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Bei der Jahreshauptversammlung des VdK Berchtesgaden

Bischofswiesens Bürgermeister Weber mit düsterer Prognose: „Nächste Krise noch massiver“

Thomas Weber VdK
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Sprach deutliche Worte und stimmte auf schwere Zeiten ein: Bischofswiesens Bürgermeister Thomas Weber.

Die Prognose für den Herbst ist düster: „Viele wird es hart treffen“, sagte Bischofswiesens Bürgermeister Thomas Weber bei der Jahreshauptversammlung des VdK Berchtesgaden. Der Sozialverband vertritt im Berchtesgadener Talkessel als einer der größten Ortsvereine knapp 1800 Menschen. „Diejenigen, deren finanzielle Mittel nur knapp über dem Sozialhilfesatz liegen, werden sich das Leben wegen der gestiegenen Energiekosten kaum mehr leisten können“, sagte der wiedergewählte Vereinsvorsitzende Wolfgang Kemmler. 

Berchtesgaden/Bischofswiesen – Der Sozialabbau greift um sich. „Es wird eine schwierige Zeit werden“, ist sich Thomas Weber sicher. Senioren, Familien, Alleinerziehende: Wenn im Herbst die Rechnungen für Gas und Öl reinflattern, die Stromkosten weiterhin nur den Weg nach oben kennen, dann „könnte das ein böses Erwachen geben“, sagt der Gemeindechef. Die Gemeinden würden sich darauf vorbereiten, um später unterstützend und „pragmatisch“ zu helfen, so Weber. „Viel Scham“ erkenne er bei Menschen, die Hilfe benötigten, sich aber nicht trauten, diese in Anspruch zu nehmen. „Wir haben die Hochwasserkrise bewältigt, wir haben während Corona finanziell unterstützt.“ Und jetzt? „Die nächste Krise wird noch massiver werden – aber wir schaffen das“, so Webers Prognose.

Mitgliederzahlen steigen seit Jahren an – weil Rente nicht ausreicht

Fünf Vereine des VdK gibt es im Landkreis, knapp 8000 Mitglieder zählen diese, weiß Guido Boguslawski, Geschäftsführer des Kreisverbands im Berchtesgadener Land. Die Mitgliederzahlen steigen seit Jahren. Im vergangenen Jahr ist der Kreisverband um knapp sechs Prozent gewachsen, im Vergleich zum Vorjahr. Das hat Gründe: Bei vielen reicht die Rente nicht aus, es gibt Probleme mit Anträgen. „Wir helfen dabei, dass Gelder, die den Leuten gesetzlich zustehen, am Ende auch ausgezahlt werden“, sagt Vereinsvorsitzender Wolfgang Kemmler. Im vergangenen Jahr gab es im Landkreis so viele Beratungen wie noch nie: 6700.

Vereinsvorsitzender Kemmler hatte selbst Unterstützung nötig

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Verband vom ehemaligen Kriegsopferverband zum Sozialverband entwickelt, der für soziale Gerechtigkeit und Gleichstellung kämpft und sich gegen den Sozialabbau stark macht. Unterstützt wird bei Rentenanträgen, in Klageverfahren und bei Widersprüchen. In Zeiten hoher Inflation und exorbitanter Energiekosten „können wir nur in gewissem Rahmen unterstützen und im Notfall Beihilfe geben“, dämpft Wolfgang Kemmler mögliche finanzielle Perspektiven. Kemmler hatte vor seiner aktiven Zeit selbst die Unterstützung des Vereins benötigt. Deshalb wurde er Mitglied. Sein Rentenverfahren, das der VdK unterstützte, war von Erfolg gekrönt. Seitdem engagiert sich der 70-Jährige ehrenamtlich intensiv.

Bayernweit an der Spitze: Reichenhall und Berchtesgaden

Bayernweit rangieren die Ortsvereine in Reichenhall und Berchtesgaden ganz vorne mit, was die Mitgliederzahlen im Verhältnis zu den Einwohnern angeht. Knapp zwei Millionen Euro konnte der Kreisverband im vergangenen Jahr für Nachzahlungen und laufende Leistungen beantragen und erstreiten. Dabei geht es um Themen wie Krankenkassenbeiträge, die Pflegeversicherung oder die Berufsgenossenschaft. Zwei Drittel der 1400 gestellten Anträge seien erfolgreich gewesen, weiß Boguslawski. Rund 80 Widerspruchsverfahren waren von Erfolg gekrönt, weitere 20 Klagen. Der Kreisgeschäftsführer erwartet sich in schwierigen Zeiten weiterhin steigende Mitgliederzahlen.

Vorsitzender Kemmler kooperiert schon seit längerem mit der Seniorengemeinschaft im südlichen Landkreis. Die Zusammenarbeit soll ausgebaut werden „Das, was sie leisten, können wir nicht – umgekehrt gilt das aber auch für uns.“ Kemmlers Prognose nach wird es für Senioren mit niedrigen Renten deutlich schwieriger. „Ich warte noch immer auf die angepassten Zahlungen nach der Rentenerhöhung“, machte sich ein VdK-Mitglied während der Versammlung bemerkbar. „Ich bräuchte das Geld aber dringend.“

Auch in anderer Hinsicht möchte der VdK in Zusammenarbeit mit den Seniorenvertretern der Gemeinden vermehrt Aufklärungsarbeit leisten. Nach mehreren Fällen, bei denen Rentner aus der Region durch Betrüger um teils mehrere zehntausend Euro erleichtert wurden, soll Kriminalhauptkommissar Karl-Heinz Busch aus Traunstein über den sogenannten Enkeltrick und weitere kriminelle Betrugsabsichten aufklären. Die Veranstaltung ist für den 10. November im Gasthaus Schönfeldspitze in Bischofswiesen geplant. 

Neuwahl in Berchtesgaden: Kemmler bleibt Vorsitzender

Bei der Vorstandswahl wurde Wolfgang Kemmler für vier weitere Jahre in seinem Amt bestätigt. Zwei Stellvertreter stehen ihm ab sofort zur Seite, Manfred Angerer und Gabriele Kuhlemann. Kuhlemann hat zusätzlich die Rolle der Schriftführerin inne. Kassier bleibt Gottlieb Schöndorfer. Vereinsbeisitzende sind German Lochner und Siegfried Weigant. Als Kreisdelegierte wurden bei der Wahl Manfred Angerer, Gabriele Kuhlemann, Germann Lochner, Siegfried Weigant und Elfi Schöndorfer bestimmt.

kp

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