Hintergründe zur Rettungsaktion am Untersberg

"Retter von Beginn an psychologisch betreut"

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Andreas Müller-Cyran (li.) und Stefan Schneider
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Marktschellenberg - Neben den körperlichen Anstrengungen wird auch die Psyche der Kräfte in der Riesending-Schachthöhle ständig belastet. Andreas Müller-Cyran fängt die Retter psychologisch auf.

Kälte, Dunkelheit, hohe körperliche Belastung bei der Rettung und die ständige mediale Präsenz bringen die Einsatzkräfte in der "Riesending"-Schachthöhle im Untersberg an ihre Grenzen. In bis zu 1.000 Meter Tiefe arbeiten die Retter nun schon seit 10 Tagen am Transport des verletzten Höhlenforschers Johann Westhauser an die Oberfläche. Ruhepause zur körperlichen Regeneration legen die Kräfte innerhalb und außerhalb der Höhle nach eigenem Ermessen ein. Dass dabei aber auch die psychologische Betreuung der erschöpften Männer und Frauen sehr wichtig ist, weiß der Seelsorger und psychologische Betreuer der Bergwacht, Andreas Müller-Cyran:

"Betreuung von Beginn an"

LIVE-Ticker:

Von Anfang an begleiten Andreas Müller-Cyran und seine Mannschaft die Einsatzkräfte am Untersberg. In der Regel müsse man jedoch bei der psychosozialen Notfallversorgung (kurz:PSNV) zwischen zwei Einsatzbereichen unterscheiden, so der Seelsorger. Eine Betreuung finde sowohl für die Einsatzkräfte als auch für die von einem Notfall betroffenen Personen wie Patienten, Angehörige oder Augenzeugen und Ersthelfer statt. Müller-Cyran konzentriere sich im Moment auf die Einsatzkräfte an der Einsatzleitzentrale, am Hubschrauberlandeplatz in der Jägerkaserne in Strub und auf die Retter am Höhleneingang in über 1.800 Meter Höhe auf dem Untersberg. Dabei finde ein ständiger Austausch und eine Begleitung vor und nach den Einsätzen in der Höhle statt. Ruhepausen werden genutzt um das Erlebte im Gespräch aufzuarbeiten. Dazu kümmere sich das Team von Andreas Müller Cyran auch um "Maßnahmen, die eher trivial erscheinen". Egal ob es sich hier um Duschmöglichkeiten, eine gute und ansprechende Mahlzeit oder auch nur ein befreiendes Gespräch handelt, die psychologischen Betreuer versuchen ständig dem Kollaps aufgrund zu hoher geistiger Belastung entgegenzuwirken. 

Hintergründe zum Unglück in der "Riesending"-Höhle

Und das mit Erfolg. Bisher sei die Stimmung in den Reihen der Einsatz sehr familiär und positiv. Kein Retter musste nach Angaben von Müller-Cyran bisher in einem Einzelgespräch betreut werden. Aktuell befinde man sich in der Einsatzbetreuung, was nochmals eine Herausforderung für den Seelsorger mit Erfahrungen im Rettungsdienst darstelle, sei die Nachbereitung und Verarbeitung des Erlebten nach der erfolgreichen Rettung des Verletzten. Hier wolle man sich mit allen Beteiligten treffen und die Ereignisse abschließend betrachten und verarbeiten. Als zusätzliche Belastung für die Rettungskräfte stufte Andreas Müller-Cyran die ständige und massierte Präsenz der Medien am Einsatzort ein. Um zu zeigen, dass die Anwesenheit der Journalisten jedoch auch positive Aspekte mit sich bringe, richteten Müller-Cyran und sein Team eigene Tafeln ein, auf denen die Berichte der unterschiedlichen Medien zu sehen sind. Hier könnten sich die Einsatzkräfte selbst über den aktuellen Stand informieren, bekommen doch die Meisten nur einen sehr selektiven Ausschnitt der laufenden Rettungsarbeiten zu sehen. So seien die Kräfte nicht nur auf die Familie oder Freunde zur eigenen Informationsgewinnung angewiesen.

Bilder der Rettungsaktion

Bilder von der Rettungsaktion an der Riesending-Schachthöhle am Untersberg

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