Berchtesgadens Bürgermeister Rasp zu „5 vor 12“-Protesten

„Uns droht in den Grenzgebieten das Hotel- und Gastro-Fachpersonal abzuwandern!“

Immer wieder wird in Berchtesgaden für Öffnungsperspektiven protestiert. Im Gespräch mit BGLand24.de erläutert Bürgermeister Franz Rasp (CSU) seine Meinung dazu.
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Immer wieder wird in Berchtesgaden für Öffnungsperspektiven protestiert. Im Gespräch mit BGLand24.de erläutert Bürgermeister Franz Rasp (CSU) seine Meinung dazu.

Wie steht Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp (CSU) zu den anhaltenden Protesten für Öffnungsperspektiven in seiner Gemeinde? BGLand24.de hat mit ihm darüber gesprochen.

Berchtesgaden - „Ich kann den Zorn der Leute voll verstehen. Vor allem für Familien ist es derzeit eine enorme Belastung“, berichtet Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp (CSU) gegenüber BGLand24.de. „Darum war ich auch bisher bei jedem der Proteste in unserer Gemeinde mit dabei. Wir stehen hier an der Seite unserer Betriebe.“

Immer wieder lauter Protest in Berchtesgaden - Bürgermeister Rasp steht dahinter

Auch am Montag, den 3. Mai waren in Berchtesgaden wieder zahlreiche Menschen am Lauten Protest beteiligt. Die Protestaktionen finden bereits seit Mitte März statt. Die Veranstalter wollen damit die Politik dazu bringen, auf die mittlerweile untragbare Situation der lokalen Unternehmen zu reagieren. Mit Töpfen, Trommeln und selbstgebauten Krachmachern gehen daher die Menschen in zahlreichen Städten im Berchtesgadener Land und dem Chiemgau auf die Straßen, um sich Gehör zu verschaffen.

„Dieses planlose Herumregieren statt einem Langzeitkonzept ist es, was uns sauer aufstößt. Während von einem kräftezehrenden Lockdown zum nächsten gegangen wird, fehlt noch immer ein Modell, bei dem es Öffnungsperspektiven gibt“, berichtete Anfang April Christoph Göttges gegenüber BGLand24.de (Plus-Artikel BGLand24.de). Seine Frau Christina und er betreiben in Berchtesgaden das Fotogeschäft „Christina Göttges Fotografie“ und sind an der Organisation der „Lauten Proteste“ im Ort beteiligt. „Es braucht endlich ein schlüssiges Konzept, damit das Leben hier in unserem Berchtesgaden und auch in ganz Deutschland weiterhin lebenswert bleibt, damit wir aus dem Langzeitlockdown herauskommen und ein Stück mehr Normalität für jeden Menschen einkehren kann. Viele geben eine solche Strategie bereits vor, so zum Beispiel Österreich und Tübingen. Wir benötigen eine Teststrategie und schnelles Impfen.“

Österreich hat bereits Öffnungs-Fahrplan vorgelegt

„Es geht nicht um blindes Aufmachen um jeden Preis“, betont auch Berchtesgadens Bürgermeister Rasp. „Es steht für alle Beteiligten fest: Keine Öffnung ohne Hygienekonzepte. Einzelhandel, Gastronomie, Hotellerie und Schulen würden da auch schon in den Startlöchern stehen. Alleine: Man lässt sie nicht. Dabei haben sich die Konzepte im vergangenen Jahr durchaus bewährt.“ Er gäbe zu bedenken, dass die öffentliche Hand enorme Summen für Belüftungssysteme in Schulen ausgegeben habe. „Wenn die weiter nur Staub sammeln ist das schlecht investiertes Geld!“

„Was die Situation noch verschärft: Österreich hat jetzt einen Öffnungs-Fahrplan.“ Die österreichische Bundesregierung hatte Ende April einen Fahrplan für Öffnungsschritte ab dem 19. Mai vorgelegt. Ab diesem Stichtag soll branchenübergreifend, unter Einhaltung klarer Sicherheitskonzepte, geöffnet werden. Neben Gastronomie und Hotellerie dürfen auch Kunst-, Kultur-, Thermen-, Wellness- oder Vergnügungsangebote wieder ihre Pforten öffnen. Abhängig vom Impffortschritt sollen ab dem 1. Juli dann noch weitere Erleichterungen folgen.

„Auch wir brauchen baldmöglichst ein solches Konzept. Uns droht sonst in den Grenzgebieten das Hotel- und Gastro-Fachpersonal abzuwandern!“, mahnt Rasp. „Tourismus ist hier ein zentraler Wirtschaftszweig. Wenn alle guten Mitarbeiter ins Nachbarland abwandern wäre das verheerend!“

hs

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