Nationalpark Berchtesgaden

Neue Herausforderungen bei Wald- und Rotwildmanagement

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Berchtesgaden - Bei der Exkursion des Fachforums Huftiermanagement wurden aktuelle und zukünftige Herausforderungen in Sachen Wald- und Rotwildmanagement im Nationalpark in den Fokus gestellt.

Die Pressemitteilung im Wortlaut: 

Unter dem Motto „Wild und Wald, das gehört zusammen!“ trafen sich die Mitglieder des im August gegründeten Fachforums Huftiermanagement im Nationalpark Berchtesgaden am Freitag bei schönstem Bilderbuchwetter zu einer gemeinsamen Exkursion. Die vielfältigen natürlichen Lebensgemeinschaften auf ganzer Fläche für zukünftige Generationen zu erhalten, wurde dem Nationalpark bei seiner Gründung im Jahr 1978 als Auftrag geben. Dass dies eine große und langfristige Aufgabe sein wird, war von Beginn an allen Verantwortlichen und auch der Bevölkerung bewusst, erläuterte Roland Baier, Leiter der Nationalparkverwaltung. Zuerst veränderte die Salinennutzung die Urwälder aus Tannen, Fichten und Buchen rund um Berchtesgaden massiv und ab den 19. Jahrhundert war es die Hofjagd der Wittelsbacher, die Einfluss auf die Zusammensetzung und Gestalt der Wälder nahm. Diese Nutzungsgeschichte lässt sich noch heute erleben: An vielen Stellen im Nationalpark gibt es zum Beispiel heute keine alten Tannen mehr, die Samen für nachwachsende Waldgenerationen spenden könnten. Deshalb müsse der Mensch hier nachhelfen. 

Um die Bergwälder in ihrer natürlichen Entwicklung zu unterstützen, setzte die Nationalparkverwaltung in den Anfangsjahren auf klassische forstliche Strategien. So wurden für alle Waldbestände außerhalb der Kernzone des Nationalparks regelmäßig sogenannte „Forsteinrichtungen“ als Planungs- und spätere Handlungsgrundlage durchgeführt. Die Praxis zeigte jedoch, dass damit das Ziel, die natürliche Dynamik auf überwiegender Fläche wiederherzustellen, nicht erreicht werden konnte. Deshalb wurde komplett umgestellt: Heute bestimmt ein Waldentwicklungsplan in welchen Gebieten, wie von den Förstern zu handeln ist. Das Besondere daran ist, dass damit die Natur das Tempo und die konkreten Maßnahmen vorgibt. Nur dort, wo Sturm oder Borkenkäfer Löcher im Wald verursachen, werden junge Bäume gepflanzt. Es gibt nur eine Ausnahme von dieser Regel: da wo der Nationalpark an Wirtschaftswälder angrenzt und Borkenkäfer Fichten befallen, wird aktiv eingegriffen, um Schäden bei den Nachbarn zu vermeiden.

Diese neue Form des Waldmanagements funktioniert jedoch nur Hand in Hand mit der Jagd, erläuterte Nationalparkförster Hans Neubauer und zeigte auch gleich das Ergebnis dieses Zusammenspiels vor Ort. Denn nur wenn der Wildbestand nicht zu hoch ist, können die gepflanzten Jungtannen wachsen und werden nicht verbissen. Er führte die Gruppe in ein Waldstück an der Eckau-Alm, in dem heute unter alten Fichten und Buchen gut sechs Meter hohe Tannen stehen. Dort ist ein dichter Wald entstanden, in dem er heute nicht mehr auf die Jagd geht, „weil es passt“, so Neubauer. Wie die jagdliche Planung flexibel auf die Waldentwicklungsplanung reagieren kann, beschrieb Peter Niederberger von der Nationalparkverwaltung. So wird nur noch in einem Teil der Pflegezone, die 25 % der Nationalparkfläche umfasst, mit drei unterschiedlichen Strategien der Wildbestand reguliert. Das erlaubt auf die jeweilige Situation im Wald Rücksicht zu nehmen. Intensiv diskutierten die Exkursionsteilnehmer das beschriebene Konzept des Nationalparks. Die Jäger aus den benachbarten Revieren zeigten sich zwar beeindruckt, warfen aber auch kritische Fragen auf. So sieht der Salzburger Landesjägermeister, Max Mayr Melnhof, das „Ankirren“ von Wild als Jagdstrategie kritisch. Einig waren sich jedoch alle, dass die Jagd fachlich fundiert durchgeführt werden müsse und Hans Berger, Vorsitzender der Kreisgruppe, betonte, dass er sich mehr Austausch zwischen dem Nationalpark wünsche,„denn das Wild weiß ja schließlich nicht wo der Nationalpark aufhört und der Privatwald angeht“. 

Die Exkursion endete auf der Archenkanzel mit Blick auf den Königssee. Das Rotwildmanagement in dieser auch touristisch im Fokus stehenden Nationalpark-Region, stellt die Nationalparkverwaltung vor besondere Herausforderungen. So hat sich in diesem Gebiet in den vergangenen zehn Jahren der Rotwildbestand nahezu verdoppelt, wie die jährlichen Zählungen an den Winterfütterungen am Königssee zeigen. Aber das natürliche Gleichgewicht von Wild und Wald rund um den See ist gestört, das belegen die wiederholten Begutachtungen der natürlichen Waldverjüngung durch die Forstverwaltung, so Alfons Leitenbacher vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Traunstein. Die Mitglieder des Fachforums Huftiermanagement sind sich einig, dass es dafür keine einfache Lösung geben wird und fordern eine wissenschaftliche Begleitung für die Entwicklung und das Management der Wildstandsregulierung am Königssee. Das Fachforum will den Prozess auch weiterhin begleiten und plant nächste Treffen. Denn die Ziele des Nationalparks können nur mit der Bevölkerung erreicht werden, so das Fazit.

Pressemitteilung des Fachforums Huftiermanagement

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