„Kinder müssen wieder Kinder sein dürfen“

Dringender Appell der DOSB- und BSD-Verantwortlichen Richtung „kontrolliertem Öffnen“

Alexander Resch, Vorstandsmitglied des Bob- und Schlittensport-Verbandes
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Alexander Resch, Vorstandsmitglied des Bob- und Schlittensport-Verbandes, setzt sich als Vorsitzender des „Sport-Talent“ für die Belange des Sportnachwuchses ein.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat die Bundespolitik aufgefordert, im Rahmen der Beratungen zum Infektionsschutzgesetz eine bundesweite Privilegierung des Sports für Kinder und Jugendliche mit einzubeziehen.

Berchtesgaden - „Die Gesellschaft insgesamt und die Kinder und Jugendlichen insbesondere müssen endlich aus der inzwischen über ein Jahr anhaltenden Bewegungslosigkeit befreit werden. Mit Hilfe der bestehenden und bewährten Konzepte des Sports sowie der vielen Engagierten vor Ort können und müssen wir nun zeitnah sicher und verantwortungsvoll wieder starten“, fordert DOSB-Präsident Alfons Hörmann in einem Brief an die Fraktionsvorsitzenden der Regierungskoalition.

Er knüpft damit an den „Hilferuf“ von DOSB-Vizepräsident Andreas Silbersack an, der jüngst im Sportausschuss den drohenden Verlust einer ganzen Generation beschrieben hatte. Mit Hilfe der bestehenden und bewährten Konzepte des Sports – DOSB-Leitplanken, Übergangsregeln der Fachverbände, Hygiene Standards – ist der organisierte Sport mit seinen rund 90.000 Vereinen in der Lage, verantwortungsvoll Bewegungsangebote zu unterbreiten.

Der organisierte und vereinsbasierte Sport bietet die einzigartige Möglichkeit, die Gesundheit, das soziale Miteinander und das Selbstwertgefühl der jungen Menschen zu fördern. Analog zum Szenario der Schulöffnungen sollte für diese Altersgruppe der Sport im Verein in Gruppen bis zehn Personen unter Einhaltung der Hygienekonzepte zugelassen werden. Bei privaten Treffen mit mehreren Personen werden Kinder und Jugendliche nicht auf die maximale Personenzahl angerechnet.

Alexander Resch, 2002 Rennrodel-Olympiasieger und heute Vorstandsmitglied im Bob- und Schlittenverband für Deutschland, schaltet sich ein: „Wir als BSD haben bereits im März 2020 ein umfangreiches Hygienekonzept für all unsere Trainingsstandorte entwickelt, das sich im Laufe des Pandemie-Jahres bewährte. Leider wurden gerade unsere jüngsten Talente, die im Rodeln bereits mit sieben Jahren regelmäßig zum Training kommen, immer wieder ausgebremst. Sie durften vormittags zum Unterricht in die Schule, aber nachmittags nicht zum Training – obwohl sie dort in Kleingruppen nur mit Klassenkameraden trainiert hätten.“

In seiner Funktion als ehrenamtlicher Vorsitzender des „Sport-Talent“, dem Talentzentrum Wintersport Berchtesgaden, hofft Resch, dass seitens der Bundespolitik endlich ein Zeichen für die Kinder gesetzt wird. „Es wird Zeit, dass Kinder wieder Kinder sein dürfen und können, dass sie zusammen mit anderen spielen, Sport treiben oder gemeinsam im Verein singen und musizieren können. Ich bin mir sicher, dass in allen Vereinen hervorragende Hygienekonzepte in den Schubladen liegen, die man sofort aktivieren und verantwortungsvoll umsetzen könnte. Kinder brauchen das für ihre Entwicklung, andererseits haben wir irgendwann Erwachsene, die nichts können, weil sie zu lange nichts durften“, so der Kufensport-Experte.

Unterstützung für die Forderungen des organisierten Sports kommt aus der Wissenschaft, so der DOSB in einer Pressemitteilung. Erst kürzlich hatten führende Aerosol-Forscher in einem offenen Brief auf das marginale Risiko von Infektionen unter Freiluftbedingungen hingewiesen. Jüngste Daten aus Irland sehen nur 0,1 Prozent der Infektionen bei Aktivitäten im Außenbereich. Gleichzeitig zeigen Studien eindeutig, dass regelmäßiges Sporttreiben vor schweren Covid-Verläufen schützt. Ernährungsforscher weisen auf Gesundheitsrisiken für Kinder durch Bewegungsmangel und falscher Ernährung seit Beginn der Pandemie hin. „In unseren Sportvereinen und einem unter klaren Regeln abgehaltenen Sportangebot liegt ein wertvoller Teil der Lösung bei der Bekämpfung der Pandemie“, erklärt DOSB-Chef Alfons Hörmann.

Talentzentrum Wintersport Berchtesgaden e.V.: „Wir brauchen eine Perspektive“

Im „Talentzentrum Wintersport Berchtesgaden e.V.“ wird in Zusammenarbeit mit den Wintersportvereinen des südlichen Landkreises ein vielfältiges Sportprogramm zur Förderung von normalerweise rund 200 Kindern und Jugendlichen ermöglicht. „Den Nachwuchs in den verschiedensten gemeinschaftlichen Einrichtungen zu fördern und im sozialen Miteinander zu prägen, ist unsere Aufgabe. Weil die Kinder unsere Zukunft sind“, sagt der Vereinsvorsitzende Alexander Resch.

Er stellt die Frage: „Ist das Infektionsrisiko auf der Kälbersteinschanze oder am Krautkaserfeld so groß, dass wir Sport in der freien Luft, in Kleingruppen und mit Abstand dort nicht zulassen können?“ Resch dankt den Bürgermeistern, der Bundeswehr und den Liftbetreibern, die im Winter-Halbjahr eine Pisten- und Loipen-Präparation ermöglichten: „Somit war zumindest ein wenig Ausgleich gestattet, so dass wir mit den Kindern raus konnten.“

Die besten 15 alpinen Kinder pro Gau durften in der Altersgruppe U12 oder U14 trainieren – alle anderen nicht: „Wie sollen wir das einem betroffenen Kind vermitteln? Wir haben gute und verantwortungsvolle Trainer, keiner von ihnen geht leichtfertig mit Corona um, im Gegenteil. Sie sind es gewohnt, Verantwortung zu übernehmen“, so Alex Resch.

„Bei allem Respekt und Vorsicht vor Corona – ich möchte hier nichts leugnen –, aber wir alle, vor allem unsere Kinder, brauchen eine Perspektive und einen Weg, der uns aus dem Dauer-Lockdown herausführt“. Das brachte Resch auch jüngst im Rahmen seines „Zusammenhalten“-Appells bei der Montagsdemo in der Marktgemeinde zum Ausdruck.

bit

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