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Gebirgsjäger auf Fortbildung

Auf den Spuren der Soldaten im Ersten Weltkrieg - Weiterbildung der Gebirgsjägerbrigade 23

Auf den Spuren der Soldaten im ersten Weltkrieg - Weiterbildung der Gebirgsjägerbrigade 23
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Auf den Spuren der Soldaten im ersten Weltkrieg - Weiterbildung der Gebirgsjägerbrigade 23

Lagefeststellung, Entschluss und Attacke - Die Gebirgsjägerbrigade 23 macht eine militärhistorische Weiterbildung am Isonzo und beschäftigt sich mit dem Verlaufs der 12. Isonzoschlacht im 1. Weltkrieg.

Pressemitteilung im Wortlaut:

Julische Alpen - Der Kampf im schwierigen Gelände ist das bestimmende Merkmal der Gebirgsjägerbrigade 23. Welche Herausforderungen des Gebirgskampf nicht nur für den einzelnen Soldaten, sondern auch für das Führungsverhalten vom Kompaniechef bis zum Brigadekommandeur impliziert, wurde bei einer taktischen Weiterbildung in Form eine militärhistorischen Geländebesprechung anhand des Verlaufs der 12. Isonzoschlacht im 1. Weltkrieg sehr eindrücklich verdeutlicht.

Unter dem Motto des jungen Oberleutnants Erwin Rommel „geführt wird von vorn“, begaben sich die Offiziere der Gebirgsjägerbrigade 23, darunter auch studierende Offiziere der Universität der Bundeswehr Hamburg sowie österreichische Kameraden, auf die Spuren der 14. deutschen und österreichisch-ungarischen Armee.

Auf den Spuren der Soldaten im ersten Weltkrieg - Weiterbildung der Gebirgsjägerbrigade 23

Hintergrund „Isonzoschlacht“

Die Isonzoschlachten, welche im heutigen Slowenien entlang des Flusses Soca (deutsch: Isonzo) stattfanden, gehören mit über einer Million vermissten, verwundeten und getöteten Soldaten zu den blutigsten Kämpfen im 1. Weltkrieg. Zwischen 1915 und 1917 gab es insgesamt zwölf große Kampfhandlunge zwischen dem verfeindeten Königreich Italien und den verbündeten Mächten Österreich-Ungarn und dem Deutschen Kaiserreich.

In den ersten 11 Isonzoschlachten konnte Italien mit seinen Offensiven die Habsburger Monarchie zurückdrängen. Das operative Ziel des italienischen Königreiches war unter dem Leitgedanken „mare nostrum“ die damalige österreichisch-ungarische Stadt Triest.

Da die deutsche Oberste Heeresleitung ein Zusammenbrechen der Front befürchtete, stellte sie sieben Divisionen mit gebirgsbeweglichen Verbänden zur Verfügung. Diese deutschen Verbände wurden mit fünf österreichisch-ungarischen Verbänden zur 14. Armee zusammengefasst.

Auf den Spuren der Soldaten im ersten Weltkrieg - Weiterbildung der Gebirgsjägerbrigade 23

Ihr gelang es in der 12. Schlacht im Oktober 1917 zwischen den heutigen Städten Bovec und Tolmin zum Gegenangriff auszuholen und die Italiener zurückzudrängen. Wie die Mittelmächte es schafften die Italiener in diesem gebirgigen Gelände vernichtend zu schlagen, welche logistischen, sanitätsdienstlichen und taktischen Voraussetzung geschaffen werden mussten, beschrieb diese fünftägige militärhistorischen Geländebesprechung dem Führerkorps der Gebirgsjägerbrigade 23. Die Hygieneauflage „drei G“ – getestet, geimpft, genesen – war für diese Weiterbildung obligatorisch.

Der Aufmarsch und seine Tücken

Die Weiterbildung begann im österreichischen Arnoldstein. Durch Oberst a. D. (außer Dienst) Manfred Benkel, welcher diese Weiterbildung als Fachreferent inhaltlich vorbereitete und durchführte, konnten alle Teilnehmer im Rahmen eines Vortrages in die Ausgangssituation von 1915 versetzt werden:

Warum hatte Italien, welches eigentlich mit dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn im Dreibund verbündet war, am 23.05.1915 an der Seite der „Triple Entente“ den Mittelmächten den Krieg erklärt und somit die blutigen Gebirgskriege in den Dolomiten und am Isonzo ausgelöst?

Auf den Spuren der Soldaten im ersten Weltkrieg - Weiterbildung der Gebirgsjägerbrigade 23

Bevor die 14. Armee unter Führung von General Otto von Below angreifen konnte, mussten sieben Deutsche Divisionen mit etwa 12.000 Soldaten pro Division innerhalb von 14 Tagen „in Stellung gebracht“, werden. Welche Kraftanstrengung nicht nur der einzelne Soldat mit etwa 35 Kilogramm Gepäck zu tragen, sondern auch die militärische Führung bei der Planung zu bewältigen hatte, zeigte Oberst a.D Benkel während der Fahrt ins slowenische Bovec anhand einer der vier Aufmarschstraße an verschiedenen Geländepunkten.

Allein der Anmarschweg der Soldaten von Villach über den Predil Pass in Richtung Bovec hielt allerlei Tücken bereit: „1917 war die Straße wesentlich kurvenreicher und ließ nur einspurigen Verkehr bei wenigen Ausweichstellen zu. In Konsequenz hieß das: den Aufmarsch behindernde Fahrzeuge mussten regelmäßig von der Straße in den Abgrund geschoben werden und waren damit verloren“, erklärt Oberst a.D. Benkel am Geländepunkt „Predil See“ den Teilnehmenden. Zudem konnten die Italiener vom gegenüberliegenden überhöhten Sella Nevea die Aufmarschbewegungen hinauf zum Passo Predil mit Schiffsgeschütze bekämpfen, sodass der Anmarsch nur bei Nacht möglich war.

„Krieg ist nicht nur Heldentum“

Auch ein Soldatenfriedhof für österreich-ungarische und bosnische Soldaten, welche bei den Kämpfen um den Berg Rombon und im „Flitscher Becken“ gefallen sind, besichtigten die Gebirgssoldaten. „Der Krieg ist nicht nur Heldentum. Er bedeutet auch Tod und dieser Verantwortung müssen sich Offiziere bewusst sein“, resümierte Benkel an diesem christlich-muslimischen Friedhof.

Der Berg Rombon war in diesem Krieg ein wesentliches Schlüsselgelände. Ganz nach dem taktischen Grundsatzwer die Höhen hat, hat die Täler“ haben die k.u.k. (kaiserlich-königlich) -Truppen diesen Berg vehement verteidigt, um ein Durchstoßen der Italiener zu verhindern.

Zur Versorgung der dort eingesetzten Truppen baute die österreichisch-ungarische Armee sogar eine Seilbahn. Die Soldaten waren Sommer, wie Winter an diesem Berg eingesetzt und hatten somit nicht nur gegen den Feind, sondern auch gegen die Natur – Steinschlag, Lawinen und Kälte - unter Einsatz ihres Lebens zu kämpfen. Unter diesen extremen klimatischen Bedingungen dem Feind über Jahre in Stellungskriegen gegenüberzustehen, hebt die ungeheure Leidensfähigkeit der Gebirgssoldaten eindrucksvoll heraus.

Auf den Spuren der Soldaten im ersten Weltkrieg - Weiterbildung der Gebirgsjägerbrigade 23

Die Absicht des Brigadekommandeurs

Am Abend begrüßte auch der Brigadekommandeur, Brigadegeneral Maik Keller, die Teilnehmer der militärhistorischen Weiterbildung: „Mir kommt es besonders darauf an, die taktischen Gegebenheiten aus der Karte ins reale Gelände zu projizieren und dabei Schlussfolgerungen für das heutige Handeln zu ziehen.

Zum zweiten sollen Sie während der militärhistorischen Weiterbildung, die im Kern den Gebirgskampf betrifft, Erfahrungen sammeln. Und zum Dritten ist es nicht Verboten auf dieser Veranstaltung auch einfach mal Spaß zu haben“, so der Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23.

Karte, Kompass und die taktische Großlage

Am zweiten Tag konnten sich die Teilnehmer beginnend vom Tal in Bovec an verschiedenen Geländepunkten einen Überblick über den Frontverlauf der 12. Isonzoschlacht verschaffen, welcher sich bis an die Adria zog. Mittels Karte und Kompass orientierten sich die militärischen Führer an jedem einzelnen Geländepunkt und wiesen anschließend das Publikum anhand eines vorgegeben Schemas in die geographischen Gegebenheiten ein.

Danach wurde die taktische Großlage der 12. Isonzoschlacht in das Gelände gelegt und taktische Grundsätze besprochen: „Anhand dieser Bilder im realen Gelände, sollen die Teilnehmer ein Gefühl dafür entwickeln, was es bedeutet im schwierigen Gelände Angriffsoperationen durchzuführen“, erklärte Oberstleutnant Michael Hermann, Projektoffizier dieser Veranstaltung.

Die Schlacht

Die Hintergrundinformationen lieferte Oberst a.D. Benkel: „Die Italienische Führung erwartete, dass ein Angriff, im flachen südlichen Teil zwischen Görz und Mittelmeer erfolgen würde. Das unwegsame Gelände, die massiven Taleinschnitte und Felswände gespickt mit italienischen Artillerie- und Maschinengewehrstellungen schienen aus italienischer Sicht einen Gegenangriff wenig wahrscheinlich zu machen“, so der Fachreferent.

Am 23. Oktober 1917 um 2 Uhr früh begann der Gegenangriff der 14. Armee. Giftgaseinsatz, Zerstörfeuer aus schwerster und schwerer Artillerie, abgefeuert aus deutschen und österreichisch- ungarischen Artilleriestellungen, machten die ersten italienischen Stellungstruppen und Reserven kampfunfähig.

Die schlechten oder nicht vorhandenen Gasmasken lieferten die Italiener den eingesetzten Kampfstoffen hilflos aus. Die Mittelmächte überrannten die italienische Verteidigung. Den Angriffsschwung ausnutzend, kämpften sie sich im Zangenangriff von den Gebirgsstöcken diesseits des Isonzos über die Soca in die Gebirgsstöcke jenseits des Tals.

In fünf Tagen erreichte die 14. Armee Udine und konnten die italienische Armee bis zum 9. November 1917 in die venezianische Tiefebene hinter den Fluss Piave zurückdrängen. Bereits in der 11. Isonzoschlacht setzte die italienische Armee vermehrt Gas ein, um die k.u.k.-Armee zurückzudrängen. Aus den grausamen Folgen des „Gaseinsatzes im 1. Weltkrieg“ lernend, verbietet das Genfer Protokoll heute den Einsatz von biologischen und chemischen Kampfstoffen.

Programmpunkte zeichnen Lagebild

Der Besichtigung einer solchen Artilleriestellungen, der Besuch des Freilichtmuseums Ravelnik oder das beeindruckende Geländemodell im Museum in Kobarid, an welchem die 12. Isonzoschlacht animiert dargestellt wurde, vermittelte den Teilnehmern ein gutes Lagebild über die damalige Situation. Oberstleutnant Herrmann erklärte in diesem Rahmen sehr eindrucksvoll die heutige Bedeutung der streitkräftegemeinsamen taktischen Feuerunterstützung für den Gebirgskampf (STF), welche bei der Übung Mountain Hornet im Mai 2021 auf dem kleinen Hochgebirgsübungsplatz Reiteralpe beübt wurde.

Besuch des deutschen Gebeinhauses

Den krönenden Abschluss des Tages bildete der Besuch des deutschen Beinhauses in Tolmin. Dies ist das einzige deutsche Gebeinhaus an der Isonzofront, in dessen Krypta die Namen der etwa 1.000 gefallenen Soldaten aufgelistet sind. Mit einer Kranzniederlegung durch den Brigadekommandeur gedachten die Teilnehmer den Toten der 12. Isonzoschlacht.

Im Vorfeld richtete der Brigadekommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23 eindringliche Worte an die jungen militärischen Führer: „Vor allem die grausamen Materialschlachten des 1. Weltkrieg zeigen uns, wie wenig ein Menschenleben wert war. Jedes Menschenleben, dass Ihnen anvertraut wird, ist mit Bedacht und Würde zu führen sowohl im Friedensbetrieb, wie auch im Krieg“, mahnte Brigadegeneral Keller.

Sanitätsdienstliche Versorgung im Gebirgskrieg

Am Mittwoch stellte Oberfeldarzt der Reserve Dr. Thomas Götz die sanitätsdienstliche Versorgung im 1. Weltkrieg dar. Die neu aufgestellten Gebirgstruppen waren sanitätsdienstlich unterversorgt. Vor allem das Bergen aus schwierigem Gelände erfolgte nur behelfsmäßig.

In den Sanitätseinrichtungen selbst, konnte aufgrund des Verhältnisses der zum Teil schlecht ausgebildeten und ausgestatteten sanitätsdienstlichen Kräfte zu Verwundeten, nur durch Triage wenige Menschenleben gerettet werden. Dem Fortschritt der tödlichen Geschosse konnten medizinische Weiterentwicklungen wie Tetanusbehandlung, Bluttransfusionen und mögliche Röntgendiagnostik nur teilweise kompensieren.

Am Ende seines Vortrages ging der Oberfeldarzt auf die Bedeutsamkeit der sanitätsdienstlichen Kompetenzen innerhalb der Gebirgstruppe ein, welche durch die letzten strukturellen Veränderungen „nicht mehr in der Intensität zum Tragen kommt, wie sie sollte“, resümiert der Anästhesist abschließend.

Auftragstaktik, Rommel und das Württembergische Bataillon

Die taktische Großlage im Blick – folgten die Teilnehmer in den folgenden Tagen dem Angriff des Württembergischen Bataillons – als Teil der 14. Armee. In dessen Reihen kämpfte auch der Oberleutnant Erwin Rommel, der in diesem Bataillon als Abteilungskommandeur eingesetzt war.

Von Tolmin aus kämpfte sich Rommel in der 12. Isonzoschlacht auf die feindlichen Stellungen entlang des Gebirgsrückens „Kolovrat“ bis zum Matajur vor – die für den weiteren Gefechtsverlauf bestimmende Höhe. Dieser Angriff wurde an verschiedenen Geländepunkten rekonstruiert.

Als Grundlage diente sein TaktiklehrbuchInfanterie greift an – Erlebnis und Erfahrung“. „Initiative des militärischen Führers, gepaart mit Mut, Entschlussfreude und Schnelligkeit waren Rommels Erfolgsrezept bei diesem Angriff. Die wesentliche eigene Leistung von der Absicht des Vorgesetzten abzuleiten und diese dann mit der gebotenen Freiheit des Handelns entschlossen umzusetzen, spiegelt unsere heutige Führungsphilosophie – die Auftragstaktik – wieder.

Diese baut natürlich uneingeschränkt auf das Vertrauen in die untergebene und vorgesetzte Ebene“, schlussfolgerte Oberstleutnant Herrmann. Besonders im Gebirgskampf kommt die Auftragstaktik aufgrund der teilweise isolierten Gefechtshandlungen wegen der geographischen Gegebenheiten bezeichnend zum Tragen.

Im Rahmen einer taktischen Aufgabe wurden die Offiziere in die Zeit zurückversetzt und planten unter den heutigen taktischen Grundsätzen den weiteren Angriff der eigenen Truppen, nachdem diese in die ersten feindlichen Stellungen eingedrungen sind. Der Höhepunkt der militärhistorischen Veranstaltung war der Bergmarsch auf das Angriffsziel Rommels - den Matajur mit 1641 Höhenmeter.

Das Ausbildungsziel

Die Gebirgstruppe lebt heute wie damals aufgrund ihres besonderen Einsatzgebietes von Kameradschaft, Vertrauen, Leidensfähigkeit, Mut und Entschlossenheit über alle Führungsebenen hinweg. Diese Tugenden spiegeln sich besonders in der 12. Isonzoschlacht anhand des entschlossenen Vorgehens der Akteure wieder.

Die jungen Offiziere lernten in dieser Weiterbildung nicht nur die Herkunft und Habitus ihrer Truppengattung kennen, sondern bekamen auch ein Gefühl für Menschen- und Gefechtsführung anhand realer Bilder. „Meine Erwartungshaltung wurde voll erfüllt“, so das Fazit des Brigadekommandeurs am Ende dieser militärhistorischen Veranstaltung.

Pressemitteilung Gebirgsjägerbrigarde 23 „Bayern“

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