Versuchte Erpressung in Berchtesgaden

Nach Drohbrief gegen Hüttenwirt: Jetzt ermittelt die Polizei

Berchtesgaden - Nach der Aufregung um einen "Erpresserbrief" an einen Hüttenwirt hat die Polizei nun Ermittlungen aufgenommen.

Die Corona-Krise stellt Gastronomen vor große Herausforderungen. Besonders schwer trifft es die Hüttenwirte, sie müssen den Spagat zwischen Besucheransturm und Hygienemaßnahmen meistern. 


Reisegruppe schreibt "Erpresserbrief" an Hüttenwirt

Die Situation ist für Gäste und Wirte nicht einfach, Rücksicht und Solidarität sollten das Gebot der Stunde sein. Sollten - dass dies nicht immer so ist, zeigt ein Fall aus Berchtesgaden.

Was ist passiert? Eine Reisegruppe war nicht zufrieden mit ihrer Unterbringung und beschuldigte den Hüttenwirt, gegen die Corona-Verordnungen verstoßen zu haben. Ihren Unmut drückten die Touristen in einem Brief aus, den der DAV kurzzeitig auf Facebook veröffentlichte. Allerdings kritisierten die Verfasser den Hüttenwirt nicht nur, sie stellten auch Forderungen. Die Gruppe verlangte eine Entschuldigung und den Übernachtungspreis zurück. Sollte der Wirt nicht einlenken, so würde sie Anzeige erstatten.


Der Brief im Wortlaut:

"Sehr geehrte Damen und Herren,

wie wir Ihnen bereits vor Ort mündlich unter Zeugen mitgeteilt haben, ist es nicht erlaubt derzeit vier Personen aus vier unterschiedlichen Hausständen in ein kleines Zimmer (circa 3 x 3 Meter) wie wir es hatten einzuquartieren. Auf unsere Aufforderung hin, dies mit uns zu unterlassen, wollten Sie ja wegen "gnadenloser Überbuchung" nicht reagieren bzw. erst gar nicht darauf eingehen.

(...) Wir bitten Ihnen jetzt einmalig und außergerichtlich an, als Entschädigung- und Entschuldigung uns den somit illegalen Übernachtungspreis (3 Personen á 36 Euro) komplett zu erstatten."

Sollte eine Zahlung nicht erfolgen, drohte die Gruppe mit einer Anzeige und weiteren Maßnahmen, wie der Meldung des Falls an das Gesundheitsamt und andere Behörden.

Drohbrief sorgt für Aufsehen auf Facebook

Der Brief sorgte für ein großes Echo auf Facebook und wurde kurze Zeit nach Veröffentlichung wieder gelöscht vom DAV. Der DAV Berchtesgaden erklärte: "Uns geht es nicht darum, den Verfasser bloßzustellen, nur auf die Situation aufmerksam zu machen. Der Verfasser hat seinen Fehler inzwischen eingesehen, das Schreiben zurückgezogen und die Situation hat sich geklärt."

DAV bringt Vorfall trotzdem zur Anzeige

Allerdings sprach auch der DAV eine klare Warnung aus: "Zu unserem Schutz und dem unserer Wirte bringen wir solche Versuche (Anm. d. Red.: kostenlose Übernachtung erzwingen) ausnahmslos zur Anzeige!"

Die DAV Sektion Berchtesgaden hat den Vorgang zwar nicht zur Anzeige gebracht, die Polizei Berchtesgaden wurde aber von dem Vorgang in Kenntnis gesetzt und alle Unterlagen wurden übermittelt. Die Polizei hat von Amts wegen Ermittlungen aufgenommen und die Staatsanwaltschaft informiert.

bcs

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