Strittiges Bauvorhaben in Berchtesgaden

„Für Premiumlagen werden solche Preise immer gezahlt“

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Unternehmer Martin Harlander arbeitet derzeit an 30 Projekten parallel. Eines davon ist die Villa Bayer, die abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden soll.
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Berchtesgaden - Die Schön-Villa soll abgerissen werden und dafür vier Wohnhäuser errichtet werden. Und genau dagegen gehen die Bürger der Stadt auf die Barrikaden. Darum sind die Erfolgsaussichten jedoch gering: 

„Hat der Ausverkauf der Heimat begonnen“, fragte Bürgermeister Franz Rasp überspitzt in die Runde. Weil der österreichische Unternehmer Martin Harlander ein 6.000 Quadratmeter großes Grundstück am Ortseingang von Berchtesgaden gekauft hat, dort vier Häuser mit 26 Wohnungen errichten möchte, ist die Entrüstung in der Bevölkerung groß. Auch, weil die Villa Schön, ein herrschaftliches Anwesen, weichen soll. 

Rasp lud nun zu einer öffentlichen Aussprache ins voll besetzte Rathaus – Unternehmer Harlander inklusive. Bürgermeister Rasp kündigte wegen des überwältigenden Besucherandrangs an, eine zweite, „besser vorbereitete“ Informationsveranstaltung durchführen zu wollen. Diese soll nach Pfingsten stattfinden, dann im AlpenCongress in Berchtesgaden. Die Veranstaltung im Rathaus hatte er kurzfristig auf Facebook einberufen, weil dort emotional, mit Vermutungen und Behauptungen argumentierend über den Abriss der Villa und die geplanten Neubauten diskutiert worden war: „Wird Berchtesgaden verkauft, alles weggebügelt, übernehmen Österreicher den Ort, genehmigt Berchtesgaden blind alle Bauvorhaben?“, fragte er eingangs in die Runde. 

Berchtesgaden nur noch für Reiche?

Tatsächlich ist Berchtesgaden in den vergangenen Jahren zu einem Ort geworden, in dem der Kauf eines Eigenheims für Normalverdiener kaum mehr möglich ist, der Platz stark begrenzt. Insofern ist das Vorhaben von Harlander prekär, weil hier ein Premiumgrund auf einem Hügel unweit des Nationalparkzentrums „Haus der Berge“ für ein Neubauprojekt verwendet werden soll, bei dem die Quadratmeterpreise nicht für unter 4500 Euro laufen. Der Hügel soll abgetragen und eine große Tiefgarage entstehen.

Alle Häuser sollen komplett barrierefrei gebaut werden, samt Aufzügen. Die Befürchtung eines Teils der Bevölkerung ist groß, „dass hier Luxuswohnungen und Zweitwohnungen für Auswärtige entstehen, die drei Mal im Jahr vorbeikommen“, heißt es auf Bürgerseite. „Es liegt in jedem Fall Baurecht auf dem Grundstück“, so Rasp. Der Grund samt Villa Schön war drei Jahre lang zum Verkauf gestanden, für rund 1,3 Millionen Euro. „Keiner hatte es gekauft, dann haben wir zugeschlagen“, resümiert Martin Harlander, der sich den zahlreichen Bürgern in der Diskussion stellte. 

Ist die Gemeinde machtlos?

Für eine Gemeinde sei es schwierig, Einflussmöglichkeiten zu nehmen, so Rasp, wenn Baurecht vorliege. Deutlich einfacher falle es aus, wenn ein Bebauungsplan vorliege und die Gemeinde erst Baurecht schaffe. Tatsächlich liegt das Grundstück im Innenbereich, „das wurde mehrfach überprüft“, sagte Rasp. Vermutungen, es könne sich hier um einen „Außenbereich im Innenbereich“ handeln, widersprach er. 

Daher gab es von der Gemeinde auch das gemeindliche Einvernehmen. „Wenn objektiv nichts dagegen spricht, darf man als Gemeinderat nicht dagegen stimmen“, so Rasp. Derzeit prüfe das Landratsamt die Abstandsflächen. Anders als bislang beteuert, wurde die Villa Schön, die in Alleinlage an einen großen Baumbestand grenzt, bislang noch nie vom Bayerischen Landesamt für Denkmalschutz überprüft, wie das Landratsamt Berchtesgadener Land auf Nachfrage mitteilt.

Villa fällt wohl nicht unter Denkmalschutz 

Kreisheimatpfleger Johannes Schöbinger sagt, dass die Villa unter den Amerikanern immer wieder verändert worden war. „Ich denke nicht, dass sie die Kriterien für die Aufnahme in die Denkmalliste erfüllt“, sagte Schöbinger. Anders die direkt gegenüberliegende Villa Bayer, in der die Polizeiinspektion Berchtesgaden untergebracht ist und die Innenminister Joachim Herrmann bei einem Besuch als „schönste Polizeiinspektion Bayerns“ bezeichnet hatte. 

Bürgermeister Rasp sagte, dass man im Zuge des neuen Flächennutzungsplan prägende Grünzüge für den Ort festgestellt hatte. Ein Teil des 6.000 Quadratmeter großen Grundstücks fällt darunter und soll unter allen Umständen erhalten werden, so Rasp. Der Bürgermeister informierte darüber, dass es nicht das Ziel der Gemeinde sei, „ins Unendliche zu wachsen“, er machte aber darauf aufmerksam, dass die Wohnfläche pro Bürger im Laufe der vergangenen Jahrzehnte gestiegen sei, von 40,45 Quadratmetern (1990) auf 47 Quadratmeter (2010). 

Der Lebensbedarf sei ein anderer geworden, daher sei es wichtig, dass zusätzlicher Wohnraum geschaffen werde. Rasp äußerte seine Bedenken gegenüber Unternehmer Martin Harlander, dass die ortsprägenden Bäume auf dem Grundstück wegkämen. „Wenn der Baumbestand in zwei Jahren weg wäre, wäre das tragisch. Es darf nicht sein, dass man dann am Ortseingang auf Baumstümpfe schaut. Das wäre ein Desaster“, sagte er. 

Das Ziel: Bezahlbaren Wohnraum schaffen!

Bezahlbarer Wohnraum sei für einen Ort wie Berchtesgaden notwendig, die Gemeinde sei daran, solchen zu schaffen. Geplant ist etwa, das Grundstück, auf dem aktuell die Mittelschule Berchtesgaden steht, in einigen Jahren so umzugestalten, dass dort bezahlbarer Wohnraum entsteht. „Über die Privatwirtschaft lässt sich das nicht regeln. Das ist zu wenig attraktiv“, weiß Rasp. Er erläuterte den Anteil an Zweitwohnungen, die in den vergangenen Jahren bei Großbauprojekten entstanden waren. 

Bei 42 Wohneinheiten an der Salzburgerstraße, im Nonntal und in der Villa Minerva seien 59 Personen gemeldet. Sieben davon hätten einen Zweitwohnsitz gemeldet. 32 Personen seien Einheimische. Unternehmer Martin Harlander, der seit mehreren Jahren in Berchtesgaden ist und etwa an der Jennerbahn, dem Biomasseheizkraftwerk in Schönau am Königssee sowie dem Hotelneubauprojekt am Königssee beteiligt ist, forderte von den anwesenden Bürgern „Respekt vor dem Privateigentümer.“ Er sehe die Sache aus der Sicht eines Unternehmers. „Wir planen etwas, das der Ort verträgt.“ Die Villa Schön zu erhalten, ist für Harlander keine Option: „Ich kann guten Gewissens behaupten, dass sie nicht in dem Zustand ist, wie man von außen meinen könnte“, sagte er. 

75 Prozent der Anfragen für jene geplanten 26 Wohneinheiten in vier Häusern kämen von Berchtesgadenern. Die Nachfrage sei enorm bei derartigen „Premiumlagen“. Harlander widersprach dem Vorwurf, Luxuswohnungen bauen zu lassen, "aber ich will mich am Ende nicht schämen und das Ergebnis soll vertretbar sein.“ Harlander, der in der Vergangenheit immer wieder als „Heuschrecke“ bezeichnet worden war, distanziert sich von dieser Benennung, sagt, dass man aufpassen müsse, dass die Stimmung im Ort nicht kippe.

Endgültige Entscheidung steht noch aus

Die Gebäude sollen eine Tiefgarage erhalten und barrierefrei gestaltet werden. Für die Baumaßnahme, so ein Sprecher des Harlander Baumanagement, soll ein Teil des alten Laubwaldes gerodet werden. Von der Gemeinde, ergänzt das Unternehmen, gebe es bereits grünes Licht. Aktuell warte man auf die Entscheidung des Landratsamtes.

Kilian Pfeiffer/kil

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