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Siegsdorfer Hellseher hat Hochkonjunktur

Berchtesgadener Buchautor Stephan Berndt über Alois Irlmaier und dessen Vorhersagen

Irlmaier-Vortrag in Berchtesgaden: Stephan Berndts Vorträge über den Hellseher waren in der Vergangenheit immerzu ausverkauft.
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Irlmaier-Vortrag in Berchtesgaden: Stephan Berndts Vorträge über den Hellseher waren in der Vergangenheit immerzu ausverkauft.

Berchtesgaden – Der Berchtesgadener Stephan Berndt forscht seit drei Jahrzehnten über den gebürtigen Siegsdorfer Hellseher Alois Irlmaier, der mit seinen Vorhersagen Bekanntheit erlangt hat. Von Irlmaier, der 1959 in Freilassing starb, ist der Satz überliefert: „…dann überfallen die Russen über Nacht den Westen. Berndts Buch „Alois Irlmaier: Ein Mann sagt, was er sieht” rangiert seit dem Überfall auf die Ukraine beim größten Buchhändler der Welt in mehreren Kategorien auf Platz eins. Berndt sagt: „Irlmaier ohne Dritter Weltkrieg ist wie Paris ohne Eiffelturm.”

Was für ein Mensch war Alois Irlmaier, der als Seher von Freilassing gilt, der seit 60 Jahren tot ist, und dessen Vorhersagen immer noch, vor allem seit der Corona-Pandemie, wieder vermehrt in Umlauf sind?

Stephan Berndt: Alois Irlmaier war mit Sicherheit zu vielschichtig, um ihm mit wenigen Sätzen gerecht zu werden. Er war ein Mann aus dem Volke, bäuerlicher Abstammung, mit einer außergewöhnlichen Begabung, Wasseradern und -quellen zu finden. Mit dieser irgendwie doch etwas übernatürlichen Fähigkeit sicherte er seine Existenz und gewann dann das Vertrauen der Menschen für sein eigentliches Metier – die Hellseherei.

Irlmaier soll im Zweiten Weltkrieg Bombenangriffe vorausgesagt haben, gewusst haben, ob vermisste Soldaten noch leben. Wie hat Irlmaier Bekanntheit erlangt?

Berndt: Alois Irlmaier wurde letztendlich dadurch bekannt, ja eigentlich berühmt, dass man im Jahr 1946 versucht hat, ihn mundtot zu machen, indem man ihn als angeblich betrügerischen Hellseher vor Gericht zerrte. Vor Gericht aber konnte Irlmaier einen Beweis seiner seherischen Fähigkeiten erbringen. Er sagte dem Richter auf den Kopf zu, dass dessen Frau just zum Zeitpunkt der Verhandlung Herrenbesuch und sich dafür auch noch rausgeputzt hat. Dadurch in Zugzwang geraten, schickte der Richter den Gerichtsdiener los, der kurze Zeit später Irlmaiers Aussage bestätigte. Ich selbst konnte noch zwei Zeuginnen zu dem Vorfall befragen, eine davon pikanterweise die spätere Frau des Richters, die mir immer noch etwas gereizt und dünnhäutig erschien. Noch heute kann man in München in den Gerichtsakten beziehungsweise der Urteilsbegründung des Freispruches die Verwunderung des Richters über Irlmaiers Talent nachlesen. Durch diesen Freispruch wurde der Seher überregional bekannt. Das war natürlich ein Fressen für die Presse, und so etwas lesen die Leute natürlich gerne. Was die vermissten Soldaten betrifft: Da gibt es dutzende Zeugenaussagen, und Irlmaier hatte eine so hohe Trefferquote, dass in den Jahren 1949/1950 oft 100 Ratsuchende vor seinem Grundstück Schlange standen.

Ist es richtig, dass er bei der Aufklärung von Mordfällen mitgewirkt, selbst Kanzler Konrad Adenauer beraten haben soll? 

Berndt: Zu den Mordfällen gibt es nur Zeugenaussagen, von Akten weiß ich nichts. Ähnlich ist es bei Adenauer. Allerdings hat Adenauer gegenüber der Tageszeitung ,Die Welt’ am Tage der Bundestagswahl 1953 ausgesagt, er sei vor der Wahl bei einer Hellseherin gewesen. Das hat die Zeitung seinerzeit auf Seite eins abgedruckt. Ein früherer Irlmaier-Freund sagte mir, Adenauer habe sich auch von Irlmaier beraten lassen und Irlmaier sei dazu mehrfach in Adenauers Urlaubsort im Schwarzwald in ein Hotel gefahren. Tatsächlich war das Hotel dasjenige, wo Adenauer auch immer war. Dass Adenauer Hellseher kontaktiert hat, ist durch den Welt-Artikel von Adenauer selbst bezeugt, und es wäre ziemlich wahrscheinlich, dass Adenauer zur Gegenkontrolle der betreffenden Hellseherin einen anderen Hellseher hinzugezogen hat.

Auch die Flüchtlingskrise im Jahr 2015 und den Klimawandel soll er gesehen haben.

Berndt: Im Jahr 1992 ist von einem Tiroler Pfarrer folgende inzwischen sehr bekannte Irlmaier-Aussage veröffentlicht worden. Irlmaier starb 1959:

    ,Zuerst kommt ein Wohlstand wie noch nie.

    Dann folgt ein Glaubensabfall wie nie zuvor.

    Darauf eine noch nie da gewesene Sittenverderbnis.

    Alsdann kommt eine große Zahl fremder Leute ins Land.

    Es herrscht eine hohe Inflation

    Das Geld verliert mehr und mehr an Wert.

    Bald darauf folgt die Revolution.

    Dann überfallen die Russen über Nacht den Westen.’

Die vielen Fremden könnten auf den ersten Blick natürlich die Gastarbeiter sein, die von Ende der 1950er- bis Anfang der 1970er-Jahre kamen, oder aber die Flüchtlinge ab 2015, oder eben jetzt die Flüchtlinge aus der Ukraine. Allerdings muss man die ,vielen Fremden’ dann zusätzlich noch in Bezug setzen zu der hohen Inflation und Geldentwertung, und dann passt das mit den 1950ern bis 1970ern nicht mehr. Hohe Inflation bei gleichzeitigem Nullzins gab es seinerzeit definitiv nicht, das ist typisch für die Jetztzeit.

Was macht Irlmaier in Ihren Augen so besonders? Was hebt ihn von anderen Sehern ab?

Berndt: Es kommt nicht darauf an, ob er in meinen Augen besonders ist. Wer sich mit der Geschichte der europäischen Seher und Prophezeiungen eingehender befasst, weiß ganz einfach, dass er ein herausragender Seher beziehungsweise Fall war. Ob er wirklich so viel besser war als etliche andere Seher, sei dahingestellt. Entscheidend ist, dass er in den Jahren 1949 und 1950 oft genug befragt und dies auch in Tageszeitungen und Magazinen abgedruckt wurde, so dass wenig Zweifel dahingehend bestehen, ob er nun dieses oder jenes Detail tatsächlich vorausgesagt hat. Die Datenbasis ist verglichen mit vielen anderen Sehern sehr umfangreich und äußerst ergiebig. Hinzu kommen dutzende Zeugen, die von privaten Voraussagen Irlmaiers berichten.

Was entgegnen Sie einem Menschen, der Irlmaier als Spinner abtut?

Berndt: Ich könnte jetzt sagen: Das lässt mich kalt. Aber das wäre falsch. Denn normalerweise bin ich ja 37 Grad warm. Die richtige Antwort lautet also: Das lässt mich lau.

Die Corona-Pandemie wurde vom Ukrainekrieg abgelöst. So mancher erwartet gar einen Dritten Weltkrieg. Hat sich Irlmaier in dieser Hinsicht auch geäußert?

Berndt: Gefühlt drehen sich 60 Prozent der Irlmaier-Voraussagen um einen Dritten Weltkrieg. Irlmaier ohne Dritter Weltkrieg ist wie Paris ohne Eiffelturm, Louvre und Élysée. Und das wird auch seit über 70 Jahren in zahllosen Büchern und Zeitschriften kommuniziert, ganz zu schweigen vom Internet. Die Spatzen pfeifen es seit Jahrzehnten von den Dächern. Um das herauszuhören, muss man auch kein Ornithologe sein. Mit ,Dritter Weltkrieg’ à la Irlmaier wäre ein aus der Perspektive des Normalbürgers überraschender Angriff Russlands auf Mitteleuropa im Hochsommer eines Jahres X gemeint. Diesen Russenangriff sagen aber mehrere Dutzend Hellseher seit über 300 Jahren voraus. Allerdings soll es dabei zu keinem Atomkrieg kommen, und der Krieg soll auch nur etwa drei Monate dauern. Russland soll den Krieg verlieren. Ganz klar. Glaubt man Irlmaier weiter, folgt dann in Russland eine Revolution, die die alte Herrschaftsschicht hinwegfegt.

UN-Generalsekretär António Guterres warnte zuletzt vor einem Wirbelsturm des Hungers“, weil die Ukraine als Lieferant von Weizen ausfällt. Wie berechtigt sind solche Sorgen, wenn man Irlmaiers Vorhersagen vertraut?

Berndt: Ich rate dringend dazu, sich keine Sorgen zu machen – machen Sie in Konserven. Dazu raten ja auch Zivilschutzverbände. Allerdings nur für 14 Tage. Aber ob das reicht, wenn Wladimir Putin einmal einen ganz, ganz schlechten Tag hat? Mir persönlich kommen da Zweifel.

Wie haben Sie Bekanntschaft mit Irlmaier gemacht? Seit wann beschäftigen Sie sich mit ihm?

Berndt: Ich bin seit über 30 Jahren dran an diesem Thema und habe inzwischen zehn Bücher zum Thema Europäische Prophetie geschrieben. Auf Alois Irlmaier stößt man da ganz automatisch. Eine Hellseherin – das ist kein Witz – hat mir mal gesagt, ich befasste mich so intensiv mit dem Thema, weil ich mal in einem früheren Leben Indianerhäuptling war, nicht auf den Rat des Schamanen gehört und meinen Stamm damit ins Unglück gestürzt habe. Wenn man so will – und das glaubt –, biege ich jetzt wieder gerade, was ich vor 200 Jahren verbockt habe. Allerdings biege ich in Südostbayern und nicht im Mittleren Westen. Aber ich denke, das ist ok. Den Irlmaier kennt ja eh keiner in den USA. Und wenn ich auf die Absatzzahlen meiner Bücher schaue, kann ich feststellen, dass ich das Ding inzwischen wieder ziemlich gerade gebogen habe. Das sieht inzwischen wirklich gut aus. Fast wie neu.

kp

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