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Zehnjähriges Jubiläum: Vom „Leuchtturm“ in der Bildungsregion

Altlandrat Grabner erinnert sich an Anfangszeiten des Schülerforschungszentrums BGL

Altlandrat Georg Grabner Schülerforschungszentrum Landkreis Berchtesgadener Land
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Altlandrat Georg Grabner freut sich über zehn Jahre Schülerforschungszentrum, bezeichnet es als „Leuchttutmprojekt” für den Landkreis. Hier bei einem Besuch in Berchtesgaden, im Sommer 2021.

Es sei ein langer, teils mühsamer Weg bis dahin gewesen, sagt Altlandrat Georg Grabner heute. Der ehemalige TU-Präsidenten Wolfgang Herrmann, mit dem Grabner seit vielen Jahren freundschaftlich verbunden ist, habe das Gemeinschaftsprojekt maßgeblich unterstützt. Auch zehn Jahre nach Eröffnung ist das Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land unter der wissenschaftlichen Leitung der Technischen Universität München bayernweit die einzige Einrichtung ihrer Art, in der Kinder und Jugendliche zu Themen aus dem naturwissenschaftlichen MINT-Bereich forschen.

Berchtesgaden – Georg Grabner hat inzwischen viel Zeit, seitdem er nicht mehr Landrat des Berchtesgadener Landes ist. Auch seinen Sitz im Kuratorium der TU München hat er mittlerweile abgegeben. Mit dem politischen Leben hat er seit über einem Jahr abgeschlossen. Schwer fiel es ihm nicht.

„Eine Tür geht zu, eine andere auf. Mir war seitdem noch keine Sekunde langweilig”, sagt er zufrieden. Wenn er sich an die Zeit, als er Chef des Landkreises war, erinnert, ist es unter anderem das Schülerforschungszentrum, das nachhaltig im Gedächtnis des 69-Jährigen bleibt. Es zählt zu den wichtigen Bausteinen dafür, dass der Landkreis zur Bildungsregion avancierte

Landkreis verwirklichte „Leuchtturmprojekt“

Das Berchtesgadener Land hatte mit dem Schülerforschungszentrum das von Grabner ausgerufene „Leuchtturmprojekt” schließlich verwirklicht, von dem viele keine Vorstellung hatten, was sich dahinter verbergen könnte. „Während meiner Amtszeit hatte ich es mir auf die Fahne geschrieben, meinen Fokus gezielt auf die Bildung zu legen”, sagt Grabner. Schulen und Bildungseinrichtungen – „dafür haben wir all die Jahre insgesamt am meisten Geld ausgegeben”.

Das Schülerforschungszentrum steht, neben all den anderen Bildungseinrichtungen des Landkreises, für sich allein. Eine vergleichbare Stätte gibt es im Freistaat nicht. „Eines Tages kam ein Mitarbeiter der TU München mit einem seiner Studenten aus Schönau am Königssee zu mir”, sagt Grabner. Der TU-Mitarbeiter war Dr. Andreas Kratzer, Naturwissenschaftler und auf Suche nach einem Standort für etwas ganz Neues, für eine mögliche Einrichtung, die es so noch nicht gegeben hat. „Natürlich war ich dafür offen”, sagt Grabner zustimmend.

Berchtesgadener Gymnasium ohnehin leer

Auch TU-Präsident Herrmann sei davon angetan gewesen. „Ich sagte spontan ja”, sagt Grabner. Er habe großes Potenzial in den sich bietenden Möglichkeiten erkannt. Zudem stand das ehemalige Gymnasium von Berchtesgaden sowieso leer, nachdem Lehrer und Schüler samt Belegschaft mittlerweile eine neue Heimstätte in einem Neubau gefunden hatten.

„Es gab für das Haus keine Nutzung.” Grabner habe deshalb Kontakt zum Berchtesgadener Bürgermeister aufgenommen. Gemeinsame Gespräche folgten. „Wir erkannten darin eine große Chance für die Region”, sagt Georg Grabner. Mit dem Ansinnen ging er in den Kreistag. Einstimmig fiel das Ergebnis aus. 

Gebäude kostenfrei zur Verfügung gestellt

Der Marktgemeinderat von Berchtesgaden gab grünes Licht, das Gebäude für das künftige Schülerforschungszentrum kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Zunächst musste das Gebäude aber saniert und umgestaltet werden, Umbaumaßnahmen folgten. „Das alles kostete sehr viel Geld. Wir wussten zudem nicht, wie und ob die Einrichtung angenommen wird”, erinnert sich Grabner.

Es wurden Leader-Gelder, ein Förderprogramm für die Entwicklung ländlicher Regionen in Bayern, beantragt. Auch die Berchtesgadener Landesstiftung finanzierte kräftig mit. Der Landkreis gründete daraufhin einen Trägerverein. „Es war unsere Überlegung, die heimische Wirtschaft, die Firmen des Landkreises, in das Schülerforschungszentrum von Anfang an mit einzubinden”, sagt Grabner. Tatsächlich fanden sich schnell regionale Firmen des Mittelstands, die nicht nur ihr Know-How, sondern auch finanzielle Mittel beisteuerten. 

Jugendliche von naturwissenschaftlichen Fächern zu begeistern und gleichzeitig Kontakte zur heimischen Wirtschaft zu knüpfen, so lautete das Ziel. In Zeiten des Fachkräftemangels bewährt sich das zugrunde liegende Konzept. 

Sechsstelliger Betrag in Einrichtung investiert

Der Trägerverein, der später zum Förderverein umgewandelt wurde, nachdem der Landkreis die Trägerschaft für das Schülerforschungszentrum übernommen hatte, hat inzwischen einen sechsstelligen Betrag in die Einrichtung investiert. „Wie sich der Förderverein engagiert, ist wirklich großartig”, sagt Grabner.

Das Schülerforschungszentrum wurde beispielsweise mit technischem Gerät wie 3D-Druckern und Lasercuttern ausgestattet, damit die jungen Besucher aus dem südostbayerischen Raum selbst gestaltete Roboter bauen, Bewegungsmaschinen konstruieren und einer Vielzahl weiterer MINT-Projekten nachgehen können. 

TU stellte gleich zu Beginn Personal

Altlandrat Georg Grabner erinnert sich, dass der ehemalige TU-Präsident große Sympathie für die Idee hinter der Einrichtung zeigte, „er förderte die Realisierung nicht nur mit finanziellen Mitteln”. Die TU stellte gleich zu Beginn Personal. Grabner verhandelte zudem mit dem Kultusministerium und dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst: „Wir brauchten ja Mitarbeiter, damit der Start überhaupt gelingt”, sagt der 69-Jährige.

Die Verhandlungen seien teils „mühsam” gewesen. Aber das ausgearbeitete Konzept überzeugte, trotz der Tatsache, dass sich alle Beteiligten auf „völlig neuem Gebiet” bewegten – keiner wusste, ob das Ansinnen überhaupt gelingen würde.

Horst Seehofer eröffnete Schülerforschungszentrum

„Bildung ist das wichtigste, was man jungen Menschen für das Leben mitgeben kann”, sagt Grabner, während er auf die vergangenen zehn Jahre blickt, seitdem das Schülerforschungszentrum nun existiert. „Wer eine gute Ausbildung hat, wird nicht so schnell arbeitslos, kann sich im Leben verwirklichen.” 

Zur Eröffnung lud Grabner den damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer ein. Er sagte zu, eröffnete das herausgeputzte Haus unter Anwesenheit namhafter Vertreter aus Politik und Wissenschaft. „Am Ende ist das Schülerforschungszentrum genau das geworden, was ich mir vorgestellt habe.” 

Workshops, Akademien und Technikclubs

Schulen aus nah und fern nutzen das Angebot dort. Tausende Schüler arbeiten Jahr für Jahr an Projekten, nehmen an Workshops, Akademien und Technikclubs in der hauseigenen Werkstatt teil. Es gibt ein reichhaltiges Ferienprogramm für Teilnehmer aller Schularten. Regelmäßig laden die Verantwortlichen zu Wissenschaftsgesprächen mit hochrangigen Referenten ein.

Im vergangenen Schuljahr 2020/21 kamen, trotz massiver Einschränkungen wegen Corona, 2718 Besucher, so Geschäftsführer Christoph Geistlinger. Mittlerweile gibt es sechs Mitarbeiter in Teilzeit, mehrere unterrichtende Lehrer. Ab 2022 entsendet die TU München vier wissenschaftliche Mitarbeiter nach Berchtesgaden. Das inhaltliche Angebot soll deutlich ausgebaut werden, die TU wolle das Schülerforschungszentrum in Zukunft verstärkt unterstützen, weiß Altlandrat Grabner. 

Der Coup von einst hat dazu geführt, dass die TU München an Berchtesgaden als Standort Gefallen gefunden hat. Im Juli 2019 wurde eine weitere universitäre Einrichtung am Roßfeld eröffnet, die Forschungsstation Friedrich N. Schwarz, deren Bau durch den ehemaligen TU-Präsidenten Wolfgang Herrmann initiiert worden war. Dort wollen die TUM-Verantwortlichen das Ökosystem des Alpenraums erforschen lassen und neue Formen des naturwissenschaftlichen Schulunterrichts erproben.

Für Georg Grabner eine gelungene Sache: Berchtesgaden sei in mehrfacher Hinsicht zur Außenstelle der TU München geworden.

kp

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