Kinos in der Region kämpfen weiter ums Überleben

"Kino ohne neue Filme ist wie eine Bücherei ohne Bücher"

Keine vollen Kinosäle bedeuten für die Betreiber massive Einbußen.
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So voll wie bei der Star Wars Premiere vergangenes Jahr wird das Kino Berchtesgaden erst einmal nicht besetzt sein.

Berchtesgaden/Traunreut - Seit Montag (15. Juni) dürfen in Bayern die Kinos wieder öffnen. In der Region müssen sich die Cineasten noch gedulden. Sowohl in Berchtesgaden als auch in Traunstein und Traunreut warten die Kinobetreiber noch mit der Öffnung. Vor allem die nötigen Hygienemassnahmen machen ihnen zu schaffen.

Wie überall gilt auch in bayerischen Kinos die Abstandsregel von 1,5 Meter und die Maskenpflicht. Dazu müssen die Betreiber ein Lüftungs- und Hygienekonzept vorweisen. Den ganzen Aufwand betreiben sie für maximal 50 Personen. Mehr dürfen gleichzeitig nicht ins Kino. "Ich habe den größten Kinosaal im Landkreis Berchtesgadener Land und kann somit 50 Personen unterbringen, wenn jede zweite Reihe frei ist und zwischen den Besuchern noch zusätzlich zwei Sitze", gibt sich Thomas Kastner vom Kino Berchtesgaden vorsichtig optimistisch. Aber auch bei ihm sind dann nur ein Drittel der Plätze besetzt.


Markus Keßler von den Kinos "Cine Chiemgau" in Traunstein und Traunreut rechnet nicht damit, vorerst schwarze Zahlen zu schreiben.

"50 Leute werden wir gar nicht erreichen", gibt sich Markus Keßler von Cine Chiemgau skeptisch. Der Austausch mit anderen Kinos in Deutschland zeige, dass meistens nicht mehr als zehn Leute in eine Vorstellung gingen. Trotzdem will er im Juni von Donnerstag bis Sonntag in Traunreut das Kino öffnen, in Traunstein von Freitag bis Sonntag. "Wir wollen es einfach probieren." Immerhin darf beim Popcorn essen am Platz der Mundschutz abgenommen werden.

Corona verhindert weiter Filmpremieren

Thomas Kastner wartet unterdessen noch ab. "Vermutlich öffne ich kommende Woche Donnerstag (25. Juni). Bei mir im Kino sind die Zugänge sehr eng, da wird es mit 1,5 Meter Abstand sehr schwierig." Die anderen Vorkehrungen wie Online-Tickets, Spuckschutzwände und Hygienevorschriften sind getroffen. Aber für ihn fehlt das Wichtigste: "Es sind keine Filme da. Das ist gerade wie eine Bücherei ohne Bücher."


Die großen Kinofilme starten in der Regel weltweit und brauchen sechs Wochen Vorlaufzeit. "Die Premieren sind alle in den Herbst oder auf kommendes Jahr verschoben", bedauert auch Markus Keßler. "Erst wenn weltweit die Kinos wieder geöffnet sind, wird es wieder Premieren geben." Bis dahin behelfen sich die Kinobetreiber mit Filmen von Anfang des Jahres oder sogar aus dem Herbst 2019.

Corona-Shutdown für Kinos "betriebswirtschaftliche Katastrophe"

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"Das Ganze ist eine betriebswirtschaftliche Katastrophe", so Kastner und auch Keßler gibt zu: "wenn wir eine schwarze Null schreiben, sind wir zufrieden." Doch davon geht auch der Geschäftsführer von Cine Chiemgau nicht aus. Dennoch wagt er die Öffnung an den Wochenenden. "Schulden machen wir sowieso", sieht er es pragmatisch. Dem kann Kastner so nicht zustimmen: "Ich kann nicht aufsperren und ein größeres Minus machen."

Es gibt die Fixkosten wie Miete, Versicherung und Strom. Bei einer Öffnung wird Personal gebraucht, das zusätzlich gezahlt werden muss und auch die Hygienemassnahmen kosten Geld. Deshalb haben sich die Betreiber des Park-Kinos in Bad Reichenhall dazu entschlossen, eine schon länger geplante Renovierung vorzuziehen. In den Kinos in Berchtesgaden, Traunstein und Traunreut werden demnächst wieder Filme über die Leinwand flimmern. Ob die Betreiber den finanziellen Kraftakt schaffen, liegt an uns, den Besuchern.

cz

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