„Experiment Generationen-Haus“

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Jugendreferentin Sabine Wimmer findet, dass es richtig war, das Jugendheim zu verlassen und ein neues Gebäude für die Jugendarbeit zu suchen.

Berchtesgaden - Die Gemeinde in Berchtesgaden fördert die Senioren und Jugendarbeit in den nächsten drei Jahren mit 180.000 Euro.

Das Jugendheim im Mittelschulgebäude wurde dicht gemacht. Als Ersatz dafür soll in Berchtesgaden ein Mehrgenerationenhaus entstehen. Zunächst auf drei Jahre beschränkt. Angedacht für Jugendliche und Senioren gleichermaßen. 60000 Euro macht der Markt dafür pro Jahr locker. Bürgermeister Franz Rasp ist von der Idee überzeugt. Bei so manchem Hauptausschussmitglied wird diese bislang aber noch kritisch beäugt.

Ende Oktober soll die Einrichtung für Senioren und Jugendliche eingeweiht werden. Sofern der Gemeinderat zustimmt.

Mit dem Mehrgenerationenhaus könnte Rasp einen großen Wurf machen. Die Jugend- und Seniorenarbeit steht seit seinem Amtsantritt auf der Agenda weit oben. Zuspruch erhält er dafür nicht nur aus den eigenen Reihen. „Das Mehrgenerationenhaus ist die Nachfolgeeinrichtung zum Jugendheim“, sagt der Bürgermeister deshalb. Bewusst habe man Senioren und Jugend zusammenbringen wollen. Eine gegenseitige Befruchtung soll das Ergebnis mit sich bringen. Sowohl Berchtesgadens Seniorenbeauftragte Elisabeth Homberg als auch Jugendreferentin Sabine Wimmer sehen das so. Schon seit Jahren ist das Thema immer wieder aktuell. Ein Jugendzentrum sollte verwirklicht werden. In der Vergangenheit wurden mehrere markteigene Liegenschaften inspiziert. Die Renovierungskosten: zu hoch. Für den Markt Berchtesgaden alleine finanziell nicht zu stemmen. Nachdem sich nun ein Geldgeber gefunden hat, der auf eigene Kosten die Einrichtung in der Bergwerkstraße, erwarb und herrichten ließ, scheint das ursprüngliche Ziel zum Greifen nah. „Der Gemeinderat muss der Sache noch zustimmen“, betont Franz Rasp. Rasp sagt aber auch, dass es sich um ein „Experiment“ handle. Um einen Versuch, denn Erfahrungswerte mit einer solchen Einrichtung habe die Gemeinde keine. Und deshalb möchte er das zukünftige Jugend-Senioren-Domizil zunächst auf drei Jahre beschränken. Um dann zu sehen, ob das Projekt von Erfolg gekrönt ist. 15000 Euro will der Markt Berchtesgaden einmalig investieren. Für Einrichtungsgegenstände.

Großteil des Jugendheims wird übernommen

Ein Großteil kann vom alten Jugendheim übernommen werden. „Das Gebäude selbst wird vom Eigentümer auf eigenes Risiko renoviert“. Und dann dem Markt Berchtesgaden zur Miete überlassen. „Auch in Zukunft werden wir für die Jugendarbeit genauso viel Geld aufbringen, wie die Jahre zuvor“, sagt Franz Rasp. 45000 Euro sind das für die Jugendlichen. Hinzukommen 15000 Euro für die Seniorenarbeit. Ein neuer Posten, der aber überschaubar bleibt. Im Mehrgenerationenhaus soll es einen Wochenplan geben. Ein erster Entwurf existiert bereits. „Ein Grundgerüst“, wie der Gemeindechef betont. Der Betrieb läuft bis 20:00 Uhr. An einem Tag pro Woche ist Ruhetag, das Wochenende soll für Veranstaltungen genutzt werden. „Zunächst einmal im Monat“, prognostiziert Rasp. Neben einer offenen Jugendarbeit, die von Fachpersonal professionell begleitet wird, wird es eigene Programmpunkte für zehn bis vierzehnjährige geben. Denkbar ist in der Früh eine Krabbelgruppe für die Kleinsten. Ein Treff für pflegende Angehörige ist im Gespräch, ebenso ein Seniorenfrühstück. Den Jugendlichen, die fleißig bei der Renovierung mithelfen, sollen umfangreiche Möglichkeiten eingeräumt werden. Rasp sagt, dass es denkbar sei, die Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen zu intensivieren. Seniorenbeauftragte Homberg sieht das ähnlich: „Ich baue momentan einen Helferkreis auf“. Wenn das Angebot stimme, sei sie überzeugt davon, dass die noch vom Gemeinderat abzusegnende Einrichtung „ein voller Erfolg“ werde.

Mehrgenerationenhaus eine gute Idee 

Blickt dem Mehrgenerationenhaus zuversichtlich entgegen: Bürgermeister Franz Rasp.

Als einen „faszinierenden Gedanken“ empfindet das auch Hauptausschussmitglied Josef Prex (CSU). Herrmann Lochschmied (CSU) sieht das Haus als „gelungene Abrundung“. Michael Widmann (Grüne) sagt: „Einfach mal anfangen und schauen, was passiert“. Bartl Mittner (SPD) bewertet die „Idee als gut“, identifiziert aber ein „Konfliktpotenzial“, da das Mehrgenerationenhaus in einer ehemaligen „Oase der Ruhe“ liegt. Und Michael Koller (Freie Wähler Berchtesgaden) ist zwar ein Verfechter der Jugendarbeit, dennoch sieht er die Sache kritisch. „Jetzt steht mit dem Jugendheim wieder ein Gebäude leer“. Obwohl dieses doch in jeder Hinsicht gut in das Konzept hineingepasst hätte, meint er. „Das Schulgebäude ist doch kein Hemmschuh“. Jugendreferentin Wimmer ist da anderer Meinung: Es sei richtig, aus dem Jugendheim und damit dem Schulumfeld auszutreten und in ein neues Gebäude hineinzugehen. Das hätten auch die Jugendlichen, die sich in einem Fragebogen dazu äußern durften, bestätigt. Koller vertritt die Ansicht, eigene Liegenschaften dürften nicht aus den Augen verloren werden. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, so Bürgermeister Rasp, „bestehende Räumlichkeiten nicht zu nutzen“.

Allerdings werde das Jugendheim derzeit sowieso für die Mittagsbetreuung der Schüler und Schülerinnen verwendet. Das „Experiment Mehrgenerationenhaus“ sei bewusst zeitlich befristet festgelegt worden. „Beide Vertragsseiten besitzen eine Ausstiegsklausel“, so Rasp. Trotzdem sei er überzeugt davon, dass das Projekt zu schaffen ist. Nun müsse nur noch der Gemeinderat seine Zustimmung erteilen.

kp

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