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Staatliches Bauamt Traunstein plant Fußweg

Baustelle am Berchtesgadener Bahnhof - Gefahr für geschützte Eidechsen?

Die Zauneidechse gilt als streng geschützt.
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Die Zauneidechse gilt als streng geschützt.

Ein geplanter Fußweg zum Bahnhof von Berchtesgaden könnte für das Staatliche Bauamt Traunstein hindernisreich werden: ein Eidechsenhabitat versperrt den Weg. Naturschützer gehen in Stellung. Nur eine Ausnahmegenehmigung der Regierung von Oberbayern könnte den Fußweg Realität werden lassen.

Berchtesgaden – Die Zauneidechse gilt als streng geschützt. Neben reich strukturierten Flächen nutzt sie auch von Menschen geschaffene Lebensräume wie Eisenbahndämme, Straßenböschungen, Steinbrüche oder Kiesgruben. An den Schotter der Gleise des Bahnhofs von Berchtesgaden hat sie sich schon lange gewöhnt. “Ein Vorkommen der streng geschützten Tiere ist aufgrund früherer Untersuchungen in diesem Bereich bekannt”, heißt es auf Nachfrage bei der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Berchtesgadener Land. Nach Beendigung der Winterruhe verlassen die tagaktiven Tiere ab März bis Anfang April ihre Winterquartiere. In den Jahren 2020 und 2021 wurde die Zauneidechse vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) zum “Reptil des Jahres” gekürt.

Die Bundesstraße wird monatelang gesperrt bleiben wegen Bauarbeiten. Auch der Fußweg ist davon betroffen.

Weil das Staatliche Bauamt die Bundesstraße 305 saniert, wird der bestehende Fußweg monatelang gesperrt sein. Während der Instandsetzung der durch Hochwasserschäden zerstörten Straße soll zwischen Gmundbrücke und dem Bahnhof Berchtesgaden “die gesamte Bauzeit eine Fußgängerführung” ermöglicht werden, teilt die Untere Naturschutzbehörde mit. Durch die geplante Wegeführung auf dem stillgelegten Gleis parallel zur Bahnstrecke sind aber artenschutzrechtliche Belange betroffen, heißt es aus dem Landratsamt. Der angedachte Weg ist 370 Meter lang und zwei Meter breit. Im Staatlichen Bauamt Traunstein macht man keinen Hehl aus der Planung und aus der Tatsache, dass es zu Problemen führen könnte, wie Baudirektor Martin Bambach weiß. 

Aufgrund der Strukturen im Bereich des stillgelegten Gleises könnten bei der Umsetzung des Vorhabens Überwinterungshabitate der Zauneidechse verloren gehen. “Ebenso können Tötungen von Individuen während der Bauzeit nicht mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden”, so ein Mitarbeiter der Naturschutzbehörde auf Nachfrage. Zudem sei möglich, dass temporär Lebensstätten verloren gingen, da Bereiche eines alten Ausziehgleises und dessen Übergangsbereiche inklusive der angrenzenden Vegetation als Habitate für Reptilien als geeignet gelten. 

Das Staatliche Bauamt Traunstein hat momentan einen eigenen Gutachter eingesetzt, um das Vorhaben zu prüfen. Eine abschließende Beurteilung gibt es laut Baudirektor Bambach noch nicht. Im Vorfeld hatte die Untere Naturschutzbehörde Unterlagen eingefordert. Der Katalog an erforderlichen Untersuchungen und notwendigen Maßnahmen wird auch von der Regierung von Oberbayern bei Arbeiten im Gleis- und Schotterbereich gefordert

“Wir haben uns viele Gedanken gemacht, wie man den Fußweg umsetzen könnte”, sagt Martin Bambach. So kommt auch ein Holzbohlenweg infrage. Allerdings bleibt unklar, ob die Verantwortlichen im Staatlichen Bauamt Interesse an einer Auseinandersetzung haben: Denn die Naturschützer aus der Region haben bereits Stellung bezogen. Hinzu kommt: Eine Verzögerung der Baustelle ist keine Option. Unter Umständen wird das Bauamt auf den Weg verzichten und im Gegenzug ausschließlich einen Shuttle-Service für Fußgänger anbieten, der die Baustelle umfährt. 

Zudem bleibt eine weitere Möglichkeit: Sollten die Maßnahmen ohne entsprechende Untersuchungen durchgeführt werden, müsste das Staatliche Bauamt Traunstein eine entsprechende Ausnahmegenehmigung bei der Regierung von Oberbayern beantragen. In § 45 BNatSchG (Bundesnaturschutzgesetz) heißt es: “Eine Ausnahme darf nur zugelassen werden, wenn zumutbare Alternativen nicht gegeben sind und sich der Erhaltungszustand der Populationen einer Art nicht verschlechtert.” Aus dem Staatlichen Bauamt heißt es: “Wir bleiben da mit Hochdruck dran.” Man werde erneut informieren, “sobald uns Handlungsmöglichkeiten gegeben oder genommen sind”.  

kp

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