Wie geht´s weiter mit dem Café Waldluft?

Keine Asylbewerber mehr in Berchtesgaden?

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Berchtesgaden - Die Asylbewerberunterkunft 'Waldluft' soll geschlossen werden. Unzureichender Brandschutz ist die Ursache. Der Helferkreis Asyl Berchtesgaden setzt sich für die Bewohner ein:

Auch im Berchtesgadener Land gibt es zahlreiche Asylbewerberunterkünfte. Eines davon ist das Café Waldluft, ein ehemaliges Hotel am Fusse des Obersalzberg. Seit einigen Jahren schon wird das Haus für Asylbewerber genutzt. Zunächst parallel mit Touristen aus aller Welt, mittlerweile nur noch für Asylbewerber. 

Sogar ein Dokumentarfilm wurde über das Café Waldluft gedreht. Der Filme von Mathias Koßmehl aus dem Jahre 2015 zeigt auf unterhaltsame Weise, wie Vorurteile überwunden werden und eine Gemeinschaft entsteht. Der Dokumentarfilm hat dafür weltweit große Anerkennung bekommen, wurde sogar in Afrika, Japan und Amerika gezeigt. Für viele Kritiker wurde Berchtesgaden dadurch zum Inbegriff für eine gelungene Integrationsgeschichte. 

Die Bewohner des Hauses werden vom Helferkreis Asyl Berchtesgaden unterstützt und haben Ausbildungs- bzw. Arbeitsverträge. Nun soll das Objekt geschlossen werden. Unzureichende Brandschutzmaßnahmen sind das Problem. Schon bald sollen die Bewohner aus ihrer bisherigen Heimat ausziehen und in die Ramsau umsiedeln.

Kritik vom Helferkreis Asyl Berchtesgaden

Unterschriftenaktion Café Waldluft

"Die Kosten für Brandschutzmaßnahmen betragen zwischen 150.000 und 200.000 Euro. Aber wie können die Betreiber der Unterkunft einen Kredit aufnehmen, wenn sie andererseits nur eine monatliche Verlängerung des Vertrages mit dem Landratsamt bekommen?",so Daniela Kilian, die sich mit dem Helferkreis Berchtesgaden für das Cafe Waldluft und ihre Bewohner einsetzt. Und ergänzt: "Darum haben wir auch die Unterschriftenaktion gestartet. Diese senden wir mit einem persönlichen Anschreiben an Landrat Georg Grabner und hoffen, etwas erreichen zu können. Wir vom Helferkreis Berchtesgaden bestehen aus einer bunt gemischten Gruppe von Berchtesgadenern, die sich alle sehr um die Integration der Bewohner bemühen. Der Erfolg unserer Arbeit und der einer engagierten Sozialarbeiterin der Caritas ist, dass die Asylbewerber gute Deutschkenntnisse und eine Arbeit bzw. eine Ausbildung haben.

In der Waldluft ist Tag und Nacht eine Ansprechpartnerin im Haus, ehrenamtliche und ehemalige Bewohner sind immer willkommen, um zu lernen oder sich zu treffen. Nun sind die jungen Männer verunsichert, denn viele von ihnen arbeiten im Schichtdienst, zum Beispiel in der Gastronomie. Wie sollen sie zu ihren Arbeitszeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln von der Ramsau nach Berchtesgaden und zurück kommen?"

Baldiger Umzug? 

"Der Umzug soll laut Pressestelle Landratsamt schon im März erfolgen", so Daniela Kilian. "Bei der Unterkunft im Hotel Wimbachklamm, müssen zunächst wohl noch Baumassnahmen durchgeführt werden. Die Unterkunft 'Tauernhof' in der Gemeinde Schönau, deren Betreiber die Regierung Oberbayern ist, wäre örtlich näher gelegen. Von hier aus wäre es für die Asylsuchenden möglich, ihren Arbeitsverhältnisse und ihre sozialen Kontakte weiter zu erhalten. Aber am besten wäre für alle, die Bewohner könnten in der 'Waldluft' wohnen bleiben". Und eine Anwohnerin kritisiert:" Warum können hier die Gemeinde oder das Land nicht unterstützen? Für mich schaut das so aus, als ob Berchtesgaden auf einmal keine Asylbewerber mehr haben soll. Aber dabei klappt es doch so gut?"

Das sagt das Landratsamt

"Die brandschutzrechtliche Prüfung erfolgte im Rahmen der Verhandlung für einen Mietvertrag für die Unterkunft 'Waldluft'. Die vorherige Kündigung des seit 2012 bestehenden kostenintensiven Beherbergungsvertrags war seitens der Regierung von Oberbayern vorgegeben. Vorher konnten Beherbergungsbetriebe (Hotels, Pensionen) – nach Vorgabe des Bayerischen Innenministeriums - ohne Nutzungsänderung als Asylbewerberunterkünfte genutzt werden", so der Pressesprecher vom Landratsamt Berchtesgadener Land Andreas Bratzdrum auf Nachfrage von BGLand24.de. 

Und ergänzt: "Die Sicherstellung des baulichen Brandschutzes für ein Gebäude ist immer in der Verantwortung des Eigentümers bzw. Betreibers. Die Prüfung des Brandschutzes diente dazu, mögliche Gefährdungen für Personen, die sich in den Zimmern aufhalten möglichst auszuschließen. Die Einzelheiten über die erforderlichen Maßnahmen wurden dem Eigentümer/Betreiber nach einer Ortsbesichtigung bekannt gegeben

Seitens des Landratsamts wurde zugesagt, unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Regierung von Oberbayern, einen neuen, aktualisierten Mietvertrag abzuschließen, wenn eine Nutzungsänderung beantragt und genehmigt wurde und die erforderlichen Brandschutzmaßnahmen durchgeführt werden. Nach derzeitigem Stand kommen die bisherigen Bewohner - mit Rücksicht auf bestehende Beschäftigungsverhältnisse - voraussichtlich nach Ablauf des bestehenden Mietvertrags zum 28.02.2017 - zu einem großen Teil in die nahegelegene Unterkunft 'Hotel Wimbachklamm' in Ramsau bei Berchtesgaden."

Unterschriftenaktion vom Helferkreis Asyl Berchtesgaden

Der Helferkreis Asyl Berchtesgaden hat eine Unterschriftenaktion gestartet, die zusammen mit einem persönlichen Brief an Landrat Georg Grabner geschickt werden soll. Die Unterschriftslisten können noch bis Ende dieser der Woche (4.2.2017) an folgenden Orten unterschrieben werden: 

  • Reformhaus Berchtesgaden
  • Bäckerei Neumeier am Marktplatz
  • Bücherstube Berchtesgaden
  • WERK34 Berchtesgaden
  • Schnitzschule Berchtesgaden
  • Drossbach's" in der Maximilianstr. 11

Rubriklistenbild: © Café Waldluft

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