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Lieber Mord am Sonntag als „Wort zum Sonntag”

Berchtesgaden-Reihe: Evangelischer Pfarrer und Krimiautor Felix Leibrock veröffentlicht „Mord am Watzmann”

War oft am Watzmann: Polizei-Seelsorger und Buchautor Felix Leibrock.
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War oft am Watzmann: Polizei-Seelsorger und Buchautor Felix Leibrock.

Jedes Jahr ein Buch. Das ist Felix Leibrock, evangelischer Pfarrer und Polizei-Seelsorger aus München, in den vergangenen 20 Jahren ganz gut gelungen. Bei einer neuen Krimireihe, die in Berchtesgaden spielt, geht es weit hinauf, „Mord am Watzmann” heißt das Buch, das diese Woche erscheint. Nirgends lässt es sich besser morden als im Gebirge: Den zweithöchsten Berg Deutschlands hat er dabei selbst schon mehrfach bestiegen - und jede Menge Erfahrung in Sachen Polizeiarbeit gesammelt. „Ich schreibe meine Bücher am Stück und immer während des Urlaubs”, sagt Leibrock, der Seelsorger bei der Bayerischen Bereitschaftspolizei ist.

Berchtesgaden – Eigentlich erfüllt Felix Leibrock alle Voraussetzungen, um gute Krimis schreiben zu können. Er arbeitet für die bayerische Polizei, ist Ansprechpartner für Beamte in Krisensituationen, „die Polizei ist Teil meines Lebens”, sagt der 61-Jährige. Leibrock gibt für Polizeibeamte berufsethischen Unterricht, lehrt etwa, wie man mit sozialen Randgruppen umgeht, Todesnachrichten überbringt. Er ist also ganz nah dran am Geschehen, weiß, wie Ermittlungsarbeit vonstatten geht. Als Seelsorger der Bayerischen Bereitschaftspolizei sei „ihm fast kein Abgrund fremd”, heißt es im Klappentext des Buches.

Felix Leibrock hat in jungen Jahren Germanistik und Geschichte studiert, ist später evangelischer Pfarrer geworden. „Ich lese äußerst gern und viel”, sagt der in München wohnende Vater dreier Kinder. Ein Pfarrer ohne Ambition nach Literatur? Für ihn ist das kaum vorstellbar. Ein Jahr ohne Buchveröffentlichung: „Das wäre fast wie ein Entzug”, sagt er mit einem Schmunzeln in der Stimme.  

Tragischer Unfall oder geplanter Mord?

Für Felix Leibrock ist „Mord am Watzmann” der siebte Kriminalfall, den er in Buchform veröffentlicht. Auf 368 Seiten geht es um eine tödliche Gratwanderung in über 2000 Metern Höhe, um ein Urlauber-Ehepaar, das in Berchtesgaden Silberne Hochzeit feiert, gemeinsam den Watzmann besteigt, unterhalb der Mittelspitze abstürzt, ein Unwetter hatte sich gebildet. Ein tragischer Unfall? Oder geplanter Mord? Die Ehe: Eigentlich zerrüttet. Die Frau: Hatte einen Geliebten. Oder war es doch der Alpenschamane? „Die Kunst eines Kriminalromans ist es, die Spannung bis zuletzt aufrecht zu erhalten”, sagt Felix Leibrock.

Berge im Südosten sind seine Lieblingsberge

Der 61-Jährige war schon oft in den Berchtesgadener Alpen zu Gast, hat hier mehrere Urlaube verbracht, die Berge im Südosten der Republik sind seine Lieblingsberge. Da geht es ihm nicht anders, wie vielen Urlaubern. Erst kürzlich ist er mit seinem Sohn wieder auf den Watzmann gestiegen. Einmal scheiterten sie wegen schlechter Witterung, beim zweiten Mal gelang es, das Hocheck zu erreichen.

Leibrock hat für seinen Roman viel recherchiert. Reale Begebenheiten baut er dann in die Fiktion ein, denkt sich Charaktere aus, die die Geschichte vorantreiben. Zu viel Klischee, oft für Regional-Krimis typisch, findet der Autor unpassend. „In Bayern verortete Krimis funktionieren oft nur mit Lederhose und Weißwurst”, sagt er überspitzt. Seriöse Ermittlungsarbeit sei wichtig. Deshalb hat Felix Leibrock mit Simon Perlinger, dem ermittelnden Polizeibergführer, einen Charakter geschaffen, der durchaus ernst zu nehmen ist, jung, charismatisch, ein aufstrebender Polizist. Weniger der Depp von nebenan, als der ernsthafte Ermittler. Aber natürlich: Es gibt auch Amüsantes. Auflockernde Momente beim Kampf gegen das Verbrechen sind für Leser wichtig.

Bücher im Urlaub geschrieben: „Für mich ist das Erholung“

Die Bücher schreibt der Krimi-Autor nur, wenn er Urlaub hat. „Am Stück”, sagt er. Erst denkt er sich die Handlung aus, entwickelt einen schlüssigen Plot, das Schreiben selbst geht ihm dann leicht von der Hand. „Für mich ist das Erholung.”

Wieso Regional-Krimis so erfolgreich sind, darauf gibt es nicht die eine Antwort. „Das Interesse am Bösen, am Verbrechen, ist groß”, weiß der Vielschreiber. Ihm nach seien Regional-Krimis eine „unterschätzte Gattung”. Die Verwandlung von Menschen, die am Ende Morde begehen, das fasziniere die Rezipienten.

Tatsächlich genießen Krimis in Deutschland eine besondere Aufmerksamkeit. Tatort und Co. feiern seit Jahrzehnten hohe Einschaltquoten, die Eberhofer-Filme und -Bücher genießen Kultstatus, Krimireihen in Buchform sind alles andere - nur keine Ladenhüter. „Der Mord am Sonntag wird lieber geschaut als das ,Wort zum Sonntag’”, sagt der evangelische Pfarrer. 

Arbeit und Buch-Recherche verknüpft

Vier Wochen war Felix Leibrock in Berchtesgaden. Arbeit und Buch-Recherche hat er dabei miteinander verknüpft, als er im Auftrag der Landeskirche den Talkessel besuchte, Andachten am See hielt, Berggottesdienste. „Da blieb viel Zeit für Gespräche mit den Einheimischen, für die Entwicklung des Buch-Nachfolgers.” Denn Leibrock wird einen zweiten Teil schreiben, so viel ist sicher. Der heißt dann nicht „Mord am Watzmann”, sondern: „Mord am…”? Natürlich will der Autor das noch nicht verraten. Ein Berchtesgadener Berg soll es werden - definitiv. Untersberg wäre eine Möglichkeit, der Göll - oder etwa doch das Hohe Brett?

Wer Schuld trägt am Tod der beiden Berchtesgaden-Urlauber am Watzmann, das verrät er indes nicht. Für den Leser soll es ein bisschen wie ein Schachspiel sein. Man rückt die Figuren hin und her, denkt, den Täter schon zu kennen. „Man hofft auf ein Schachmatt.” Gestolpert, ausgerutscht, schlechtes Wetter - meint man: Manchmal täuscht man sich aber gewaltig.

kp

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