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Nach Monaten Verzögerung

Eidechse vs. Fußgänger: Gesicherter Fußweg an der B20-Baustelle soll endlich kommen

Ein kleines Reptil, die Zauneidechse, verzögert seit Monaten den Bau eines Fußgängerweges.
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Ein kleines Reptil, die Zauneidechse, verzögert seit Monaten den Bau eines Fußgängerweges.

Nach drei Monaten intensiver Prüfung, einem Gutachten und jeder Menge Gespräche scheint eine Lösung für einen dringend benötigten provisorischen Fußweg durch ein geschütztes Eidechsenhabitat am Berchtesgadener Bahnhof gefunden zu sein (BGLand24.de berichtete). Den Eidechsen, die sich wieder in der Sonne baden, soll es dabei nicht an den Kragen gehen. Fußgänger dürfen dann wieder gefahrlos spazieren.

Berchtesgaden – Der Bahnhof Berchtesgaden ist ein besonderer Lebensraum für Eidechsen: Mit dieser Tatsache sah sich Martin Bambach, Baudirektor beim Staatlichen Bauamt Traunstein, schon ziemlich früh konfrontiert. Wenn zudem Naturschützer aktiv werden, bedeutet das für den Gebietsabteilungsleiter im Straßenbau, zuständig für das Berchtesgadener Land, nichts Gutes, Verzögerungen meist inklusive.  

Wegen Eidechse: Immer noch keine Fußgängerführung

Weil das Staatliche Bauamt die Bundesstraße 20 saniert, ist der parallel geführte Fußweg bis Jahresende Baustelle. Eine Alternative sollte schon vor langem her. Während der Instandsetzung der durch Hochwasserschäden zerstörten Bundesstraße sollte „die gesamte Bauzeit eine Fußgängerführung“ ermöglicht werden. Das teilte die Untere Naturschutzbehörde damals im März mit. Jetzt ist Juni, und die Fußgängerführung gibt es noch immer nicht. Das Staatliche Bauamt Traunstein musste ein Gutachten in Auftrag geben. Die am Bahnhof lebende Zauneidechse gilt als streng geschützt. Gleis- und Schottergebiete sind Überwinterungshabitat und im Sommer beliebter Lebensraum des kleinen Reptils, das in den Jahren 2020 und 2021 vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) zum „Reptil des Jahres“ gekürt worden war. 

Neuer Fußgängerweg kommt

Zwei Meter breit und 370 Meter lang ist der provisorische Fußgängerweg, der mitten durch den Lebensraum führen soll und artenschutzrechtliche Belange betrifft. Es sich mit dem Naturschutz verscherzen, das wollte sich Baudirektor Martin Bambach nicht. Deshalb hat er das Gutachten schon vor Monaten in Auftrag gegeben, obwohl dem Staatlichen Bauamt Traunstein auch weitere Möglichkeiten zur Verfügung stünden, um den Naturschutz gewissermaßen zu umgehen. Dazu hätte er eine Ausnahmegenehmigung bei der Regierung von Oberbayern beantragen müssen. „Wir wollten aber keine Ausnahmetatbestände auslösen“, sagt Bambach auf telefonische Nachfrage.

Ohne Fußweg-Alternative: Gefährliche Situationen

Laut Gutachten gibt es Alternativen, die den Eidechsen keinen Schaden zufügen. In der vergangenen Woche wurden die Ergebnisse der Untersuchung in einer Videokonferenz der Unteren Naturschutzbehörde präsentiert. „Wir konnten uns dabei auf eine entsprechende Ausführung einigen“, sagt Bambach. Dass eine Lösung in Aussicht steht und nach Monaten an einer Umsetzung gearbeitet werden kann, freut den Baudirektor.

Denn ohne Fußweg-Alternative war es in der Vergangenheit zu zahlreichen gefährlichen Situationen gekommen. Immer wieder waren Fußgänger, die die Großbaustelle auf kürzestem Weg umgehen wollten, den Bahngleisen gefolgt. Mehrfach kam es zu Anzeigen bei der zuständigen Bundespolizei, wie diese bestätigt. Zugführer sind in diesem Bereich mittlerweile angehalten, langsamer in den Bahnhof einzufahren. Personenschäden gibt es bislang nicht. Zum Glück: Die Behörden würden in Erklärungsnot geraten, da sich wegen einer Eidechsenpopulation ein dringend benötigter Fußweg um Monate verzögert. „Zurzeit sind wir dabei, die Leistung zur entsprechenden Umsetzung zu vergeben“, sagt Martin Bambach. Dabei soll auch festgestellt werden, wann das Fußweg-Provisorium nun endlich gebaut werden kann.

So soll es nun weitergehen

Laut Gutachten ist klar, wie es weitergeht: Auf etwa 120 Metern soll ein geführter Trampelpfad entstehen. Das Staatliche Bauamt Traunstein wird in diesem Bereich nicht mähen dürfen. Weitere 250 Meter sollen mit einer aufgeständerten Konstruktion gelöst werden. „Wir werden das Schottermaterial an den Gleisen damit nicht verunreinigen“, sagt Martin Bambach und kommt damit den Sorgen der Naturschützer entgegen. Auf einem noch nicht näher bestimmten Bodenbelag sollen Fußgänger sicher zum Bahnhof gelangen und die Großbaustelle passieren können, ohne Gefahr zu laufen, vom Zug erfasst zu werden. „Wir werden mit Plastikzäunen als Schutz arbeiten“, sagt Bambach. Bis Ende des Jahres, so der Plan, wird die Baustelle an der Bundesstraße weitestgehend abgeschlossen sein, sodass eine uneingeschränkte Nutzung für Verkehrsteilnehmer ermöglicht wird. 

Klar ist auch, dass das Provisorium so schnell als möglich wieder entfernt wird. Jedoch: Das könnte bis kommendes Frühjahr dauern. Denn in den frostigen Monaten überwintern die Zauneidechsen neben den Bahngleisen. Beim Schlafen dürfen sie nicht gestört werden.

kp

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