Berchtesgaden: Rotwild aus misslicher Lage befreit

Forstbetriebsleiter schnallt selbst die Tourenski an

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Schnallten selbst Schneeschuhe und Tourenski an, um vier Stück Rotwild zu retten: (v.l.) Revierjagdmeister Hubert Reiter, Hochwild-Hegegemeinschaftsleiter Hans Niederberger, ehemaliger Revierjäger Otto Heitzmann, BaySF-Förster Peter Pasquay und Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller.
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Berchtesgaden - Der Schnee beeinflusst seit Beginn des Jahres im Berchtesgadener Talkessel das tägliche Leben. Auch Tiere sind davon betroffen. Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller, Revierjagdmeister und Förster der Bayerischen Staatsforsten kümmern sich um die sichere Überwinterung des Rotwildes.

Update Dienstag, 11.30 Uhr:

Mit Tourenski und Schneeschuhen machten sich Hans Niederberger, Leiter der Hochwild-Hegegemeinschaft Berchtesgaden und Müller selbst gemeinsam mit dem zuständigen BaySF-Förster Peter Pasquay, dem Revierjagdmeister Hubert Reiter und dem ehemaligen Revierjäger Otto Heitzmann in schwierigstes Gelände auf, um eine sogenannte „Futterschleppe“ aus hochwertigem Heu zu legen. Jeder hatte ein Bündel Heu auf dem Rücken. Ziel der Aktion war es, vier Stück Rotwild, die unterhalb der Sellarnalpe in Melleck im Schnee feststeckten, mit dem Heu zur Wildfütterung zu locken.

Revierjagdmeister Hubert Reiter wirft Heu aus, um das Wild damit ins Tal zu locken.

Alternativ hätte ein Hubschrauber Heu an die Stelle fliegen können, hätte damit aber das Wild und die geschützten Raufußhühner in eine kräftezehrende Flucht gejagt. Deshalb wurde über Nassschnee-Lawinen und von Schnee gebrochenen beziehungsweise von Staublawinen geworfenen Bäumen eine Kette von kleinen Heu-Häufchen verteilt. Folgt das Rotwild diesen Leckerbissen, findet es sich am Ende an der Fütterung von Hans Niederberger wieder.

Wie an der Fährtenlage erkennbar war, hatten die Hirsche schon nach zwei Tagen den halben Weg ins Tal geschafft. „Ein toller Erfolg für Wild und Wald“, lobte der Hegeringleiter und dankte den Vertretern der Bayerischen Staatsforsten für die vorbildhafte gemeinsame Aktion.

Erstmeldung:

"In Summe ist es für das Wild weniger dramatisch, als wir glauben", beginnt Müller das Gespräch. "Das Wild ist an harte Winter angepasst." Im Gegensatz zum Menschen kann das Wild auch mal eine Zeit einfach ausharren, sich kaum bewegen, Energie sparen. Das, was ein Mensch in der hektischen Zeit viel zu wenig macht, ist für die Tiere in der freien Natur ganz normal.

Natürlich hat uns das Wild einen ganz entscheidenden Vorteil voraus. "Die Organe schrumpfen im Winter auf die Hälfte", weiß der Forstbetriebsleiter. "Im Frühjahr bauen sie sich wieder auf." Wildtiere sind im Winter nicht in der Lage, eiweißreiche Kost zu verdauen, denn sie würden sie nicht finden. "Dementsprechend sucht sich das Wild freie Plätze mit altem Gras, davon ernährt es sich."

"Der eine spurt, der Rest folgt"

Ähnlich hält es der Forstbetrieb Berchtesgaden bei seinen Wildfütterungen. "Gibt es am Anfang noch schmackhafte, nahrhafte Kost, füttern wir dann hauptsächlich Heu", so Müller. Das war während des Dauerschneefalls Anfang des Jahres gar nicht so leicht. Da mussten sich die Jäger und Förster mit Kettenfahrzeug, Schaufel und Motorsäge zu den Wildfütterungen durchkämpfen. Für alle war es aber Ehrensache, das Wild nicht verhungern zu lassen.

Bei dem andauernden Schneefall Anfang Januar brauchten Förster und Jäger schweres Gerät, um zur Wildfütterung vorzudringen.

Dafür wurden sie mit dem Anblick von 55 hintereinander laufenden Rehen und Hirschen belohnt. "Das ist dann wie bei Skitourengehern, der eine spurt, der Rest folgt", lacht der Forstbetriebsleiter. Das Wild hat sich nämlich bereits beim ersten Schnee auf den Weg zur Fütterung gemacht und muss somit nur eine kurze Strecke bis zur sicheren Nahrung zurücklegen.

Wildfütterung im Nationalpark Berchtesgaden

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Dass das Rotwild überhaupt im Winter an seinen Sommereinständen bleiben muss, ist unsere Schuld. "Aufgrund der Zersiedelung und Verbauung der Auelandschaft durch den Menschen ist das Rotwild gezwungen in seinen Sommereinständen zu überwintern", zeigt Daniel Müller das von Menschen gemachte Problem auf. Aber er bekräftigt auch: "Die Sorge, die wir haben, kommt daher, dass wir verlernt haben, dass die Natur seit Millionen von Jahren auf alle Wetterlagen angepasst ist."

cz

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