So reagiert Berchtesgadens Bürgermeister auf die Pläne aus Salzburg

Franz Rasp: "So geht man nicht mit Nachbarn um"

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Bürgermeister Franz Rasp äußerte sich zu den Plänen der Salzburger kritisch
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Berchtesgaden - Weil die dritte Kontrollspur am Walserberg weiterhin auf sich warten lässt, wollen die Salzburger nun reagieren. Deshalb wurde eine Maßnahmeplan erarbeitet, der fünf Punkte beinhaltet. Nun hat Bürgermeister Franz Rasp aus Berchtesgaden dazu geäußert.

Update, 12.30 Uhr - "Eine medienwirksame Trotzreaktion"

Zu dem Maßnahmeplan der Salzburger hat sich nun auch Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp geäußert. "So geht man nicht mit Nachbarn um! Berchtesgaden soll für die Salzburger Verkehrsprobleme in Geiselhaft genommen werden", schrieb Rasp auf seiner offiziellen Facebook-Seite. "Ich habe den Eindruck, dass es sich da um eine medienwirksame Trotzreaktion handelt, die unseren Ort absichtlich ins Verkehrschaos stürzen wird."

Weil die deutsche Regierung zu spät gehandelt habe, wird die dritte Spur voraussichtlich erst nach dem Sommer fertig. So lange will Landesrat Stefan Schnöll nicht warten und erarbeitete fünf Punkte, um den Verkehr für die Gemeinde zu entlasten. Dies könnte sich negativ auf die Gemeinde Berchtesgaden auswirken.

"Es ist tröstlich, dass wir auf bayerischer Seite zumindest gut genug als Kunden für die Einkaufszentren sind, fleißig Autobahngebühren zahlen und auch als Einflugschneise für den Flughafen herhalten", schreibt Bürgermeister Rasp auf Facebook weiter. "Schade finde ich, dass die grenzüberschreitende Rücksichtnahme auf die bayerischen Nachbargemeinden für die Salzburger anscheinend keine Rolle spielt."

Die Reaktionen auf Facebook unter dem Beitrag von Bürgermeister Rasp sind geteilt. Während einige User über das Verhalten der Salzburger Politiker verärgert sind ("Eine riesengroße Sauerei ist das"), sehen einige die Schuld auf deutscher Seite ("Effektive Maßnahme wäre einfach, die Kontrollen zu beenden"). Andere Facebook-User wiederum nehmen die Situation mit Humor ("Ich mach mir dann demnächst einen Bauchladen mit Getränken und was zum Naschen, damit stell ich mich an den Straßenrand").

Update, 10.50 Uhr - Dritte Spur kostet zwei Millionen Euro 

Am 27. Februar dieses Jahres kam eine Salzburger Delegation in einem Gespräch mit dem deutschen Innenminister Horst Seehofer zu dem Ergebnis, dass am Autobahngrenzübergang Walserberg auf drei Spuren kontrolliert werden soll. Zwar wird dieser Plan umgesetzt, doch Deutschland hat für den Auftrag zu viel Zeit verstreichen lassen.

Die Umsetzung sei laut einer Auskunft des deutschen Verkehrsministers erst nach dem Sommer möglich, berichtet salzburg24.at. Da die dritte Kontrollspur wegen der Asphaltierung mindestens zwei Millionen Euro kosten soll, ist eine EU-weite Ausschreibung nötig. Deshalb verzögere sich das Projekt.

Landesrat Stefan Schnöll sagte gegenüber den Salzburger Nachrichten: "Ich werde alles in Bewegung setzen, dass wir möglichst bis zur Hauptreisezeit in diesem Jahr die Lösung haben."

Deshalb wurde jetzt ein Maßnahmenplan erarbeitet, der mehrere Punkte umfasst. So sollen bestehende Verordnungen gegen die Stau-Umfahrer, vor allem in den Gemeinden Grödig und Wals-Siezenheim verschärft werden. Bei den bisher eingeführten Fahrverboten auf den Gemeindestraßen soll es nicht bleiben.

Außerdem wollen die Salzburger eine Hauptausweichroute einführen, die über die Abfahrt Salzburg-Süd nach Grödig und über die B160 nach Marktschellenberg bis nach Berchtesgaden führt. Die Polizei habe des weiteren die Möglichkeit, Autobahnabfahrten zu sperren, um nur noch Ziel- und Quellverkehr durchzulassen. Eine Einsatzzentrale werde im Sommer eingerichtet, um schneller Entscheidungen zu treffen und den Verkehr im Blick behalten zu können.

Vorbericht

Am Walserberg soll eine dritte Kontrollspur kommen. Das hat Bundesinnenminister Horst Seehofer von der CSU dem Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer von der ÖVP zugesagt.

Allerdings verzögert sich die dritte Spur erheblich, sodass die Salzburger eine Retourkutsche planen, berichten bayernwelle.de und die Salzburger Nachrichten. In einigen Wochen startet die Hauptreisezeit auf den Autobahnen, der dann zu dichtem Urlaubsverkehr führt. 

Die Salzburger sind sauer auf Deutschland und holen zum Gegenschlag aus: Autofahrer, die den Stau von der A1 auf die A8 umgehen wollen, müssen nach Informationen von bayernwelle.de künftig über Bayern fahren. In Grödig und Wals gilt ein Fahrverbot auf den Gemeindestraßen und bei Salzburg Süd sorgt eine Ampel in Anif schnell für Stau. Damit bleibt den Autofahrern nur noch Berchtesgaden, so der Plan der Salzburger.

Grödigs Bürgermeister Herbert Schober sagte gegenüber den Salzburger Nachrichten: „Das ist ein deutsches Problem. Also dürfen sie auch über Deutschland fahren.“ Das Projekt der dritten Kontrollspur steht noch ganz am Anfang, die Planungen beginnen derzeit.

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