Ein erstes Resumee von Dr. Roland Baier: Meine ersten drei Monate im Amt

"Der Prozess im Nationalpark kommt Mensch und Natur zugute"

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Dr. Roland Baier (Leiter Nationalpark Berchtesgaden)
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Berchtesgaden - Es ist soweit - die ersten zwölf Wochen als neuer Leiter im Nationalpark sind vorbei. Ein kurzer Rückblick und eine Vorschau in die Tätigkeit des Dr. Roland Baier

Am 1. August hieß es im Haus der Berge "Amtsübergabe auf Chefetage". Nach 16 Jahren wurde Dr. Michael Vogel in den Ruhestand verabschiedet. Die neuen Geschicke leitet kein Unbekannter. Im Gegenteil, Dr. Roland Baier war bereits fünf Jahre lang als stellvertretender Leiter am Nationalpark tätig. 

BGLand 24.de hat den neuen Leiter getroffen und wollte wissen, wie es nun - nach den ersten Wochen im Amt weitergeht. 

Interview mit Dr. Roland Baier 

Herr Dr. Baier - die letzten Wochen sind - im Redaktionsalltag wie im Flug vergangen - wie schaut es bei Ihnen aus? 

Im Prinzip genauso! Das liegt nicht nur an den neuen, interessanten Herausforderungen im Nationalpark, sondern vor allem auch daran, dass ich bis Ende September für zwei Tage in der Woche an meine vorhergehende Dienststelle, das ASP in Teisendorf abgeordnet war. 

Dies wurde vereinbart, damit dort eine geordnete Übergabe an den neuen Leiter stattfinden kann – insgesamt also eine gute Lösung. Für mich persönlich vergehen die verbleibenden drei Tage am Nationalpark dann natürlich wie im Flug. 

Wie weit haben Sie schon in die Materie - Ihr neues Aufgabengebiet eingearbeitet? 

Viele Themen waren mir nach den ersten Tagen schnell wieder vertraut. Gefühlt hat es für diese keine Unterbrechung von drei Jahren gegeben. Da braucht es keine große Einarbeitungszeit. 

Weitere grundlegende Bereiche, wie Personalführung, Haushalt, Organisation etc. sind mir ebenfalls sehr gut bekannt. Vielfach neu sind dagegen die Aufgaben in internationalen Gremien oder die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Interessensgruppen. Der Nationalpark ist ja vielfach und gut vernetzt, da muss ich natürlich erst die entsprechenden Ansprechpartner kennenlernen. Das wird sich jedoch von selbst nach und nach ergeben, darauf freue ich mich sehr. 

Hat sich seit Ihrem Weggang 2014 viel verändert? 

Es hat zumindest keine großen, mir nicht bekannten Änderungen gegeben. Die Grundstrukturen, wie z.B. bei den Mitarbeitern, der Organisation und der Infrastruktur haben sich wenig verändert. 

Ich war aber natürlich auch schon im Gebiet des Nationalparks unterwegs. Dort habe ich eine deutliche Veränderung feststellen können: Viele Waldbereiche, in denen vor drei, vier Jahren nach dem Befall von Borkenkäfer oder nach Sturmwurf erst kleine Pflänzchen zu sehen waren, sind jetzt voll verjüngt. 

Diese Bereiche schützen bereits hervorragend vor Hochwasser, da im intakten Waldhumus und Totholz viel Wasser gespeichert wird. Ich bin immer wieder fasziniert, in welch kurzer Zeit und ohne Zutun des Menschen die Natur in der Lage ist, nach Störungen naturnähere und langfristig stabilere Zustände zu erreichen. 

Der Prozessschutz im Nationalpark kommt also Mensch und Natur zu gute. Diese Veränderung kann man deutlich sehen. 

Was sind Ihre nächsten Schritte, worauf werden Sie Ihr Hauptaufgabenmerk legen? 

Ich habe bereits in meiner Antrittsrede betont, dass ich mir Vieles zunächst in Ruhe anschauen und zuhören werde, um mir ein eigenes Bild zu machen. Für Fragen zu einer strategischen Ausrichtung ist also nun noch zu früh. Es stehen jedoch viele dringend zu erledigenden Aufgaben an. Dazu gehören beispielswiese die Vorbereitungen zum 40-jährigen Jubiläum des Nationalparks, die Fortschreibung des Nationalparkplanes oder die Gestaltung der Nationalparkeingänge. 

Mir sind gute Kontakte des Nationalparks zu den zahlreichen lokalen Interessensgruppen wichtig. Wir leben von einem regelmäßigen Austausch mit den Verbänden, wie beispielsweise der Almwirtschaft und der Jäger. Dazu ist ein Klima des Vertrauens notwendig. Ein weiteres Hauptaugenmerk wird daher sein, mit dem Einen oder Anderen bald Termine zur Besprechung gemeinsamer Themen abzustimmen.

Vita Dr. Roland Baier

Baier ist 46 Jahre alt, verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt in Schönau am Königssee. Der studierte und promovierte Förster (Studium der Forstwissenschaften an der Ludwig-Maximiliams- Universität München in Freising) ist seit dem Jahr 2000 in der Bayerischen Kultus-, Forst- sowie Umweltverwaltung tätig. 

Wichtige berufliche Stationen nach seiner Verbeamtung waren die wissenschaftliche Assistentenzeit an der Universität, die Mitarbeit am Forstministerium und zuletzt die Tätigkeit am Bayerischen Amt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht (ASP) in Teisendorf

Bereits von 2009 bis 2014 war Baier als stellvertretender Leiter vom Nationalpark Berchtesgaden für die Aufgabenbereiche naturnahe Waldentwicklung, Erholungseinrichtungen, Verpachtung von Liegenschaften, Forstrechte, den Holzverkauf sowie für die Jagdleitung zuständig. 

Zudem oblag ihm die Betreuung der waldökologischen Forschung des Nationalparks in enger Zusammenarbeit mit Universitäten. Eine wichtige Aufgabe war zudem die Leitung des Nationalparkdienstes. Alles in allem hatte er bereits eine direkte Personalverantwortung für rund 50 Mitarbeiter. 

Der Nationalpark ist ihm daher in weiten Bereichen sehr gut vertraut. Im November 2014 erhielt er die Stelle des stv. Leiters des Bayerischen Amtes für forstliche Saat- und Pflanzenzucht (ASP). Mit dem Ausscheiden der dortigen Leiterin im Frühjahr 2017 hätte er die Leitung des ASP übernehmen können

Die Aufgabe des ASP ist es, die genetische Vielfalt in Bayerns Wäldern sicher zu stellen. Das ASP ist zudem international vernetzt. Im Rahmen seiner dortigen Tätigkeit hat Baier neue Kontakte in den Iran und in die Ukraine geknüpft, um die dortigen Urwälder, die Quelle der Artenvielfalt in Mitteleuropa sind, zu besuchen und dort zu forschen.

Lesen Sie morgen auf BGLand24.de welche Aufgaben und Ziele das ASP hat und was es mit dem genetischen Monitoring auf sich hat.

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