Aktuelle Forschungsergebnisse im Nationalpark vorgestellt

Der Gelbe Frauenschuh narrt seine Bestäuber

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Berchtesgaden - Der Gelbe Frauenschuh ist eine der schönsten Orchideen der Berchtesgadener Alpen und steht unter strengem Schutz. Um sich fortzupflanzen, hat die Orchidee clevere Strategien:

Um sich fortpflanzen zu können, ist die Pflanze auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Problem für den Frauenschuh, der im Nationalpark von den Tallagen bis auf rund 1400 Meter Höhe vorkommt: Seine Bestäuber im Tal sind vermutlich andere als in den Höhenlagen. Um in allen Höhenstufen erfolgreich bei der Fortpflanzung zu sein, hat der Frauenschuh clevere Strategien entwickelt.

Thomas Rupp ist Student an der Universität Salzburg. Für seine Bachelorarbeit im Fach Biologie hat er sich im Nationalpark Berchtesgaden und in der direkten Umgebung auf die Suche nach dem Frauenschuh gemacht. Fasziniert ist der 24-jährige Oberösterreicher vor allem von der komplexen Bestäubungsökologie der großen Orchidee. Für seine Arbeit hat der den Duft des Frauenschuhs in verschiedenen Höhenlagen analysiert – mit erstaunlichen Ergebnissen: „Der Frauenschuh duftet in Talnähe anders als in höheren Lagen“, verrät der Student. „Der Grund dafür könnten Unterschiede in den Duft-Vorlieben der bestäubenden Insekten sein, die entlang des Höhengradienten vorkommen.“

Der Frauenschuh ist eine so genannte Täusch- und Fallenblume. Angelockt durch die auffällige Farbe der Blüten sowie ihren süßlich-fruchtigen Duft fallen die Insekten durch ein Loch in den gelben Kessel. Der einzige Ausweg aus dieser Falle führt über den Geschlechtsapparat der Pflanze nach draußen. Das Insekt bekommt dabei den Pollen der Pflanze auf den Rücken geklebt. Bei einem erneuten Blütenbesuch kann dieser an der Narbe der Blüte abgestreift werden und die Bestäubung ist erfolgt. Eine clevere Strategie, doch welche Insekten eignen sich als Bestäuber? Prof. Dr. Stefan Dötterl von der Uni Salzburg weiß die Antwort: „Die Insekten dürfen weder zu groß und noch zu klein sein, sonst klappt die Bestäubung nicht“, erläutert der Wissenschaftler. „Zu kleine Insekten können sich an den Geschlechtsorganen vorbeimogeln und die Blüte unbestäubt wieder verlassen. Und für zu große ist der Kessel eine Falle, aus der einige sich nicht mehr befreien können. Sie sterben dann in dem Kessel“.

Der Frauenschuh investiert viel in seinen Duft, 62 verschiedene Duftstoffe konnten die Wissenschaftler nachweisen. Dabei riechen die Blüten des Frauenschuhs in der Almbachklamm anders als jene am Jenner. Experimente haben gezeigt, dass sich die Hauptkomponenten des Blütenduftes an den verschiedenen Standorten kaum unterscheiden, sehr wohl aber jene Stoffe, die nur in geringeren Mengen enthalten sind. Geeignete Bestäuber für den Gelben Frauenschuh sind solitäre Bienen und Fliegen. „Und diese scheinen unterschiedliche Duft-Vorlieben zu haben“, soweit Rupps Vermutung. Und er ergänzt: „Wildbienen kommen in höheren Lagen weniger häufig vor, die Anzahl der Schwebfliegen nimmt dagegen zu.“ Ganz fair ist der Frauenschuh bei seiner Fortpflanzung nicht: „Er lockt die Insekten an, in dem er ihnen Futter oder Sexualpartner vorgaukelt“, erläutert Thomas Rupp. Dass dies nicht stimmt, merken die Insekten erst, nachdem sie in den gelben Kessel gefallen sind und die Pflanze bestäubt haben.

In diesem Jahr werden die Forschungen im Nationalpark Berchtesgaden fortgesetzt, hinzu kommen neue Orchideen-Standorte in den Hochlagen des Wimbachtals sowie am Königssee. Studentin Bernadette Mükisch wird unter wissenschaftlicher Anleitung von Prof. Dötterl im Rahmen ihrer Masterarbeit herausfinden, welche Rolle solitäre Bienen und Fliegen als Bestäuber in verschiedenen Höhenlagen spielen, ob sich der Duft der Blüten während der Blütezeit ändert und ob die Duftproduktion nach erfolgter Bestäubung möglicherweise nachlässt. Der Nationalpark Berchtesgaden unterstützt die Forschungen, um daraus Erkenntnisse für die Folgen des Klimawandels in den Alpen abzuleiten

Pressemitteilung Nationalparkverwaltung Berchtesgaden

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