Das Automobil der Zukunft

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Das Auto der Zukunft: Dr. Herbert Rausch von der TU München klärte im Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land auf.

Berchtesgaden - Dr. Herbert Rausch, Wissenschaftler am Lehrstuhl für Ergonomie, klärte im Schülerforschungszentrum Berchtesgadener über das Auto der Zukunft auf.

Mit den großen Herstellern der Fahrzeugbranche ist Rausch bestens bekannt. Als Wissenschaftler am Lehrstuhl für Ergonomie befasst er sich mit der Problematik, Fahrzeuge optimal an den Menschen anzupassen. „Die Mobilität ist ein hohes Gut“, sagt er. Und verrät beim Premierenvortrag des „Forscher-Cafés“ im Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land, was Hersteller wie Audi und BMW derzeit planen.

„Wir verdienen gutes Geld“, sagt Rausch, der Wissenschaftler. Was mitunter daran liegen mag, dass die Automobilbranche viel investiert. Um das Autofahren noch einfacher zu machen. Ziel der Entwicklung: Nicht mehr der Fahrer ist Herr über seine vier Räder, sondern das Auto fährt beinahe selbst. Zumindest bekommt man als Zuhörer eine Vorahnung dessen, was in der fernen Zukunft auf Autofahrer noch zukommt. „Vieles, an dem wir arbeiten, wird erst in 20 Jahren im Auto zu finden sein“, sagt Rausch. Ein Forschungsgebiet etwa ist das des virtuellen Menschmodells. „Wir versuchen, Bewegungen des Menschen vorherzusagen“, sagt der Wissenschaftler. 

Die skurrilsten Ideen skizziert er. Alles aber Dinge, die es im „Labor“ bereits gibt. Bis es zu einer Umsetzung kommt, wird noch viel Zeit vergehen. Spannend: Etwa ein Auto, das bereits beim Sich-Nähern des Fahrers erkennt, um wen es sich handelt. Der Mensch wird gleichzeitig anhand seiner Maße via Außenspiegel vermessen, je nachdem wird der optimale Sitzkomfort hergestellt, das Einsteigen durch diverse technische Aspekte erleichtert. Eine automatische Sitzdruckverteilung – je nach Gewicht des Fahrers – garantiert, dass selbst lange Autofahrten ohne Rückenschmerzen enden. Hinzu kommt: Der Mensch möchte sich möglichst wenig anstrengen. „Warum sind denn Geländewagen so beliebt“, so Rauschs Frage an das Publikum. Die Antwort folgt prompt aus seinem Mund: „Weil man bequem einsteigen kann.“ Mit reinen PS-Zahlen könnten die Fahrzeugbauer schon lange nicht mehr Käufer locken.

Was zählt, sei Komfort, so Rausch. Aus dem Nähkästchen geplaudert, erfahren die Zuhörer, was es bedeutet, ein Fahrzeug auf den Fahrer zuzuschneiden. Informationen, die vor dem Auge des Fahrers in einem Head-Up-Display erscheinen, erzielen etwa dann das beste Ergebnis, wenn das Display nicht senkrecht, sondern waagerecht projiziert wird. „Dann können auch Distanzen besser abgebildet werden.“ Wichtig sei dies etwa dann, wenn das Auto per Infrarot Wildtiere ausmacht. Der Fahrer kann abschätzen, wann es brenzlig wird. „Das ist Ergonomie“, sagt Rausch und meint damit die Tatsache, dass der Fahrzeuglenker sofort darüber Bescheid weiß, was im nächsten Moment passiert. Auch in Sachen Fahrzeug-Bedienung gibt es momentan Absichten, Veränderungen anzustreben. „Unsere Bedienelemente von heute sind die gleichen wie vor 100 Jahren“, sagt Rausch. Und meint, dass bessere Lösungen existierten. Joystick-Lösungen mit direkten Rückmeldungen auf den Fahrer. „Nach fünf Minuten Probefahrt kommt damit jeder zurecht“, weiß er.

Im Fall des Ausbrechens stabilisiert die Physik das Fahrzeug. Rausch erklärt, dass bereits vor 15 Jahren Testwägen mit Stick-Steuerung gefahren waren. Millionenschwere Prototypen. Wegen kleinerer Mängel wurde die Forschung dann wieder eingestellt. Der damaligen Technik habe man das noch nicht zugetraut. Große Investitionssummen seien in den vergangenen Jahren in die aktive Sicherheit geflossen. Ob Bremsassistent, Spurführung, Tempo-Limit-Anzeige, Nachtsicht oder „City Assist“. Der Autokauf der Zukunft werde als Lebensgefühl verstanden. Nicht mehr Motorleistung und Fahrzeugform – das seien die Entscheidungskriterien von gestern. Sondern Komfort, Geruch, Innenraumgeräusche, Nachtsichtdesign entscheiden heute und in Zukunft über den Kauf, sagt Rausch. Spezielle Fahrzeuge, die in der Vergangenheit für bestimmte Zielgruppen konzipiert wurden, hätten sich nicht bewährt. „Die A-Klasse galt als ein Auto für Senioren.“ Mit insgesamt bescheidenem Erfolg. „Käufer von morgen wollen Erlebnisse“, sagt der TU-Forscher.

Der Trend: Die Anzahl der Funktionen schießt nach oben. Eine Zuhörerin fragt, ob es denn das Ziel sein könne, dass man als Fahrer in ferner Zukunft nur noch bloßer Mitfahrer wäre, kaum mehr Kontrolle darüber habe, was das eigene Fahrzeug macht. Immerhin wolle man doch Spaß am Fahren haben. Spaß, der dann auf der Strecke bleiben könnte.

kp

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