Nationalpark Berchtesgaden:

Die Ergebnisse von drei Jahren Waldinventur

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Extremer Standort: Diese Zirbe klammert sich hoch über den Königssee an einen kleinen Felsvorsprung. Die älteste Zirbe des Nationalparks ist über 800 Jahre alt und steht an einem geschützteren Standort im Klausbachtal.

Berchtesgaden - Die Ergebnisse der Waldinventur im Nationalpark wurden erstmals veröffentlicht -  die Besucher waren von den Resultaten überrascht:

5.782 Stichprobenpunkte, 88.000 aufgenommene Pflanzen, 800 Jahre alte Zirben  – die Ergebnisse der Waldinventur im Nationalpark Berchtesgaden überraschten die rund 100 Besucher im Nationalparkzentrum „Haus der Berge“ in Berchtesgaden.

Inventur-Leiter und Nationalpark-Mitarbeiter Bernd Becker sowie Christian Clasen von der Technischen Universität München hatten von 2010 bis 2012 drei Jahre lang im Nationalpark mit modernem Gerät den Zustand des Waldes ermittelt und bewertet. Die Ergebnisse stellten die beiden Forstwissenschaftler kürzlich im Rahmen der Winter-Vortragsreihe des Nationalparks erstmals öffentlich vor.

Jedes Jahr standen Inventur-Leiter Bernd Becker sechs Zweierteams zur Verfügung, die an insgesamt 5.229 Inventurpunkten mit modernem Gerät den Zustand des Waldes im Nationalpark ermittelten.

„In einem 100 mal 200 Meter großen Raster spannt sich ein gleichmäßiges Netz von 5.782 Inventurpunkten über den gesamten Nationalpark“, erläutert Bernd Becker, Leiter der Waldinventur, die Vorgehensweise. „Unser Ziel war es, jeden dieser Punkte im Gelände zu finden. Ein Punkt repräsentiert dabei zwei Hektar Wald, an jedem Punkt haben wir rund 80 verschiedene Parameter aufgenommen“. Bereits in den Jahren 1983 bis 1985 sowie zwischen 1995 und 1997 haben Waldinventuren im Nationalpark stattgefunden, an jedem Inventurpunkt wurden damals kleine Magneten in zehn bis 20 Zentimeter Tiefe vergraben. Diese Punkte mussten Bernd Becker und sein Team nun in mühevoller Kleinarbeit mit Magnetsuchgeräten wieder auffinden.

An 5.229 Punkten ist dies gelungen, die anderen Magneten waren aufgrund des Geländes mit vertretbarem Aufwand nicht mehr erreichbar. An allen Inventurpunkten haben die Mitarbeiter verschiedene Daten ermittelt wie Baumart, Baumhöhe, Durchmesser, Alter, Verjüngung, Totholz, Sträucher, Bodenfeuchte, Kleinbiotope oder Belastungen durch Schnee, Wasser und Überschüttung. Außerdem ermittelten die Teams von Becker und Clasen Nachweise von Raufußhühnern sowie das Vorhandensein von Ameisenhügeln und die Verfügbarkeit des Mobilfunknetzes.

Die Ergebnisse sind erstaunlich: Der älteste Baum des Nationalparks ist eine 801 Jahre alte Zirbe im Klausbachtal, der höchste Baum eine Fichte in der Röth mit 47,6 Metern. Mit 42,5 Metern erreicht auch eine Ulme auf der Halbinsel St. Bartholomä eine beachtliche Wuchshöhe. Ein echter Baumriese ist eine Fichte mit rund 144 cm Durchmesser in Brusthöhe, gefolgt von einem Bergahorn am Jenner mit 121 cm Durchmesser. Insgesamt ermittelten die Wissenschaftler knapp 24 Prozent mehr Bäume im Vergleich zur Inventur aus den Jahren 1995/1997. In der Kernzone des Nationalparks dominiert die Lärche mit 41 Prozent, gefolgt von der Fichte mit 32,6 Prozent. Der Anteil von Buche und Zirbe liegt bei rund zehn Prozent. Ein anderes Bild zeigt sich in der permanenten Pflegezone: Hier dominiert die Fichte mit 63,5 Prozent, gefolgt von der Lärche mit 19 Prozent.

Seit der ersten Inventur im Jahr 1983/1984 ist der Holzvorrat permanent gestiegen. Als besonders erfreulich bewerten die Experten die üppige Naturverjüngung im Nationalpark: Diese hat sich im Vergleich zu 1995/1997 mehr als verdoppelt. Mit 30,1 Prozent hat der Bergahorn den größten Anteil an der Verjüngung, die Fichte macht 26,6 Prozent aus. Hinzu kommen Edellaubholzarten wie Linde oder Esche mit 11,5 Prozent und sonstiges Laubholz wie Birke oder Vogelbeere mit 15,5 Prozent. Der Anteil der Tanne liegt bei 1,1 Prozent und hat sich gegenüber der zweiten Inventur verdoppelt.

Der Verbiss ist bei allen Baumarten deutlich zurückgegangen, der Totholzanteil hat sich verdoppelt. An insgesamt 112 Punkten fanden die Inventurtrupps Nachweise von Raufußhühnern, auf 659 Inventurpunkten wurden 713 Ameisenhügel gezählt. „Der hohe Anteil an Totholz, die artenreiche Naturverjüngung und die Zusammensetzung der Baumarten lassen darauf schließen, dass sich der Wald im Nationalpark zu einem natürlichen Bergmischwald entwickelt“, interpretiert Becker die Zahlen. „Dies ist ein sehr erfreuliches Ergebnis!“.

Die Daten der Waldinventur werden in viele Managementbereiche des Nationalparks einfließen: „Die Ergebnisse sind die Grundlage unserer Waldentwicklungsplanung, haben Einfluss auf die Fortschreibung des Nationalparkplanes und finden in der Forschung sowie in der Öffentlichkeitsarbeit Anwendung.“ erläutert Becker. Derzeit stellt der Leiter der Waldinventur die Ergebnisse in einem Forschungsbericht zusammen, der noch in diesem Jahr veröffentlich wird.

Pressemitteilung Nationalparkverwaltung Berchtesgaden

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