Zeit gewonnen - Neues Gutachten für Kehlsteinwege

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Forstwirtschaftlich genutzter Kehlsteinweg im Landlerwald.

Berchtesgaden - Aufatmen bei der Bürgerinitiative "Kehlsteinwege": Landrat Grabner erklärte die Problematik der belasteten Wegen zur Chefsache. Ein neues Gutachten soll Klarheit bringen:

Die Bürgerinitiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Kehlsteinwege so weit wie möglich zu erhalten, begrüßt die Initiative von Landrat Georg Grabner, der vor allen weiteren Maßnahmen zum Umbau des bestehenden Kehlsteinwegenetzes zunächst ein weiteres Gutachten zur Sanierung der mit giftigem Teer belasteten Wege in Auftrag geben will.

Es war eine lebhafte Diskussion, aber auch eine voller Zuversicht beim Treffen der Bürgerinitiative „Kehlsteinwege“ am vergangenen Dienstag, dem Tag nach der gemeinsamen Ortsbesichtigung am Kehlstein mit Landrat Georg Grabner, Vertretern der Bayerischen Staatsforsten, des Alpenvereins und der Bürgerinitiative. Rita Poser, die Vorsitzende des Kreisverbandes des Bund Naturschutz bewertete diese Begehung als einen Schritt in die richtige Richtung: „Es wurde Zeit, dass Landrat Grabner die Problematik zur Zukunft der Kehlsteinwege endlich zur Chefsache erklärt hat!“

Bislang hatte sich das Landratsamt als anordnende Behörde gegenüber den Staatsforsten für den Sanierungsplan der Kehlsteinwege ja weitgehend aus der öffentlichen Diskussion herausgehalten. Nun übernimmt der Landrat auch öffentlich Führungsverantwortung. Rosi Plenk von den Freien Wählern begrüßt es vor allem, dass durch die Außerkraftsetzung der Anordnung des Sofortvollzugs für die Sanierung der Wege durch die Staatsforsten und die geplante Bestellung eines neuen Gutachtens erst einmal Zeit gewonnen wird, Zeit, die es auch ermöglichen wird, noch einmal in Ruhe über den von Klaus Gerlach in seiner Petition an den Bayerischen Landtag eingebrachten Vorschlag nachzudenken, den gesamten Kehlstein mit seinen historischen Wegen, der Busstraße und dem Haus am Gipfel als Teil einer europäischen Erinnerungslandschaft in die Erweiterungsplanungen für die Dokumentationsstelle am Obersalzberg einzubeziehen. Eine faire Geste von Seiten des Landratsamtes und der Staatsforsten ist dabei auch die Zusage, dass die Bürgerinitiative bei der Auswahl des Gutachters beteiligt werden soll.

Für die SPD bewertete Klaus Gerlach lediglich die Aussage kritisch mit der Georg Grabner in der Presse zitiert wurde, dass ein weiteres Gutachten für die Sanierung der Kehlsteinwege grundsätzlich nicht erforderlich sei, aber beruhigende Wirkung auf die aufgebrachten Gemüter haben könne. Der Landrat hat sehr wohl erkannt, so meinte er, dass es ein Fehler war, die Sanierungsuntersuchungen mit dem Gutachten auf das Gelände der Bayerischen Staatsforsten am Kehlstein zu beschränken und den in Verantwortung der Berchtesgadener Landesstiftung liegenden Bereich mit der ebenfalls belasteten Kehlsteinstraße und dem Weg vom Ofner Boden zum Kehlstein unberücksichtigt zu lassen. Konsequenterweise hätten die Gutachter auch diesen Bereich untersuchen müssen. Die Folgemaßnahmen können auch nicht auf das Gebiet der Staatsforsten reduziert werden, sondern gelten für den ganzen Kehlstein.

Erhaltung der Schutzwaldfunktion der Kehlsteinwälder

Die vom Landesamt für Umweltschutz grundsätzlich empfohlene Maßnahme zur Sanierung derartiger Altlasten, die Versiegelung mit einer Asphaltdecke, gewinnt vor diesem Hintergrund durchaus wieder an Gewicht. Es bleibt abzuwarten, zu welchem Ergebnis ein neues Gutachten kommen wird. Wolfgang Feldbauer, der Wegereferent des Deutschen Alpenvereins in der Sektion Berchtesgaden war besonders angetan von der Feststellung des Vorsitzenden der Bayerischen Staatsforsten, Martin Neumeyer, der die Notwendigkeit des Ausbaus von Forststraßen am Kehlstein auf die Erfordernisse beschränken will, die sich aus den notwendigen Arbeiten für die Erhaltung der Schutzwaldfunktion der Kehlsteinwälder ergeben. Bisher war von Seiten des Forstbetriebs Berchtesgaden immer von der Notwendigkeit eines wirtschaftlichen Betriebs für die Holzgewinnung gesprochen worden. Dahinter standen natürlich ganz andere Ansprüche an ein leistungsfähiges Straßennetz. Mit Genugtuung hat die Bürgerinitiative daher auch die Zusage von Martin Neumeyer aufgenommen, dass bei einem Umbau der Kehlsteinwege kein Forstweg breiter sein wird als die bestehenden Wege. Auch gegen erste Reparaturmaßnahmen der Staatsforsten an dem Weg durch den Landlerwald, der durch den Einsatz überschwerer Maschinen ohnehin schon so zerstört wurde, dass weder Teerdecke noch ursprünglicher Weg erkennbar sind, ist nichts einzuwenden.

Man ist zuversichtlich, dass es insgesamt am Kehlstein mit dem Landratsamt und den Staatsforsten zu einvernehmlichen Lösungen kommen wird. Alle Mitglieder der Bürgerinitiative bewerten die gemeinsame Ortsbegehung mit Landrat Grabner als einen ersten Schritt auf dem Weg, wie man auch künftig alle Maßnahmen zur Weiterentwicklung am Kehlstein von Seiten der zuständigen Behörden bürgernah und transparent gestalten kann. In diesem Jahr wird es nach Auffassung der Bürgerinitiative mit hoher Wahrscheinlichkeit wohl nicht mehr zu Um- und Neubaumaßnahmen kommen. Es ist also jetzt Zeit gewonnen, um auch über neue Konzepte für die Zukunft nachzudenken. Dazu gehört neben der grundsätzlichen Frage des künftigen Umgangs mit der Geschichte von Obersalzberg und Kehlstein ganz sicher auch die Überlegung, wie man die Möglichkeiten, die durch die historische und die landschaftliche Attraktivität des Kehlsteinwegenetzes gegeben sind, einer besseren touristischen Nutzung öffnet.

Pressemitteilung Klaus Gerlach

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