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Jennifer (23), die Luftakrobatin in Berchtesgaden

Falkner Czech über seinen Job, seine edlen Tiere und die Filmerei

Falkner Wolfgang Czech lebt für und mit seinen Tieren. Mit den Greifvögeln geht es manchmal auf Jagd.
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Falkner Wolfgang Czech lebt für und mit seinen Tieren. Mit den Greifvögeln geht es manchmal auf Jagd.

Dass Jennifer auch nach über 20 Jahren noch bei Wolfgang Czech im Wildtiergehege lebt, hat einen einfachen Grund: „Beim Menschen bekommt der Steinadler die Beute am einfachsten”, sagt der Falkner, der sein Leben Seite an Seite mit außergewöhnlichen Luftakrobaten führt. Jennifer hat es zu einiger Bekanntheit gebracht.

Berchtesgaden – Nicht Bartgeier, sondern Steinadler gelten als das Wahrzeichen des Nationalparks Berchtesgaden. Da ist es kaum verwunderlich, dass Jennifer, ein majestätischer Raubvogel, schon mal Pate stand für ein Kunstobjekt: Seitdem existiert Jennifers Kopf als riesige, nachgebildete Holzschnitzerei und erfreut Besucher des Nationalparks Berchtesgaden. 

Jennifer, 23 Jahre alt, gilt als kleiner Star unter den Steinadlern, der nicht im Schutzpark lebt, sondern in Czechs Gehege am Obersalzberg. Seit 1955 existiert dieses. Wolfgang Czechs Vater hat es noch zu Lebzeiten aufgebaut. Wolfgang Czech ist selbst schon vier Jahrzehnte involviert und kann daher viel darüber berichten, wo Jennifer und deren Vorgänger mitgewirkt haben: Forsthaus Falkenau, Tierarzt Dr. Engel, Die Geierwally, Schloss Hubertus, mehrere Dokumentarfilme und Fernsehbeiträge. Der mit vielen Auszeichnungen bedachte deutsche Tierfilmer und Kameramann Heinz Sielmann war ein guter Freund des Vaters.

Horst wird für Filmaufnahmen genutzt

Im Gehege befindet sich ein Adlerhorst, der eigens für Filmaufnahmen genutzt wird. Selbst mit einer umgeschnallten Minikamera jagte Jennifer bereits durch die Lüfte. „Ich habe sie für die Filmerei trainiert”, sagt Wolfgang Czech mit bassigem Unterton. Jennifer ist nur einer von vielen Räubern der Lüfte, die bei ihm wohnen: Bussarde, Falken, Uhus leben hier nur wenige Meter voneinander entfernt. Czech sagt: „Vögel fliegen nicht, um Spaß zu haben, sondern als Mittel zum Zweck.”

Die Vögel unter Kontrolle zu halten, sodass sie wieder zurückkehren, gehört zur Kunst der Falknerei. Mit den Vögeln auf die Jagd zu gehen, ist für Czech Teil des Berufs als Jäger. Einen Greifvogel frei fliegen zu lassen, ist nur erlaubt, wenn man im Besitz des Jagdscheins ist. Jennifer hat dabei schon so manchen Hasen erwischt, auch Rehe waren darunter. Die Augen sind der schärfste Sinn eines Greifvogels. Aus dem Himmel kann er Beute aus hunderten Metern Entfernung erkennen. Steinadler stammen aus der Familie der Habichtartigen. Über zwei Meter beträgt die Flügelspannweite. Männchen sind mit rund vier Kilogramm deutlich leichter als Weibchen, die bis zu 6,5 Kilogramm auf die Waage bringen. Die Augen sind so gut, dass sie aus über 30 Metern Entfernung nur wenige Millimeter große Insekten erkennen können. 

Viel Training

„Wichtig ist ein guter Appell des Vogels, damit er auf Kommando auf den Handschuh zurückkehrt“, sagt Wolfgang Czech. Zu unerwarteten Zwischenfällen kam es im Laufe der Zeit trotzdem. Czechs Steppenadler ist ihm sechsmal abgehauen. Am Ende kehrte er immer wieder zurück. 

Um für die Jagd gewappnet zu sein, bedarf es flugtechnisch guter Flieger und viel Training im Vorfeld. Die beinahe lautlose Jagdart wird seit vermutlich 4000 Jahren praktiziert, sagt Czech. Die Kasachen jagen schon seit langem mit Adlern. In Europa erlebte die Jagd mit Vögeln ihre Blütezeit im Mittelalter. Heute zählt sie in über einem Dutzend Ländern zum immateriellen Weltkulturerbe, auch in Deutschland.  

Wenn Wolfgang Czech mit Jennifer zum Jagen geht, tut er das nicht im Umfeld seines Wildtiergeheges. Denn dort leben Murmeltiere. Sie wären die perfekte Beute. Aber das Zusammenleben zwischen den Nagern und den Greifvögeln klappt ohne Zwischenfälle. 

„Zwei Tauben oder ein halbes Huhn reichen am Tag.”

Steinadler gehören zu den Grifftötern. In der Ornithologie ist diese Bezeichnung nicht geläufig, wohl aber unter Jägern. Grifftöter sind häufig an ihren langen Beinen zu erkennen, die es ihnen ermöglichen, auch größere Beute zu erlegen. Durch die langen Beine wird Beute auf Distanz gehalten. Mit bis zu 180 Kilogramm kann Jennifer zupacken. „Sie hat die Kraft, Rippen zu durchbrechen”, sagt Wolfgang Czech. „Ein Steinadler frisst von einem Hasen oder einem Reh rund 300 bis 400 Gramm Fleisch.” Dann ist der Hunger kurzfristig gestillt. Im Wildtiergehege verfüttert Czech Huhn oder Taube: „Zwei Tauben oder ein halbes Huhn reichen am Tag.” Nachhaltiger wären da schon die fettreichen Murmeltiere: „Danach wäre eine Woche Schluss mit Hunger”, weiß der Falkner. Murmeltiere stehen für Steinadler Jennifer und Co. aber nicht auf der Liste des Speiseplans, gehören sie doch zum Aushängeschild des Obersalzberg-Geheges. 

Sind Greifvögel einmal voll gefressen, bewegen sie sich kaum noch. Greifvögel müssten wie Leistungssportler trainiert werden, sagt der Leiter des Wildtiergeheges: „Je besser es ihnen geht, desto zielsicherer erwischen sie auch ihre Beute.”

In unregelmäßigen Abständen präsentiert Czech die Flugkünste seiner fliegenden Begleiter bei einer Vorführung. Als Lockmittel gibt es Küken, die der Falkner verfüttert. Für Gäste ist das Schauspiel der Lüfte der Höhepunkt eines jeden Besuchs.

kp

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