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So geht es mit dem RufBus weiter
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Berchtesgaden - Wie geht es mit dem RufBus weiter? Diese Frage wurde auf der letzten Sitzung im Gemeinderat der Marktgemeinde Berchtesgaden diskutiert. 

Am 4. April 2016 hat der RufBus seinen Dienst im Berchtesgadener Land aufgenommen. Der RufBus verbindet seitdem die Gemeinden Berchtesgaden, Bischofswiesen und Ramsau

Der Bus fährt bei Bedarf zu ausgewiesenen Haltestellen in Bischofswiesen, Ramsau, Engedey, Hochschwarzeck/Loipl und Berchtesgaden Bahnhof. Wer den RufBus nutzen möchte, muss diesen zwei Stunden vor der gewünschten Fahrt buchen.

Wer betreibt zukünftig den RufBus?

Der Tagesordnungspunkt "RufBus" beschäftigte sich mit der Frage, wer den RufBus zukünftig betreiben soll. "Im nördlichen Landkreis hat man bereits begonnen, den Betrieb auf die Gemeinden zu übertragen", so der Berchtesgadener Bürgermeister Franz Rasp. Und ergänzt: "Das soll nun auch in den südlichen Teilen so durchgeführt werden. 

Wir haben mit dieser Umstellung die Möglichkeit den RufBus auf alle Haltestellen in unserem Gebiet zu erweitern. Derzeit fährt er nur einige wenige an. Da ein RufBus aber nicht kostendeckend zu betreiben ist, rechne ich damit, dass wir im Jahr 2018 auf rund 30.000 Euro sitzen bleiben werden, denn auch die Förderungen sind weiter rückläufig. 

Mein Vorschlag ist daher, wir probieren die Sache ein Jahr aus, schließen die Verträge mit der Option der jährlichen Kündigung und entscheiden dann im August 2018, ob wir den RufBus zum Jahresende um ein weiteres Jahr verlängern oder kündigen". 

Auch zur Ausführung gibt es bereits einen Vorschlag von Rasp: "Die Abwicklung des Rufbus kann zukünftig federführend durch Bischofswiesen erfolgen, die Durchführung selber obliegt aber den einzelnen Gemeinden. Alles Wichtige kann in einer Zweckvereinbarung festgehalten werden. Direkt einen Zweckverband zu gründen macht aus finanziellen Gründen keinen Sinn".

Nicht alle Gemeinden wollen mitmachen

Und über noch eine Info informierte Rasp die Mitglieder des Gemeinderates. "Es werden vermutlich nicht alle Gemeinden mitmachen. Bischofswiesen hat die Teilnahme bereits zugesagt, Ramsau beschließt in der nächsten Sitzung, Markt Schellenberg hat bereits signalisiert vermutlich nicht mitzumachen und die Schönau hat bekanntgegeben, dass sie sich den weiteren Verlauf erstmal anschauen wollen. 

Das liegt daran, dass es in der Schönau bis auf den Bereich Vorder- und Hinterbrand ein gut ausgebautes Netz gibt und der Bedarf nicht wirklich vorhanden ist. Außerdem gibt es auch Vorschriften, dass ein RufBus überhaupt nicht fahren darf, wenn ein stündlich durchgetaktetes Busnetz vorliegt. 

Neue Fahrzeiten, höhere Preise

Und last but not least gab Franz Rasp auch noch bekannt, dass es neue Fahrtzeiten geben werde. Statt wie bisher von 6 bis 21 Uhr, soll der RufBus zukünftig von 7 bis 22 Uhr fahren.

"Die frühen Morgenstunden wurden nicht wirklich genutzt, darum wollen wir diese Stunde lieber nach hinten verlegen. Außerdem werden die Preise angehoben, eine genaue Summe gibt es aber noch nicht. Wenn man aber Alleine oder zu Zweit fährt, dann soll der RufBus immer noch günstiger sein wie ein Taxi und erst ab drei, vier Personen soll das Taxi wieder kostengünstiger für den Fahrgast werden".

Diskussion unter den Gemeinderatsmitgliedern

"Grundsätzlich finde ich die Idee gut, aber wir sollten uns die Frage stellen, wer den Bus überhaupt nutzt. Viele Bürger trauern immer noch dem Marktbus hinterher und der RufBus ist nicht wirklich ein Ersatz für ihn", so Helmut Langosch (Freie Wähler). Und ergänzt: "Für den Gast ist der RufBus sicherlich ein Mehrwert, aber was haben unsere Bürger davon? Meine Bitte ist, dem einheimischen Bürger mehr Unterstützung zu ermöglichen, der Gast kann mit seiner Gästekarte sowieso kostenlos Bus fahren". Auch auf die noch nicht durchkalkulierten Kosten kommt Langosch zu sprechen. 

"Ich glaube nicht, dass es bei den 30.000 Euro bleibt. Die Förderung geht zurück und wir haben weitere Kosten zu berücksichtigen. Dann wissen wir noch nicht wie es mit dem Hallenbad weitergeht und beim Martin-Beer-Haus sind 100.000 Euro veranschlagt. Das sind eine ganze Menge Kosten und wir wissen nicht, ob wir uns das leisten können."

"Die Hauptaufgabe ist, dass wir etwas für die Einheimischen schaffen"

"Wir wollen eine Lücke zwischen dem öffentlichen Netz und dem Taxibetrieb schließen", kontert Franz Rasp. Und ergänzt: "Unsere Hauptaufgabe ist, etwas für die Einheimischen zu schaffen. Und zwar für diejenigen, die kein Auto haben und am Wochenende nicht vom Berg runter kommen. 

"Ich sehe den Bus als gute Ergänzung", unterstützt Hans-Jürgen Kortenacker von der Berchtesgadener Bürgergruppe den RufBus. Und auch Dr. Bartl Wimmer vom Bündnis 90 / Die Grünen befürwortet den Vorschlag: "Von unserer Seite unterstützen wir den Vorschlag ganz klar. Wir stehen generell vor einer deutlichen Änderung unserer Mobilitätskonzepte und müssen einfach mehrere Dinge ausprobieren. Ich bin auch dafür, wir schauen uns das mal ein Jahr an und dann sehen wir weiter. An der Jugendcard haben wir ewig festgehalten, man muss auch mal offen dafür sein, wie man Mobilitätskonzepte zusammenführt. 

Ebefalls positiv sieht Bartl Mittner von der SPD den Vorschlag: "Auch wir unterstützen den Vorschlag, dass der RufBus verlagert und ausgeweitet wird. Wie wir mit den Kosten klarkommen sehen wir nach einem Jahr. Dann können wir immer noch entscheiden, ob wir weitermachen oder aufhören. 

Richard Schwab von den Freien Wählern aber wirft ein: "Der Plan mit den Haltestellen ist beeindruckend. Aber versetzt Euch mal in die Lage von Taxi- oder Busunternehmen. Wer von Euch hätte gerne in seiner Branche eine kostengünstigere Konkurrenz, die auch noch von der Gemeinde finanziert wird"?

Josef Prex von der CSU sieht genau diese Bedenken positiv: "Es ist zu begrüßen, dass wir die Lücke zwischen Taxi und Linienbussen schließen. Ich sehe den RufBus nicht als Konkurrenz. Ich denke wir schaffen hier zusätzlichen Bedarf".

Franz Rasp schließt die Abstimmung mit den Worten: "Ich denke der RufBus schließt die Lücken und stärkt die Akzeptanz des Netzes. Es gibt schließlich parallel auch einen Bus und einen Zug von hier nach Bad Reichenhall. Mit dem Zug kann man besser eine größere Personenanzahl befördern, ein Taxi ist individueller und in einem RufBus muss man damit leben, dass auch andere Leute mit drin sitzen. Dafür ist er günstiger als ein Taxi, denn bei dem kommt noch die Anfahrtspauschale hinzu. 

Ich denke, es macht auf jeden Fall Sinn, den öffentlichen Nahverkehr zu unterstützen und auszubauen und bin dafür, dass wir dass jetzt ausprobieren und jedes Jahr neu entscheiden, ob wir weitermachen oder kündigen. Wir sollten einfach mal keine Angst vor einem Erfolg haben".

Entscheidung durch den Gemeinderat

Der Marktgemeinderat Berchtesgaden beschließt einstimmig, dass der RufBus zukünftig durch die Gemeinden betrieben werden soll und der 1. Bürgermeister ermächtig wird, die Zweckvereinbarung mit den beteiligten Gemeinden zu unterschreiben.

Weitere Informationen zum RufBus finden Sie auf rvo-bus.de

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