Neugierige behindern und gefährden Rettungskräfte

Tragischer Bergunfall am Watzmann: Kletterer (33) stürzt in den Tod

Bergwachteinsatz am Watzmann
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Bergwachteinsatz am Watzmann

Berchtesgaden - Am Mittwoch, gegen 7.45 Uhr, stürzte ein Alleingeher aus dem Berchtesgadener Land, der auf der Watzmannüberschreitung unterwegs war, im Bereich der Watzmann-Mittelspitze in Richtung Ostwand ab.

UPDATE, 17.10 Uhr: Einsatzbericht des BRK


Am Mittwochmorgen gegen 7.45 Uhr ist ein 33-jähriger Alleingeher aus dem Berchtesgadener Land bei der Watzmann-Überschreitung im Bereich der Mittelspitze vom Grat aus in Richtung der Wiederroute (kleine Ostwand) rund 100 Meter tief tödlich abgestürzt. Ein Duo hatte den Absturz auf der Überschreitung beobachtet und gegen 8 Uhr als Notruf bei der Leitstelle Traunstein gemeldet. Ab 11.45 Uhr waren die Bergwacht, die BRK-Wasserwacht und die beiden Hubschrauber-Besatzungen teilweise durchgehend bei insgesamt fünf zum Teil sehr schweren Folge-Einsätzen am Söldenköpfl im südlichen Lattengebirge, am Königsbach-Wasserfall am Königssee-Ostufer, am Wappachkopf im nordöstlichen Lattengebirge und in Sankt Bartholomä am Königssee gefordert.

Berchtesgadener stürzt am Watzmann 100 Meter in den Tod

Berchtesgadener stürzt am Watzmann in den Tod
Berchtesgadener stürzt am Watzmann in den Tod © BRK Kreisverband Berchtesgaden
Berchtesgadener stürzt am Watzmann in den Tod
Berchtesgadener stürzt am Watzmann in den Tod © BRK Kreisverband Berchtesgaden
Berchtesgadener stürzt am Watzmann in den Tod
Berchtesgadener stürzt am Watzmann in den Tod © BRK Kreisverband Berchtesgaden
Berchtesgadener stürzt am Watzmann in den Tod
Berchtesgadener stürzt am Watzmann in den Tod © BRK Kreisverband Berchtesgaden

Der Bergsteiger dürfte auf der Watzmann-Überschreitung vom Hocheck zur Südspitze unmittelbar nach dem höchsten Punkt an der Mittelspitze (2.713 Höhenmeter) den Halt verloren haben, abgerutscht und dann in einer Rinne 100 Höhenmeter tief in Richtung Wiederroute (kleine Ostwand) abgestürzt sein, wobei er sofort tödliche Verletzungen erlitt. Zwei Zeugen, die ebenfalls auf der Überschreitung an der Mittelspitze unterwegs waren, hörten und sahen in Teilen den Absturz und setzten einen Notruf ab.

Die Besatzungen des Traunsteiner Rettungshubschraubers „Christoph 14“ und des nachgeforderten Münchner Polizeihubschraubers „Edelweiß 4“ brachten mehrere Bergretter, darunter auch den Berchtesgadener Bergwacht-Notarzt in die Nähe der Unfallstelle und flogen die beiden unverletzten Bergsteiger, die unter Schock standen, vom Zwischenlandeplatz an der Skischarte mit dem Rettungstau nach Kühroint aus, wo bereits der Kriseninterventionsdienst (KID) der Bergwacht wartete und die weitere psychische Betreuung übernahm.

„Christoph 14“ flog die Einsatzkräfte zunächst ins Watzmannkar, da sie nicht direkt an der Unfallstelle abgesetzt werden konnten. Der Heli setzte dann oberhalb der Unfallstelle einen Bergretter ab, der mit einer Bohrmaschine einen sicheren Standplatz aufbaute; erst danach konnten weitere Einsatzkräfte dort abgesetzt werden und sich dem Patienten seilgesichert nähern. Kurz nach 10 Uhr traf der Bergwacht-Notarzt beim 33-Jährigen ein, konnte aber nur noch den Tod feststellen.

Gefahr durch Steinschlag 

Die Einsatzkräfte am Unfallort hatten wie bereits bei ähnlichen Einsätzen zuvor wieder das Problem, dass durch die vielen Bergsteiger auf der beliebten und stark frequentierten Überschreitung oberhalb des Patienten laufend Steinschlag drohte. „Edelweiß 4“ wies die Bergsteiger per Außenlautsprecher an, den Bereich zu verlassen und setzte einen Polizeibergführer ab, der den Bereich am Grat oberhalb der Rinne absperrte und überwachte. 

Laut Polizei waren die Leute neugierig und zu nah an der Rinne, was den Einsatz unnötig schwierig und gefährlich gestaltete. Sie hielten sich zu dicht am Einsatzort auf, so dass der Bergretter, der am Tau im Anflug war, in Gefahr geriet, durch Pendelbewegungen Unbeteiligte vom Grat zu stoßen. Die Lautsprecherdurchsagen hielten die Leute nicht davon ab, bis an den Rand der Rinne oberhalb der Einsatzstelle zu gehen.

Versorgungsflüge unterbrochen 

Während des Einsatzes fanden Versorgungsflüge eines privaten Hubschrauber-Unternehmens für zunächst das Reichenhaller Haus am Hochstaufen, dann das Kärlingerhaus am Funtensee und schließlich das Watzmannhaus statt, wobei die Bergwacht den Piloten am Landeplatz anweisen musste, die Flüge zum Watzmannhaus für die Dauer des Einsatzes bis 13 Uhr auszusetzen.

Ein Polizeibeamter der Alpinen Einsatzgruppe (AEG) nahm den genauen Hergang des tödlichen Bergunfalls auf. Die Bergwacht bereitete den Abgestürzten für den Abtransport vor, wobei ihn die Besatzung von „Edelweiß 4“ gegen 12 Uhr per Winde aufnahm und nach Ramsau flog. „Edelweiß 4“ brachte die restlichen Einsatzkräfte danach ins Tal zurück. Die Bergwacht Berchtesgaden musste die Hubschrauber mit ihrem Kerosinanhänger wieder auftanken. Der Einsatz dauerte bis 13 Uhr.

Folgeeinsatz: Frau mit schwerer Schulterverletzung am Söldenköpfl 

Gegen 11.45 Uhr musste eine Mannschaft der Bergwacht Berchtesgaden von Kühroint aus mit dem Rettungsfahrzeug zu einem Folgeeinsatz am Söldenköpfl im südlichen Lattengebirge ausrücken, wo sich eine 64-jährige Wanderin bei einem Sturz sehr schwer an der Schulter verletzt hatte. Die Einsatzkräfte versorgten die Frau notärztlich und flogen sie dann liegend per Rettungstau mit „Christoph 14“ aus der Bergwaldlichtung auf eine Wiese an der Kederbacherstraße aus. Die Heli-Besatzung flog die Frau dann zur Klinik.

Pressemitteilung BRK Kreisverband Berchtesgaden

UPDATE, 16.05 Uhr: Pressemeldung der Polizei

Der 33-jährige aus dem Berchtesgadener Land, dürfte nach dem Erreichen der Watzmann-Mittelspitze 2.713 Höhenmeter, unmittelbar danach beim Weitergehen den Halt verloren haben, bzw. abgerutscht sein und ist dann in einer Rinne 100 Meter tief abgestürzt. Bei dem Absturz verletzte er sich sofort tödlich. Zwei Zeugen, die unmittelbar in dem Bereich unterwegs waren, hörten und sahen in Teilen den Absturz und setzten einen Notruf ab.

Bergretter und ein Notarzt der Bergwacht Berchtesgaden wurden mit dem Rettungshubschrauber Christoph 14 zunächst in das Watzmannkar geflogen. Ein direktes Anlanden an der Unglücksstelle war ohne Sicherung nicht möglich. Ein Bergwachtmann wurde zunächst oberhalb der Unfallstelle abgesetzt und baute mit einer Bohrmaschine einen sicheren Standplatz auf. Erst daraufhin wurden die weiteren Kräfte dorthin geflogen. Der Notarzt konnte nur noch den Tod der Person feststellen. Ein Polizeibergführer wurde für die Unfallaufnahme und die Bergung der Leiche mit einem Polizeihubschrauber ebenfalls an die Einsatzstelle geflogen. Die Annäherung an den Abgestürzten und die Bergung war nur durch Seilsicherung möglich.

Neugierige behindern den Einsatz und gefährden Rettungskräfte

Die beiden Zeugen, die unter Schock standen, wurden mit dem Rettungshubschrauber Christoph 14 vom Watzmanngrat abtransportiert. Dabei machten dann die weiteren Berggeher, die ebenfalls die Überschreitung gingen, durch ihre Neugierde die Bergung unnötig schwierig und gefährlich. Sie hielten sich zu dicht an der zu bergenden Person auf, so dass der Bergwachtmann, der am Tau im Anflug war, in Gefahr geriet, durch Pendelbewegungen Unbeteiligte vom Grad zu stoßen. Die Zeugen wurden durch das KIT zunächst betreut.

Im Verlauf der weiteren Bergung musste dann ein weiterer Alpinbeamter der Polizei den Grat unmittelbar oberhalb der Einsatzstelle sperren, da die weiteren Berggeher immer wieder Steine lostraten und somit die Einsatzkräfte gefährdeten. Lautsprecherdurchsagen durch die Hubschrauberbesatzung konnte die Leute nicht davon abhalten, vor lauter Neugier bis an den Rand der Rinne oberhalb der Einsatzstelle zu gehen.

Neben der Polizei, den Hubschraubern Christoph 14, Edelweiss 4, der Bergwacht Berchtesgaden, war noch der Tankanhänger der Bergwacht und das Kriseninterventionsteam der Bergwacht im Einsatz.

Pressemeldung Polizeiinspektion Berchtesgaden

UPDATE, 15.10 Uhr: Abgestürzter verstorben

Ein Sprecher der Polizeiinspektion Berchtesgaden äußerte auf Anfrage von BGLand24.de, dass der Abgestürzte leider seinen Verletzungen erlegen ist.

Weitere Informationen folgen in einer abschließenden Pressemeldung der Polizei.

Erstmeldung:

Am Morgen wurden die Einsatzkräfte der Bergwacht zu einem besonders gravierenden Notfall am Watzmann gerufen worden. Die Bergungsarbeiten laufen.

Am Mittwochmorgen wurde über Notruf der Absturz einer Person zwischen Mittelspitze und Südspitze des Watzmann in Richtung Ostwand über 50 bis 100 Meter gemeldet. 

Derzeit sind die Rettungsmaßnahmen in vollem Gange. Dazu sind zwei Hubschrauber sowie Bergwachten der Bereitschaften Berchtesgaden und Ramsau im Einsatz.

Pressemeldung der Polizeiinspektion Berchtesgaden

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