Betroffene des Vorfalls in Berchtesgaden äußern sich

Familiengrab verwüstet: „Pietätlosigkeit erster Güte“

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Grab neu: Nachdem der 20-jährige Vandale gewütet hat, ist die Zerstörung groß.

Berchtesgaden – Die Grabplatte ist herausgerissen, die Schindelbedeckung kaputt, der 20-jährige Täter zerstörte in seinem Wahn auch die Steineinfassung des alten Familiengrabes. An fünf Grabstätten ging er mit Gewalt vor. 

Gerti und Jürgen Hemmrich sind fassungslos. „Wir haben die Nachricht im Urlaub erfahren", sagt die Betroffene, die die Grabschändung am Alten Friedhof von Berchtesgaden vor allem emotional hart getroffen hat.

Wenn sich Gerti Hemmrich die Bilder des zerstörten Familiengrabes anschaut, ist es vor allem Wut, die in ihr aufsteigt. Die Hemmrichs befanden sich im Urlaub, als sie die Nachricht lasen, dass ein junger Mann auf dem Alten Friedhof von Berchtesgaden sein Unwesen trieb. „Ich habe nicht sofort an unser Grab gedacht, dort liegen ja sehr viele Menschen begraben“, sagt Gerti Hemmrich. Als dann aber der Anruf der Friedhofsverwaltung kam, plötzlich klar war, dass es das eigene Familiengrab war, in dem unter anderem die Eltern von Jürgen Hemmrich begraben liegen, und das ein junger Mann mit brutalem Vorgehen verunstaltet hatte, da musste Gerti Hemmrich erst mal schlucken. 

Mehrere Bekannte schickten den Hemmrichs Fotos des verwüsteten Grabes. 5.000 Euro hoch liegt der geschätzte Schaden, den die Polizei aufgenommen hat. Nicht nur die Grabplatte hat der Wütende aus dem Boden gerissen, Blumen und Bäumchen kaputt gemacht, sondern auch die Schindeldachbedeckung des Steins demoliert sowie die Steine, die das Familiengrab einfassten, von angestammter Stelle entfernt. Das Grab liegt im hinteren Teil des Friedhofes, den der Vandale vor wenigen Tagen in seinem Rausch besuchte und ohne Einhalt hohen Schaden verursachte. Eine Verbindung zum Täter gibt es nicht, sagt Gerti Hemmrich, die den Täter persönlich nicht kennt. 

Grab alt: So sah das Grab vor der Zerstörung aus.

„Wir besuchen unser Grab jede Woche“, sagt sie. Der Friedhof sei ein besonderer Ort, Gedenkstätte für die Toten, „wir geben uns viel Mühe mit der Grabpflege“, so die Betroffene, die in der Oberschönau wohnt, am Telefon. Dass ein junger Mann randaliert, erachtet Gerti Hemmrich als „Pietätlosigkeit erster Güte.“ Es müsse schon viel schief gelaufen sein, dass man so etwas tue, sagt sie. 

In der Tat sind die Reaktionen auch im Internet entsprechend. Zahlreiche Facebook-Nutzer haben sich über den Vandalismus auf dem unter Denkmalschutz stehenden, 333 Jahre alten Friedhof geäußert. „Unter aller Sau“ sei so ein Vorgehen, schreibt einer. „Für die Angehörigen ist das wie ein Schlag ins Gesicht“, schreibt ein anderer. Für Gerti Hemmrich ist der finanzielle Schaden das kleinere Übel. „Am Ende wird die Rechnung sowieso der Täter bekommen“, sagt sie. Viel tiefer geht der „emotionale Schaden, weil wir eine starke Verbindung zu unserem Grab haben.“ Der emotionale Schaden sei eine „Hausnummer höher.“ 

Grab neu: Nachdem der 20-jährige Vandale gewütet hat, ist die Zerstörung groß.


Das Grab ist mehrere Hundert Jahre alt, stammt vom Ende des 18. Jahrhunderts, mehrere Familiengenerationen liegen darin begraben. Der 20-jährige Täter ist der Polizei Berchtesgaden mittlerweile bekannt, er konnte noch in derselben Nacht, als er auf dem Friedhof alkoholisiert unterwegs war, geschnappt werden. „Eine Entschuldigung oder überhaupt irgendeine Reaktion hat es von ihm nicht gegeben“, sagt Gerti Hemmrich, die gemeinsam mit Ehemann Jürgen noch ein paar Tage im Urlaub verweilt. „Wenn der Mann aus einem gefestigten Umfeld stammt, würden wir uns aber eine Entschuldigung in jedem Fall erwarten. 

Nach ihrer Rückkehr wollen die beiden den jungen Mann anzeigen. Das Grab werden die Hemmrichs wiederherstellen lassen. Der Blumenschmuck wird aktuell bereits erneuert, für die großen Arbeiten sollen Kostenvoranschläge verschiedener Firmen eingeholt werden, damit final klar ist, wie hoch der Schaden liegt. Gerti Hemmrich hofft, so etwas kein zweites Mal miterleben zu müssen. 

Kilian Pfeiffer

Die Polizeimeldung zu diesem Fall finden Sie hier

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