Unter dem Leitmotiv "Idyll und Verbrechen"

Neue Dauerausstellung im Obersalzberg vorgestellt

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170.000 Besucher kommen pro Jahr zum Obersalzberg. Ab 2020 erwartet man mindestens 200.000 Gäste.

Berchtesgaden – Unter dem Leitmotiv "Idyll und Verbrechen" hat ein Team des Instituts für Zeitgeschichte im Alpen-Congress die neue Dauerausstellung der Dokumentation Obersalzberg einer breiten Öffentlichkeit präsentiert.

Dokumentationsleiter Dr. Axel Drecoll kündigte die Eröffnung für Sommer 2020 an. Derzeit wird der Erweiterungsbau im Auftrag des Freistaats Bayern für 20 Millionen Euro errichtet. Das Team des Instituts für Zeitgeschichte hat dafür unter dem neuen Leitmotiv "Idyll und Verbrechen" ein Konzept entwickelt, das mit mehr als 350 Exponaten und zahlreichen multimedialen Elementen die Geschichte des Obersalzbergs in einer modular konzipierten Ausstellung neu vermitteln wird. 

Hier in der Idylle der Berchtesgadener Alpen unterhielt Adolf Hitler seinen zweiten Regierungssitz. Die Neukonzeption der Dauerausstellung setzt sich zum Ziel, die enge Verbindung von Hitlers Hausberg mit den Massenverbrechen des NS-Regimes aufzuzeigen, erklärt Axel Drecoll. Inhaltlich gliedert sich die Ausstellung in fünf Kapitel: Sie beschreiben den historischen Ort, seine Topografie und Inszenierung, die Gesellschaft im Nationalsozialismus, Expansion und Krieg, die NS-Verbrechen an ausgewählten Tatorten und den Obersalzberg nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes.

Durch die einzelnen Kapitel leiten Erzähleinheiten, die anhand eines Schlüsselexponates verschiedene Themenkomplexe in einem Ausstellungsobjekt verbinden können. Damit soll das Konzept der neuen Ausstellung auch vielfältigen Erfahrungen aus der Besucherforschung Rechnung tragen: Der Weg durch die Ausstellung ist modular gestaltet, kann also auf einem idealen Weg begangen werden, genauso aber entlang individueller Etappen, die sich die Besucher selbst setzen. Axel Drecoll sagt, dass man ein ganzes Wochenende einplanen muss, um wirklich alles zu sehen. Ein durchschnittlicher Besucher werde sich aber nur 75 bis 90 Minuten in der Ausstellung aufhalten.

Ausgewählte Exponate, wie etwa ein Kindergasbett, Fotoalben und Originaldokumente, stehen dabei im Vordergrund des Geschehens. Ergänzt wird die didaktische Ausstattung durch verschiedene Medienstationen, die den Besuchern Gelegenheit geben sollen, die einzelnen Themen, Orte und Biografien individuell zu vertiefen.Zu den zentralen Vermittlungsanliegen der Dokumentation Obersalzberg gehöre es laut Drecoll, die Kompetenz zur kritischen Reflexion zu fördern. Die Eröffnung der Ausstellung ist für 2020 geplant. Sie wird begleitet durch ein umfassendes Bildungsangebot, für das das alte Ausstellungsgebäude als Bildungszentrum zur Verfügung stehen wird.

Im Oktober 2017 hatte der Freistaat Bayern den Grundstein für die neue Dokumentation Obersalzberg gelegt. Mit der Erweiterung bereitet sich der Lern- und Erinnerungsort auf dem Obersalzberg - Hitlers ehemaligem zweiten Regierungssitz - auf den seit Jahren steigenden Besucherzuspruch vor: Rund 170.000 Menschen drängen Jahr für Jahr in die Ausstellung über die Geschichte des Obersalzbergs und die Zeit des Nationalsozialismus.

Mit der auf 800 Quadratmeter deutlich vergrößerten Fläche, die zusätzlich noch rund 230 Quadratmeter für Wechselausstellungen bietet, war es den Verantwortlichen ein Anliegen, auch die Dauerausstellung neu zu konzipieren. Zuständig für die Neugestaltung ist das Institut für Zeitgeschichte München–Berlin (IfZ), das die Einrichtung seit ihrer Eröffnung im Jahr 1999 im Auftrag des Freistaats Bayern wissenschaftlich und museumsfachlich betreut.

Kilian Pfeiffer 

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