Deutliche Worte gegen Baupläne der Gemeinde

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Salinenparkplatz: Entsteht hier ein neuer Aldi-Markt?

Berchtesgaden - Deutliche Kritik gab es aus dem Berchtesgadener Gemeinderat für die Nachbargemeinde Bischofswiesen. Die Baupläne seien unzumutbar für die Anwohner.

Nicht nur der geplante Aldi-Markt im Panorama-Park war Anlass für die deutlichen Worte, auch der Flächennutzungsplan sowie die Aufstellung des Bebauungsplans für das Gebiet „Am Kressenweg“ erregten die Gemüter der Gemeinderäte. Dass man die Entscheidungen in Bischofswiesen aber nicht ändern könne, auch das ist den Berchtesgadenern klar. Trotzdem gab es zumindest im Fall des Aldi-Markts eine klare Positionierung des Marktes.

Kressenweg: Hier sollen 14 Baustellen gleichzeitig entstehen.

Seine Worte konnte und wollte sich Dr. Bartl Wimmer (Grüne) nicht verkneifen: „Unter aller Kanone“ sei das, was da im Gebiet „Am Kressenweg“ passiere. Der dortige Bebauungsplan sieht eine Ausweisung von 14 Bauparzellen vor. „Das ist einfach nicht machbar“, so Wimmer, der sich vor allem auch darüber echauffierte, dass die Gemeinde Bischofswiesen noch kurz zuvor festgestellt hatte, dass es keinen Bedarf für neues Wohngebiet gebe. „Vier Wochen später stellt dann ein Gemeinderat einen Bauantrag – und plötzlich ist der Bedarf da“, so Wimmer. Die offizielle Begründung lautet, dessen bestehende Landwirtschaft zu sichern. In der Öffentlichkeit entstehe ein nicht stichhaltiger Eindruck der Sache, so Wimmers Auffassung.

Der Druck, neue Bebauungsgebiete zu erschließen, könne aber nicht so groß sein, ist sich der Berchtesgadener Gemeinderat sicher. Natürlich sei ihm klar, dass Berchtesgaden nicht unmittelbar von dieser Entscheidung betroffen sei, doch fürchtet er durch Bischofswiesens Entscheidung für das neue Bauland einen Präzedenzfall. „Das ist katastrophal“. Ein Rückfall ins Mittelalter sei das, „grob rechtsfehlerhaft“. Gemeinderat Jürgen Reiner (Freie Wählergemeinschaft) forderte eine Stellungnahme des Berchtesgadener Marktbaumeisters zur Bischofswieser Angelegenheit. Bürgermeister Franz Rasp: „Wir werden dazu nichts sagen.“ Zu einem weiteren Tagesordnungspunkt zu sagen hatten die Berchtesgadener Gemeinderäte aber jede Menge. Dabei ging es um den geplanten Neubau eines Aldi-Marktes beim Panorama-Park, 34 Meter breit, 110 Meter lang, mit einer maximalen Verkaufsfläche von 1100 Quadratmetern.

Neben dem Aldi-Markt sollen 900 Quadratmeter für Einzelhandelsbetriebe wie die Bekleidungshersteller Kik und Takko zur Verfügung gestellt werden. „Hier wird etwas gebaut, was für den Talkessel gravierende Auswirkungen haben kann“, so Bürgermeister-Stellvertreter Karl Seiberl (Freie Wählergemeinschaft). Einen „Overkill an Einzelhandelsflächen“, nannte Dr. Bartl Wimmer das Aldi-Vorhaben. „Am Ende des Tages wird es ein reiner Verdrängungswettbewerb werden“. Eine sinnvolle Nutzung der Flächen sei dann nicht mehr möglich. „Von der städtebaulichen Entwicklung brauchen wir erst gar nicht zu sprechen“. Eine geordnete Raumplanung müsste aber ein anderes Ergebnis nach sich ziehen. Michael Widmann (Grüne) empfindet die Situation als „befremdlich“ und Bartl Mittner (SPD) ist sich sicher, dass „die

kleinen Händler auf kurz oder lang dran glauben werden müssen“. Auch klar sei, dass der Aldi-Markt in Berchtesgaden, der seine Erweiterungspläne bereits wieder zurückgezogen hatte, mittelfristig schließen werde. Auch Michael Koller (Freie Wählergemeinschaft) sagt, dass keine Talkessel-Gemeinde weitere vergleichbare Märkte benötige. Schon in der Vergangenheit war der Markt Berchtesgaden gegen die Planungen Schönau am Königssees vorgegangen, am zentral gelegenen Triftplatz weitere Lebensmittelmärkte zu etablieren. Erfolglos. „Wir hätten damals schon mehr Vehemenz an den Tag legen müssen“, so Koller. Und auch jetzt sei Kritik an der Nachbargemeinde Bischofswiesen durchaus berechtigt. Bürgermeister Rasp sagte, dass vom Markt Berchtesgaden lediglich eine Stellungnahme gefordert werde. „Diese fällt bei uns alles andere als positiv aus“. Die Auswirkungen müsse Bischofswiesen dann aber selber tragen. Einstimmig bekräftigten die Gemeinderäte die Aussage des Gemeindechefs.

kp

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