Winter-Vortragsreihe des Nationalparks Berchtesgaden

Der Bartgeier: Rückkehr eines "Urbayern"

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Mit bis zu drei Metern Flügelspanweite ist der Bartgeier der größte Greifvogel der Alpen.

Berchtesgaden - Ein stattlicher "Urbayer" macht sich auf den Weg nach Bayern, um seine angestammten Lebensräume zurück zu erobern: Der Bartgeier.

Die Pressemitteilung im Wortlaut

Die "Top Five" im Nationalpark Berchtesgaden sind weithin bekannt: Steinadler, Rothirsch, Gams, Steinbock und Murmeltier sind wohl die prominentesten, tierischen Vertreter in Deutschlands einzigem Alpen-Nationalpark. Doch ein stattlicher "Urbayer" macht sich auf den Weg nach Bayern, um seine angestammten Lebensräume zurück zu erobern: Der Bartgeier. Toni Wegscheider vom Landesbund für Vogelschutz berichtete im Rahmen der traditionellen Winter-Vortragsreihe des Nationalparks über die Ergebnisse einer Studie zur Unterstützung des Bartgeier-Wiederansiedlungsprojektes in den Ostalpen.


"Der Bartgeier ist für die lokale Öffentlichkeit ein weitgehend unbekanntes Tier, obwohl dieser Vogel viele Jahrtausende lang seine Kreise um den Watzmann zog", erläutert Toni Wegscheider, der für den Landesbund für Vogelschutz (LBV) eine Machbarkeitsstudie zur Wiederansiedlung des größten, heimischen Greifvogels bearbeitet hat. Das Ergebnis: Die Berchtesgadener Alpen eignen sich als Lebensraum für den größten Vogel der Alpen sehr gut.

Der Bartgeier ist im Aufwind: Seit 1986 findet in den Alpen ein Wiederansiedlungsprojekt statt, das bereits Erfolge zeigt - allerdings bislang nur in den Westalpen. In Frankreich, der Schweiz und Norditalien brüten heute wieder über 30 Paare erfolgreich. In den Ostalpen hingegen, allen voran in Österreich, stagniert der Bestand seit Jahren auf einem niedrigen Niveau von lediglich vier Brutpaaren. Untersucht wurde nun, wie die ostalpinen Vorkommen durch Maßnahmen in Bayern gefördert werden können.


"Gerade für Berchtesgaden liegt eine Vielzahl historischer Nachweise für den Bartgeier aus vergangenen Jahrhunderten vor, so etwa das beeindruckende, lebensgroße Gemälde in der Gaststätte auf St. Bartholomä", weiß Wegscheider.Doch wurde der harmlose Knochenfresser in den Alpen gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch den Menschen ausgerottet: Mit Gift, Abschuss oder Aushorstung wollte man sich damals des vermeintlichen Schaf- und Kinderräubers entledigen. Heute weiß man, dass der Bartgeier eine einzigartige Nahrungsnische besetzt: Er ist ausschließlich an Knochen interessiert. Nur die Küken werden von den Elterntieren mit Aas gefüttert. Mit seiner scharfen Magensäure, deren pH-Wert dem von Batteriesäure entspricht, löst der Geier die nahrhaften Knochen auf, die er zuvor nicht selten im Stück verschlungen hat.

"Größter Feind des Bartgeiers heute ist das Blei", erläutert der Ornithologe. Aus Österreich ist bekannt, dass die Hälfte aller tot aufgefundenen Bartgeier qualvoll an Bleivergiftungen verendet ist, die Nervenschädigungen, Flug- und Orientierungsstörungen sowie Gewichtsverlust verursachen. Das giftige Schwermetall stammt aus bleihaltiger Gewehrmunition, wie sie von Jägern verwendet wird. Flüchtet angeschossenes Wild und wird später verendet von Aasfressern gefunden, nehmen die Vögel winzige Bleirückstände über die Nahrung auf. Stark bleibelastet ist oft auch der so genannte "Aufbruch" von mit bleihaltiger Munition erlegtem Wild. Wenn diese Innereien draußen im Revier verbleiben, werden sie von verschiedenen Tieren aufgenommen. Die Magensäure des Bartgeiers zersetzt das Schwermetall und verteilt es im gesamten Körper. "Daher ist es für den Bartgeier und auch andere Greifvögel von zentraler Bedeutung, flächendeckend auf bleifreie Jagdmunition umzusteigen", empfiehlt Wegscheider. Im Nationalpark Berchtesgaden kommt seit 2014 ausschließlich bleifreie Munition zum Einsatz. "Wichtig ist aber, dass möglichst viele Jagdausübende in der gesamten Region zum Schutz unserer großen Greifvögel auf bleifreies Jagen umstellen, sonst haben die Bartgeier keine Chance", appelliert der Wildbiologe auch an Jagdausübende rund um das Schutzgebiet, sich dem Prozess anzuschließen. Hier befinde sie die Region nach Einschätzung des Experten bereits auf einem guten Weg: "Wenn es so weitergeht, dann könnten bereits im Jahr 2021 die ersten Bartgeier im Nationalpark Berchtesgaden freigelassen werden".

Pressemitteilung Nationalpark Berchtesgaden

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