Altlastensanierung auf den Kehlsteinwegen

"Wir haben bereits rund sechs Kilometer von dem teerhaltigen Material befreit"

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Sanierung der Kehlsteinwege - So wird derzeit saniert
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Berchtesgaden - Die Altlastensanierung auf den Kehlsteinwegen kommt gut voran. Bis Ende Oktober soll alles abgeschlossen sein. So wird derzeit dort gearbeitet:

Sanierung der Kehlsteinwege - So wird derzeit saniert

Die Sanierung der Kehlsteinwege ist in vollem Gange. Die Humusschicht am Waldrand wurde als Erstes entfernt. Mittlerweile ist auch das Abtragen der belasteten Asphaltschicht schon ziemlich weit vorangeschritten. Während der diversen runden Tische im Vorfeld der Sanierung wurde besprochen, dass Pressevertreter und Mitglieder der Bürgerintiative Gelegenheit bekommen, sich vor Ort von dem aktuellen Arbeitsstatus zu überzeugen. Diese Treffen hat im Juli stattgefunden. Bis Oktober sollen die Sanierungsarbeiten dauern. Dann soll alles vollständig abgeschlossen sein und die Wege wieder gefahrlos nutzbar. Ein wichtiger Ort im Rahmen der Sanierung sind die sogenannten Sammelplätze.

So sind die Sammelplätze aufgebaut

Sanierung der Kehlsteinwege - So wird derzeit saniert

Am Obersalzberg gibt es insgesamt zwei Sammelplätze. Erkennbar sind diese an großen blickdichten Zäunen und Zutrittsschildern. Die Grundlage der Sammelflächen bilden Geoflies und Kies, um die notwendige Tragfestigkeit zu erhalten. Darüber kommt eine Asphaltschicht, damit keine Kontamination mit dem Boden stattfinden kann. Die Aspaltschicht ist doppellagig und hat in der Mitte eine leichte Senke. Die Außenwände bestehen aus Betonsteinen, die ausschauen wie überdimensional große Legosteine. Diese werden so aufgebaut, dass man in das Innere das abgetragene Material schütten kann, ohne dass etwas nach Außen dringt. Ein Zeltdach schützt vor Niederschlag.

Die Umschlagplätze sind eine Grundbedingung

"Die Umschlagplätze sind eine Grundbedingung für die Sanierung, da man auf den kontaminierten Wegen nur mit kleinen Fahrzeugen fahren kann. Diese sammeln das verunreinigte Material und bringen es hier hin. 

Von hier wird es in größere LKWs umgeladen und in die Deponie gebracht", so Dr. Daniel Müller, Forstbetriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten im Forstbetrieb Berchtesgaden, beim Ortstermin auf dem Sammelplatz in der Nähe der Scharitzkehl. Pro Tag transportieren rund 20 LKW das Material weg in die Deponie.

Rund 31.000 Tonnen abzutragendes Material

Sanierung der Kehlsteinwege - So wird derzeit saniert

Die Kehlsteinwege werden auf einer Länge von rund 13 Kilometern saniert. Aktuell wurde bereits eine Strecke von etwa 6km von dem teerhaltigen Material befreit. Laut Erhebungen und Berechnungen des Ingenieurbüros, rechnen die Verantwortlichen mit rund 31.000t Material, dass insgesamt abgetragen werden muss. Laut ursprünglicher Berechnung sollte das Material durchschnittlich 45m tief ausgebaut werden. "Aber aktuell zeigt sich, dass eine Tiefe von 20cm bis 25cm vermutlich auch ausreichen würde", erläutert Müller.

Und ergänzt: "Davon sind rund 12.000t so stark kontaminiert, dass die Belastung bei rund 10.000 Milligram PAK liegt. Bei dem restlichen Material wird von einer Belastung von 250 - 680 Milligramm PAK ausgegangen. 

Darum muss das Material getrennt werden

Ein wichtiger Arbeitsschritt bei der Sanierung ist auch die Trennung humushaltiger Materialien und unhumoser Materialien. "Ich dachte immer, das humushaltige Material  würde nur durch den kontaminierten Teer verunreinigt. Aber andersrum ist das genauso", so Daniel Müller. 

Und ergänzt: "Das liegt an dem Kohlenstoffgehalt. Wir Förster freuen uns immer über kohlenstoffhaltiges Material, denn Humus ist ein wertvoller Bodenbestandteil, er ist wichtig für die Baumernährung und den Hochwasserschutz. Für die Deponien, ist dieser Anteil aber sehr schlecht. Denn das Material wird ja als Füllstoff eingesetzt. Ist der Füllstoff mit Humus verunreinigt, dann sackt der irgendwann in sich zusammen. 

Das bedeutet, wenn wir nicht peinlichst darauf achten beide Materialien voneinander zu trennen, dann kann es sogar darauf hinaus laufen, dass uns die Deponie das Zeug überhaupt nicht annimmt."

Regelmäßige Proben

Während der Sanierung werden regelmäßig Proben entnommen, um die Belastungshöhe des krebserregenden PAK Wertes festzustellen. Diese nennt man Deklarationsanalysen. Die Messungen sind dafür da um zu wissen, wie umfangreich die Belastung rund um das teerhaltige Material ist

Die Schwarzstoffe selber, also das teerhaltige Material, müssen nicht mehr geprüft werden. "Da wissen wir sowieso, dass der Wert über dem Grenzwert liegt. Aber bei dem anderen Aushub gehen wir von einer Belastung von um die 500 Milligram PAK aus und diese Menge müssen wir vorher der Deponie mitteilen. Ansonsten nehmen die uns das Zeug nicht", erläutert der Forstbetriebsleiter.

Die Proben werden durch Sachverständige vom Landesamt für Umwelt durchgeführt und unterliegen den strengen Regeln des Bundesbodenschutzgesetzes. Fachleute vom Amt sind ständig hier vor Ort und überprüfen die Arbeiten.

Bildergalerie Sanierungsmaßnahmen auf den Kehlsteinwegen

Endstation auf der Deponie Außernzell

Ihren endgültigen Bestimmungsort hat das Material auf der Deponie Außernzell erreicht. Hier wird es aufgenommen, untersucht und dorthin verfüllt, wo Bedarf ist. Der genaue Verfüllort wird durch die Deponie festgehalten und kann jederzeit wieder lokalisiert werden. Dieser Nachweis ist gesetzlich vorgeschrieben.

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