niederlassungsleiter Andreas Datz, vor allem Richtung Salzburg. Die Urlaubssaison mit dem 9-Euro-Ticket „wird uns noch beschäftigen”, so lautet Datz‘ Prognose, spätestens im Sommer. Der Run auf die kostengünstigen Fahrkarten ist in vollem Gang.

Berchtesgaden - Margarete Gabis hat gerade ihren Bus verpasst. Die Bischofswieserin wollte mit ihrer Freundin rüber nach Salzburg, „zum Bummeln” ins benachbarte Österreich. Spazieren im Mirabellgarten, vielleicht auf den Mönchsberg hoch. „Ich war 30 Sekunden zu spät da”, sagt sie. Der Anschlussbus, in dem ihre Bekannte bereits saß, fuhr ihr vor der Nase weg. Sie muss jetzt warten.

Neun-Euro-Ticket im Berchtesgadener Talkessel - Größere Busse nötig

Margarete Gabis ist ein bisschen aufgebracht angesichts der unbeabsichtigten Warterei. Am Schalter des Hauptbahnhofs tut sie vorsichtig ihren Ärger kund. Die Schalterdame entschuldigt sich für die Unannehmlichkeiten. Kann passieren. Am Bahnschalter hat man aber anderes zu tun. Etwa 9-Euro-Tickets verkaufen. „Das ist eine gute Sache”, findet auch Margarete Gabis. Sie hat selbst eins. Sie ist damit schon zum Hintersee ins Bergsteigerdorf Ramsau gefahren. „Ich war zu Fuß im Klausbachtal bei den schönen Frauenschuhen”, berichtet sie mit einem breiten Lächeln über den Ausflug in den Nationalpark. Über zehn Euro hätte sie normalerweise für das Tagesticket gezahlt. Die vergünstigte Fahrkarte habe sich also schon rentiert. Natürlich plant die Ruheständlerin mehr: den Botanischen Garten in München hat sie auf dem Schirm. Die Region erkunden mit Bus und Bahn. „Einfach mal schauen”, sagt sie. 

Dass in den ersten Ferientagen viel los war in den Bussen der RVO, bestätigt Andreas Datz. Als Niederlassungsleiter der Regional Verkehr Oberbayern hat er im Landkreis Berchtesgadener Land 42 Busse unter sich. Weitere fahren im Auftrag. Für die Feriensaison hat sich die RVO aber gewappnet. Größere Busse sind im Einsatz, die mehr Personen fassen können. 115 statt 78. „Das war wichtig“, sagt Datz. Vor allem in Richtung Salzburg sei jede Menge los gewesen. Zudem gibt es Bereitschaftsdienste. Urlauber, die bereits mit dem 9-Euro-Schnäppchenticket anreisen, ist es möglich, im Berchtesgadener Land zu fahren, wohin sie wollen. Nur explizite Touristenlinien wie jene auf den Kehlstein hinauf beanspruchen den Urlauber-Geldbeutel zusätzlich.

Urlauber schlagen zu: Hunderte Neun-Euro-Tickets am Tag verkauft

Andreas Datz sagt, dass der Ansturm auf das 9-Euro-Ticket zumindest bei der RVO ausgeblieben sei. 334 Karten hätte man bis 1. Juni im Landkreis verkauft. Anderes berichten die Busfahrer. „Wir verkaufen nun hunderte am Tag”, sagt einer. Vor allem Urlauber schlagen zu. In den vergangenen zwei Stunden hat der Fahrer bereits 15 los gebracht. Ähnliches berichten Kollegen. Datz empfinde die Idee des Preisknaller-Tickets grundsätzlich als gut. Nur die Kurzfristigkeit, mit dem das Konzept in den Verkehrsalltag gepresst wurde, das stört ihn. „Unsere Kunden sollen Freude am Busfahren haben”, sagt er. Bei übervollen Fahrzeugen und möglichen langen Wartezeiten könnte die Urlaubsfreude an Bus und Bahn schnell verfliegen. „Wir haben ja vorgesorgt.“ Tatsächlich gab es Probleme am Bahnhof in Teisendorf. „Da war in den vergangenen Tagen deutlich mehr los als früher“, sagt Datz. Fahrgäste, die in Richtung Freilassing umstiegen, mussten warten, weil die Kleinbusse überfüllt waren. „Normalerweise transportieren wir dort nur wenige Personen“, sagt Datz. 

Renate Schmidt ist gebürtige Berchtesgadenerin, wohnt schon seit langem in der Linzer Gegend. Regelmäßig besucht sie ihre Familie in Berchtesgaden. Am Schalter erkundigt sie sich nach dem neuen 9-Euro-Ticket. „Ein tolles Angebot”, sagt die Wahl-Österreicherin. Dann kauft sie eins. “Wenn ich in Berchtesgaden bin, werde ich das Ticket nutzen”, so die Planung. Denn Schmidt fährt gerne öffentlich, mehr Bahn als Bus. In Österreich kann man von so einem Angebot nur träumen. 

Viel zu tun hat auch die Dame am Ticketschalter in der Bahnhofshalle von Berchtesgaden: „Die Nachfrage ist riesig.” Dicht gedrängt in Bus und Bahn? Das hat sich in der ersten Ferienwoche noch nicht bewahrheitet. Doch Datz hat bereits die Sommerferien im Blick. „Da findet dann der Schulverkehr statt, gleichzeitig haben einige Bundesländer dann Sommerferien.“ Er erwartet in der Region viele Urlauber. Das könnte schwierig werden, prognostiziert Datz.  

kp

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