Casting in der Brautnacht

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Der 13-jährige Franz Punz möchte unbedingt beim Bauerntheater mitspielen. Talent hat er, wie ihm attestiert wird. Momentan befindet er sich im Stimmbruch.

Berchtesgaden - Beim Bauerntheater ist man auf der Suche nach neuen Talenten. Eines davon wäre der 13-Jährige Franz Punz. Sein größtes Problem: Er ist im Stimmbruch.

Franz Punz probt, was das Zeug hält. Noch steht der 13-Jährige alleine auf der Bühne. Nicht zum ersten Mal. In der Schule war er schon öfter in Musicals und Theateraufführungen mit dabei. Auf der Bühne des Bauerntheaters in Berchtesgaden hat er heute aber seine Premiere. Noch ohne Publikum. Bei einem Casting der etwas anderen Art. In den Händen hält er ein Textheft – „Die lustige Brautnacht.“ Elisabeth Hölzl-Michalsky, Bauerntheater-Frontfrau und seit 45 Jahren auf der Bühne, sagt, Franz Punz habe durchaus Potential. „Nur der Stimmbruch…“

„Bauerntheater – das ist genau mein Ding“ – das sagt Franz Punz, der groß gewachsene, junge Mann, der älter aussieht als er ist. Rundes Gesicht, Brille, sympathisches, offenes Auftreten. Und die Leidenschaft am Theaterspiel. „Ich möchte hier unbedingt auf der Bühne stehen“, sagt der Schüler, der die Mittelschule in Berchtesgaden besucht. Dort hat er schon mehrfach an Theateraufführungen mitgewirkt. „Einmal hatte ich eine Hauptrolle“, erzählt Punz, ein wenig stolz. Derzeit befindet er sich mitten im Stimmbruch. Sein Sprechorgan entscheidet gerade darüber, in welche Richtung es mit der Stimme gehen wird. Optimal sei das nicht, um ihm eine Rolle zuzuordnen. „Aber das wird schon“, sagt Elisabeth Hölzl-Michalsky, die Bauerntheater-Leiterin, die Punz durchaus Talent attestiert. Wenn dieser so dasitzt, mit seinem Textheft, das erste Mal ansetzt und die ihm für das Casting zugewiesene Rolle vorspricht, ist er ganz in seinem Element. Ein eingängiger, für das Bauerntheater typischer Stoff soll vorgesprochen werden: „Die lustige Brautnacht.“ Dort ist es die Rosel, die Tochter des Brandnerbauern, die ihren Eltern immer wieder große Sorgen bereitet, da sie nie den richtigen Auserwählten findet. Veri, der Nachbarssohn, hat aber schon lange ein Auge auf die Rosel geworfen. Komische Verwicklungen und Verwirrungen stehen auf der Tagesordnung.

Talentsuche für's Bauerntheater

Franz Punz hat sich freiwillig beim Bauerntheater gemeldet. Dessen Chefin ist immer auf der Suche nach neuen Talenten. 20 Mitspieler schart sie um sich, doch diese werden auch nicht jünger. 110 Jahre lang gibt es das Bauerntheater und heutzutage müsse man sich gegenüber vielen konkurrierenden Freizeit-Angeboten beweisen, sagt Hölzl-Michalsky. Selbst spielt sie fast ein halbes Jahrhundert lang, sie weiß um die Entwicklung ihres Metiers Bescheid. Darüber, dass man in früheren Zeiten mitunter Nachmittagsvorstellungen ohne weiteres vollbekam. Der „Run“ auf das „nostalgische“ Theater, wie Hölzl-Michalsky das Bauerntheater nennt, sei jedoch vorbei.

Aber natürlich gibt es noch allgemeines Interesse. Interesse von Einheimischen, aber vor allem von Gästen und Besuchern aus dem benachbarten Hallein oder Salzburg, die regelmäßig nach Berchtesgaden kommen, um eine der etwa 200 Vorstellungen pro Jahr zu besuchen. Auch Franz Punz war schon mehrfach im Bauerntheater, um sich dort ein Stück anzuschauen. „Ein bisschen Erfahrung habe ich“, sagt er, immerzu lächelnd. Im Theaterspiel, aber auch hinter der Kamera. Er hat „Dahoam is dahoam“, eine Fernsehsendung im Bayerischen Fernsehen, nachgedreht. Das Ergebnis hat er dann den Produzenten auf Video geschickt, er wurde umgehend eingeladen und durfte ein dreitägiges Praktikum absolvieren. Sogar ein kurzer Fernsehbeitrag ist über ihn gedreht worden. Jetzt, nachdem es „hinter der Kamera“ mit seinem Filmbeitrag schon so gut geklappt hatte, war klar: Da geht noch was.

Deshalb steht Franz Punz nun im Bauerntheater, vor leeren Rängen und spricht immer und immer wieder seinen Text. „Auf die Betonung achten“, sagt Elisabeth Hölzl-Michalsky, der Profi. Wenn sie spricht, wird der Raum lebendig. In Hunderte Rollen ist sie in ihrer Laufbahn geschlüpft, hat vor Abertausenden Menschen gelacht, geweint, unterschiedlichste Rollen in sich vereint.

„Punkt eins: Laut vorlesen“, sagt sie in Richtung des 13-jährigen Anwärters, der Verstärkung bekommen hat. Tatiana Pongratz hat sich auch bei Hölzl-Michalsky vorstellig gemacht. Sie möchte auch auf die Bühne, spielen, Erfahrung bringt sie mit sich. Währenddessen ist Franz Punk ganz in seinem Element. Er hat eine deutliche Körpersprache. „Das musst Du schnell wieder vergessen. Das schaut sonst zappelig aus“, weiß die Bauerntheater-Leiterin Bescheid. Weniger Körpersprache, mehr Sprachbetonung, so ihr Ratschlag. Der Jungspund ist einsichtig, nimmt die Anregung gerne entgegen.

„Ich lerne meine Textrollen immer im Bett“, erzählt er. „Da habe ich die meiste Ruhe.“ Einmal, damals, habe er die Hauptrolle in einem 60-Minuten-Musical innegehabt. Viel zu lernen sei das gewesen. Der Text müsse sitzen, wenn es an das Proben geht, rät Elisabeth Hölzl-Michalsky. Das sei die Voraussetzung. Denn maximal zehn Mal werde geprobt, ehe ein Stück zur Aufführung kommt. „Das muss reichen“, sagt die erfahrene Darstellerin dann. Es genüge nicht allein, nur auswendig zu lernen. „Die Rolle muss in Fleisch und Blut übergehen.“ Franz Punz hat noch ein bisschen Zeit, bis es soweit ist. Ein paar Mal wird er erneut vorsprechen müssen, dann wird entschieden, wie es um ihn und seine Zukunft im Bauerntheater bestellt ist. Außerdem: Der Stimmbruch muss noch überwunden werden. Aber das ist bekanntlich nur eine Frage der Zeit.

kp

Zurück zur Übersicht: Berchtesgaden

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser