Pressemitteilung Nationalpark Berchtesgaden

Quellen als Zeiger des Klimawandels

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Zum Abschluss des Projekts zur Klimafolgenforschung an Quellen trafen sich kürzlich 24 Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen im Nationalpark Berchtesgaden. Gemeinsam erarbeiteten sie im Rahmen eines dreijährigen Forschungsprojektes einen „Leitfaden für eine langfristige Beobachtung von Quellen zur Erfassung von Klimawandelfolgen in Bayern“.

Berchtesgaden - Sie sind stille Zeugen des Klimawandels in den Alpen: Quellen. Drei Jahre lang untersuchten die bayerischen Nationalparke Berchtesgaden und Bayerischer Wald zusammen mit dem Landesbund für Vogelschutz die Auswirkungen der Klimaveränderung auf das Ökosystem Quelle.

Finanziert wurde das Projekt durch das Bayerische Umweltministerium. Zum Abschluss des Projektes trafen sich kürzlich 24 Wissenschaftler im Berchtesgadener Nationalparkzentrum "Haus der Berge", um die Ergebnisse zu diskutieren. Der Leitfaden zum Quellmonitoring wird im Jahr 2020 veröffentlicht.


"Quellen haben eine ökologische Schlüsselfunktion für den Wasserhaushalt und die Biodiversität", erläutert Annette Lotz, Projektleiterin im Nationalpark Berchtesgaden. "Daher war es uns besonders wichtig, einen Monitoringstandard zur Erkennung von möglichen Auswirkungen des Klimawandels an natürlichen Quellstandorten in Bayern zu entwickeln". Dies ist gelungen, der "Leitfaden für eine langfristige Beobachtung von Quellen zur Erfassung von Klimawandelfolgen in Bayern" wird im kommenden Jahr veröffentlicht. An der Entstehung des Dokuments haben sich Experten aus den Bereichen Hydrologie, Klimatologie, Zoologie, Botanik und Geografie interdisziplinär beteiligt. "Der Leitfaden ist ein notwendiges Werkzeug zur standardisierten Dokumentation von klimarelevanten Trends und zeigt, wie wichtig die Erhaltung natürlicher Quellen ist - nicht nur für unser Trinkwasser", ergänzt Projektkoordinator Kurt Lichtenwöhrer, der unter anderem die langjährigen Quellbeobachtungen des Nationalparks Berchtesgaden ausgewertet hat. 

Die Bedeutung der Nationalparke für die Quellforschung liegt dabei auf der Hand: Nur in großräumigen Schutzgebieten, wo der Prozessschutz im Vordergrund steht, sind Entwicklungen nicht von menschlichen Nutzungen überlagert. Hier stehen Veränderungen in direktem Zusammenhang mit dem Klimawandel. Im Projekt mit dem Titel "Quellen in den bayerischen Nationalparken als Zeiger des Klimawandels" wurde an je 15 Standorten in den Nationalparken Berchtesgaden und Bayerischer Wald drei Jahre lang ein allgemeingültiger und damit übertragbarer Methodenstandard für faunistische, floristische, chemische, physikalische und weitere klimarelevante Umweltdaten an Quellen entwickelt. Dabei gingen die Aussagen aus den mittlerweile 25-jährigen Untersuchungen an Quellen im Nationalpark Berchtesgaden mit ein. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Folgen des Klimawandels in den Quellen erst zeitverzögert abbilden und stark von den Bedingungen im Einzugsgebiet und den Grundwasserleitern abhängen.Damit gelten Quellen als sehr stabile Ökosysteme. Dennoch sind Auswirkungen des Klimawandels auch in den Quellen zu erwarten, die Folgen für die Ökosysteme sind oft noch unbekannt. Mit dem Leitfaden wurde eine Ausgangsbasis geschaffen für vergleichbare Zeitreihen der klimarelevanten Umweltbeobachtung an natürlichen Quellen, der auch Handlungsempfehlungen enthält zur bayernweiten Übertragung auf andere Standorte.

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