Brauchtum im Berchtesgadener Land

Der besondere Einstieg in die Fastenzeit: Kasnockenpartie in Berchtesgaden

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kasnockenpartie in Berchtesgaden
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Berchtesgaden - Fasching ist vorbei, eigentlich beginnt nun für viele Leute die Fastenzeit. Nicht so in Berchtesgaden, da wird heute noch einmal so richtig geschlemmt:

Schlemmerei in der Fastenzeit? Manch einem dreht sich schon alleine bei diesem Gedanken der Magen. Aber Tradition ist Tradition und mit einem kleinen Augenzwinkern gehört  diese Tradition zu Berchtesgaden einfach dazu. Hat sie doch einen Ursprung, den es nicht überall gibt. Den Beieikas. 

Was bitte ist der Beieikas?

Der Beieikas ist ein Käse, den es zumindest unter diesem Namen nur im Berchtesgadener Land gibt. Oder - wenn wir bei der Tradition bleiben: Im "Berchsgadener Land". Den Namen hat er vermutlich von seiner Form, denn er hat die Größe und Form eines Tischtennisballes. Und Ball heißt in der Berchtesgadener Mundart bekanntlich "Beiei". Der Käse selber, bzw. in ähnlicher Geschmacks- und vor allem Geruchsrichtung ist aus anderen Regionen, wie zum Beispiel Tirol, unter dem Namen Graukäse bekannt.

Unter dem Beieikas versteht man einen Magermilchkäse mit nur maximal 2% Fettgehalt. Dazu muss man wissen, dass Käse aus Vollmilch in Berchtesgaden keine Tradition. Vollmilch galt für die Herstellung von Käse lange als viel zu schade. Die Vollmilch wurde auf den Almen entrahmt und aus dem Rahm wurde Butter gemacht, aus dieser widerum Butterschmalz, was man zum Kochen, Braten und natürlich Backen verwendete.

Die entrahmte Magermilch wurde dann stehengelassen, bis daraus eine Art "gstöckelte Milli", also gestockte Milch wurde. Daraus reift in den Folgewochen ein bröseliger Käse, der fast nur aus Eiweiß und Wasser besteht. Durch den Verdunstungsprozess erhält der dann eine Konsistenz, aus der man die knödelähnlichen "Beiein" formen kann.Je länger der Käse trocknet und reift, desto härter und geruchsintensiver wird er. Und natürlich auch sehr lange haltbar. 

"Wir haben als Kinder immer einen großen Bogen um den Kas gemacht", so ein Berchtesgadener im Gespräch mit BGLand24.de und ergänzt: "bei uns wurde der immer Stall gelagert, daheim in der Stube hätte man den Geruch nicht ausgehalten".

Was hat Beieikas mit Kasnocken und Aschermittwoch zu tun?

Ganz einfach - Kasnocken oder auch Kässpätzle (je nach Region) schmecken umso besser, je rescher der Käse. Im Berchtesgadener Land werden die (richtigen) Kasnocken tradtionell mit Beieikas gemacht, dieser wird dazu gerieben. Durch den geringen Fettanteil beim Erhitzen schmilzt der Käse nicht, man lässt ihn in ausreichend Butter "emulgieren", bis die Nocken dazugegeben werden können.

Kasnockenpartie in Berchtesgaden

Wer schon einmal richtige Berchtesgadener Kasnocken gegessen hat, der weiß: Ihr Geruch ist recht intensiv. Das Gerücht, dass die Wirte sie deshalb nicht auf ihrer normalen Speisekarte haben, hält sich tapfer. Eine Tatsache aber ist, dass es viele Wirte gibt, die eine soogenannte Kasnockenpartie anbieten. Dabei werden überwiegend Kasnocken angeboten. Teilweise sind die Plätze an diesen Tagen so begehrt, dass ohne Reservierung gar nichts mehr geht. Traditionell sind diese Tage der Aschermittwoch und der Karfreitag. 

So gelingen die Berchtesgadener Kasnocken

Rezepte gibt es viele für Kasnocken und jede Familie hat ihr eigenes und (fast) jeder Wirt auch. Unsere Lieblingsvariante wollen wir Ihnen natürlich nicht vorenthalten:

Zutaten

  • 500 gr Mehl
  • 2 Eier  (Größe M)
  • 375 ml Wasser
  • Salz
  • 120 gr Butter 
  • 5 Esslöffel geriebenen Beieikas

Zubereitung

Alle Zutaten kurz vermischen und mit Hilfe eines Spätzlehobels oder einem Sieb in siedendes Salzwasser geben. Circa 1 Minute kochenlassen und durch ein Sieb abseihen. Butter in einer Pfanne zerlassen, den Beieikass einstreuen und zergehen lassen. Dann die Spätzle dazugeben, alles vermengen und schmecken lassen!

Wer mag verfeinert noch ein wenig mit gerösteten Zwiebeln und Kräutern.

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