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DAV Sektion Berchtesgaden sorgt sich um Versorgung, Erhalt und Kosten

Wie steht es um die Zukunft der bayerischen Berghütten?

DAV Sektion Berchtesgaden Berghütten im Schutzgebiet
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Fünf Hütten befinden sich im Versorgungsgebiet der DAV Sektion Berchtesgaden. Zwei davon sind nur über die Luft erreichbar.

Wie geht es weiter mit den bayerischen Berghütten in Schutzgebieten? Diese Frage stellt sich die DAV Sektion Berchtesgaden. Bei der Versorgung von insgesamt fünf Schutzhäusern in den Berchtesgadener Alpen sowohl aus der Luft als auch vom Boden aus sieht sich die Sektion zunehmend mit einem hohen Aufwand konfrontiert.

Berchtesgaden - Das Kärlingerhaus, die Blaueishütte, das Stöhrhaus, das Schneibsteinhaus sowie die Wasseralm stehen unter der Verantwortung der DAV Sektion Berchtesgaden.

Je nach Lage und Zufahrtsmöglichkeiten werden die fünf Hütten unterschiedlich versorgt: Das Kärlingerhaus und die Wasseralm ausschließlich mithilfe eines Hubschraubers, hauptsächlich vom Landeplatz auf Kühroint aus, das Stöhrhaus und die Blaueishütte bisher durch eine Kombination aus Bodentransport zur Talstation der Materialseilbahn und weiter mit der Seilbahn und das Schneibsteinhaus kann als einzige Schutzhütte dank der Zufahrtsstraße mit Auto oder Laster versorgt werden.

Bürokratische Hürden zum Nachteil der Berge?

Im Rahmen des Betriebes dieser Schutzhütten sehen sich die Verantwortlichen zunehmend mit einer Fülle von verwaltungsrechtlichen Vorschriften belastet, die den Betrieb tatsächlich und wirtschaftlich in Zukunft nahezu unmöglich machen könnten.

Als Beispiel führt die Sektion mitunter die Erneuerung der wasserrechtlichen Genehmigung des Kärlingerhauses an sowie die Erlaubnis für Baustellenflüge nur noch zwischen dem 1. August bis zum 31. Oktober - genau in der Hauptsaison, während der aber auch viele Zulieferer oder Handwerker Betriebsurlaub hätten.

Der DAV befürchte darüber hinaus aufgrund der bürokratischen Hürden vermehrtes Biwakieren oder Wild-Campen, Brandgefahr durch wilde Kochfelder in der Natur sowie ein erhöhtes Aufkommen von Tretminen und Müll. Daraus resultierend müsste auch die Bergrettung bei Vermisstenfällen oder Kontrollgängen künftig vermehrt im Einsatz sein.

Hüttenbesuch bald ein „luxuriöses Abenteuer“?

„Die daraus resultierenden Lasten sind für den Alpenverein und den Pächter kaum mehr tragbar“, mahnt die Sektion. „Dadurch ist leider absehbar, dass die damit verbundenen Kosten die Übernachtungs- und Verpflegungstarife so exorbitant steigen werden, dass der Hüttenbesuch für den Wanderer oder Bergsteiger zum luxuriösen Abenteuer mutiert.“

Natürlich sei der DAV nicht nur seinen Mitgliedern und den Bergtouristen verpflichtet, sondern auch und insbesondere dem Naturschutz. Gerade deswegen wendet die Sektion Berchtesgaden seit vielen Jahren Millionen auf, um die Schutzhütten und deren Versorgung naturschutzgerecht umzugestalten. Dabei sei die Versorgung fast aller Schutzhütten jedoch nur mittels Hubschrauber möglich - wie beispielsweise die des Kärlingerhauses.

Das Kärlinghaus (links) kann aufgrund seiner Lage nur mit dem Hubschrauber versorgt werden. Die Blaueishütte wird bislang durch eine Kombination aus Bodentransport zur Talstation der Materialseilbahn und weiter mit der Seilbahn versorgt.

Boden- oder Luftversorgung: Die Pros und Contras

Der DAV als Naturschutzverband versuche nicht nur aus Kostengründen sondern insbesondere aus Naturschutzgründen Hubschrauberflüge auf das geringstmögliche Maß zu reduzieren. Doch sind Hubschraubertransporte wirklich schlechter als der bodengebundene Transport oder die Seilbahn?

Pro Hubschrauber spricht augenscheinlich die Schnelligkeit: Die Flugzeit vom Tallandeplatz in Maria Gern zum Stöhrhaus betrage sechs Minuten. Zudem könne ein Hubschrauber mehr transportieren, was den Kraftsstoffverbrauch im Vergleich zu einer Seilbahn, die mehrfach hin und her fahren müsste, um die Hälfte verringere.

Darüber hinaus sei eine Seilbahn unterm Strich mit höheren Kosten - auch in Bezug auf den hohen Aufwand für Instandhaltung und Wartung sowie Personal - verbunden. Denn die Last müsse bis zu fünfmal umgeladen werden, was bei schwerem Material wie Gasflaschen, Getränkekisten oder Fässern mit bis zu 60 Kilogramm Gewicht auch eine hohe körperliche Belastbarkeit und einen zeitlichen Aufwand mit sich bringe. Pro Seilbahn allerdings spreche die wetterunabhängige Nutzung - abgesehen von windstarken Tagen.

Die Versorgung der Schutzhütten mit der Seilbahn ist zeitaufwendiger und oft mit Sanierungen von Schäden verbunden.

Ein Vorteil des Hubschraubertransports stelle indes die Ungebundenheit an die Infrastruktur dar: Es müssen keine breiten Forststraßen gebaut und erhalten werden, auch umfangreiche Bauarbeiten für die Seilbahnanlage und Parkplätze in alpinem Gelände entfallen. Somit sei der ökologische Eingriff in die Natur signifikant geringer und dauerhafte Schäden könnten vermieden werden.

Gegen eine Versorgung aus der Luft spreche wohl der Lärm, den ein Hubschrauber verursacht, obwohl ein Flug in Bezug auf die Tierwelt häufig „dramatisiert“ werde: Besonders sensible Bereiche werden ohnehin umflogen, so wie die Sektion bereits den Bereich um den Adlerhorst an den Hachelköpfen vermeide und sich strikt an das Hubschrauberkonzept des Nationalparks Berchtesgaden halte.

Alternative Versorgung der Hütten mit E-Autos oder Drohnen?

Könnten elektrisch betriebene Fahrzeuge eine Alternative darstellen? „Möglich“, meint die Sektion: „Allerdings sind diese schlichtweg nicht verfügbar. Die hierfür benötigen Nutzfahrzeuge wie Pritschenwagen, Pickup, Quad oder Transporter sind allesamt noch nicht als E-Version verfügbar. Und wenn doch, dann nicht als Allradfahrzeug oder sie sind im alpinen Bereich nicht brauchbar.“

Auch die Versorgung via Drohnen sei heutzutage keine Utopie mehr. Dies könnte mittelfristig das Fluglärm-Problem lösen, wenn diese elektrisch angetrieben werden. Es sei nur eine Frage der Zulassung - technisch sei das bereits kein Problem mehr.

Das Stöhrhaus wird weiterhin nur über die Luft versorgt.

Fazit: Individuelle Entscheidung für die Versorgung nötig

Grundsätzlich, resümiert die Sektion, müsse die Entscheidung immer vom Standort abhängig und individuell getroffen werden: „Es gibt Hütten, die sehr gut an die Infrastruktur angebunden sind und bei denen die Vorteile eines Bodentransports überwiegen. Es bleibt aber feststellen, dass besonders bei entlegenen Hütten in sensiblen Naturbereichen der Transport mittels Hubschrauber sowohl ökologisch als auch ökonomisch der bessere ist. Und bei einigen Schutzhütten wie dem Kärlingerhaus ist dieser sogar alternativlos.“

Für das Stöhrhaus, das steht für Hüttenpächter und DAV-Vorstand fest, sei die Versorgung mittels Hubschrauber ökologisch und ökonomisch günstiger und daher aus Umweltaspekten vorzuziehen. Die alte Seilbahn werde abgebaut und so wieder der unverbaute Blick auf den Berchtesgadener Hochthron frei.

mb mit Material der Pressemitteilung der DAV Sektion Berchtesgaden

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