Dr. Schauerte aus Berchtesgaden klärt auf

Tragedauer, Reinigung, Schutz - FFP2-Maskenpflicht aus ärztlicher Sicht sinnvoll?

Ärztlicher Direktor des CJD Berchtesgaden Dr. Gerd Schauerte zu FFP2-Maskenpflicht
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Dr. Gerd Schauerte, Leiter des CJD Asthmazentrums in Berchtesgaden, im Interview mit bgland24.de zur FFP2-Maskenpflicht aus medizinischer Sicht.

Berchtesgaden - Seit 18. Januar gilt in Bayern eine FFP2-Maskenpflicht beim Einkaufen und im öffentlichen Nahverkehr. Dr. Gerd Schauerte, Leiter des CJD Asthmazentrums in Berchtesgaden, bewertet diese neue Regelung für uns aus medizinischer Sicht.

Seit Montag, 18. Januar, dürfen Bürger nur mehr mit einer FFP2-Maske Bus und Bahn fahren sowie einkaufen gehen. Wie denken Sie aus ärztlicher Sicht über die Einführung dieser neuen Masken-Pflicht?


Ich erachte das als ausgesprochen sinnvoll, da wir in der aktuellen Situation mit hohen Inzidenzzahlen immer damit rechnen müssen, dass wir unbeabsichtigt vielleicht mit symptomlosen Corona-Positiv-Trägern in Kontakt kommen. Daher ist es vernünftig, die FFP2-Masken verpflichtend in ÖPNV und Handel einzuführen, sie bieten einen größeren Schutz und eine höhere Sicherheit für uns alle. Die FFP2-Masken bieten insbesondere dem Träger einen höheren Selbstschutz. Er kann sich so wesentlich effektiver schützen als mit einem Mund-Nasen-Schutz, einem medizinischen Mund-Nasen-Schutz oder einer normalen Alltagsmaske aus Stoff.

Wäre es sinnvoll gewesen, die Pflicht FFP2-Masken zu tragen, bereits zu einem früheren Zeitpunkt, wie dem Anfang der Pandemie, zu erlassen? 


Möchte man diese Frage wissenschaftlich genau beantworten, so müsste man nochmal eine Pandemie ins Leben rufen und das von Beginn an anders handhaben. Wir haben im Frühjahr 2020 gesehen, dass dank sehr guter Kooperation seitens der Bevölkerung die Fallzahlen schnell gesunken sind. Vielleicht hatten wir im Frühjahr das Glück, dass wir wegen guten Wetters viel Zeit im Freien verbringen konnten, vielleicht wurde ohnehin viel gelüftet und möglicherweise waren die Leute zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht so ‚coronamüde‘ wie sie es im Moment sind und haben die Maßnahmen besser mitgetragen. Corona war schließlich Neuland, wir wussten viel zu wenig über das Virus. Inzwischen ist fast ein Jahr vergangen, in dem wir uns mit diesem neuartigen Virus beschäftigen und uns anpassen müssen. Aber ich muss auch sagen: Hätten wir zu Beginn der Pandemie ausreichend FFP2-Masken zur Verfügung gehabt, wäre das durchaus eine Möglichkeit gewesen, eine Pflicht eher einzuführen. Der Fokus aber lag damals eher darauf, medizinische Bereiche denn Privathaushalte mit FFP2-Masken auszustatten.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur FFP2-Maskenpflicht in ÖPNV und Handel hat uns das Gesundheitsministerium in einem gesonderten Artikel (Plus-Artikel) beantwortet.

Stichwort Tragedauer: Wie lange kann ich eine FFP2-Maske am Stück tragen? Gibt es Unterschiede, sobald ich die Maske privat oder beruflich tragen muss? 

Die Tragedauer ist unterschiedlich zu beurteilen. Die FFP2-Masken werden im handwerkliche Bereich viel umfangreicher genutzt - beispielsweise bei massiven staubbelastenden Tätigkeiten wie Schleifarbeiten oder Abriss von Häusern. Unter solch schwerer körperlicher Arbeit gibt es von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung die Vorgabe, dass die FFP2-Maske 75 Minuten am Stück getragen werden kann, ehe eine Pause von etwa 30 Minuten erfolgen muss. Beim Einkaufen aber arbeitet man nicht schwer körperlich. Der Normalbürger wird im Alltag also nie in den Bereich kommen, der arbeitsschutzmäßig relevant ist. Bei mehrstündigen Zufahrten ist das Tragen einer FFP2-Maske gar kein Problem, solange man sich nicht permanent unterhält. Ist die FFP2-Maske jedoch komplett durchfeuchtet, sollte sie dringend gewechselt werden. Im Job gilt die Vorgabe des eigenen Betriebs oder mit Arbeitsschutzbeauftragten in Kontakt zu treten. Häufig ist hier ein Mund-Nasen-Schutz ausreichend.

FFP2-Masken sind als Einmalprodukt gekennzeichnet. Können Sie im privaten Gebrauch dennoch mehrfach verwendet werden?

Die Fachhochschule Münster hat sich in diesem Zusammenhang wissenschaftlich intensiv damit auseinandergesetzt, wie die Masken wieder aufbereitet werden können, weil sie ja doch nicht ganz preiswert sind. Allgemein gibt es zwei Varianten: Bei 80 Grad über 60 Minuten im Backofen, das geht circa fünf Mal, ehe die Maske entsorgt werden soll. Andernfalls kann ich mir sieben Masken kaufen und sie jede Woche wechseln, hier bietet sich ein Brett mit sieben Haken an, um die Masken an der Frischluft ausreichend auszulüften.

Wie trage ich die FFP2-Maske, sodass sie mich auch richtig schützt? Welche Tipps gibt es?

Wichtig ist, die Maske immer an den Gummibändern über den Ohren an- und auszuziehen und die Maske selbst so wenig wie möglich zu berühren. Die Metallbügel müssen eng an den eigenen Nasenrücken angepasst und dürfen nicht auseinandergezogen werden. Dies ist dann wirklich effektiv, dass die Maske auch vernünftig abschließt - vor allem für Brillenträger, dass die Gläser nicht sofort beschlagen, wenn die Luft eher seitlich entweicht denn nach oben.

Im Rest Deutschlands sind neben der FFP2-Maske auch OP-Masken erlaubt. Wie beurteilen Sie diese Entscheidung der Bundesregierung? Inwiefern besteht ein Vorteil von einer FFP2-Maske zu den bisherigen Alltagsmasken oder OP-Masken?

Hier spielt die Aerosol-Entwicklung eine nicht unerhebliche Rolle. Jene Aerosole, die in der Luft schweben, dringen auch durch eine OP-Maske, da diese nicht so abschließt wie eine FFP2-Maske. So gesehen schütze ich mich mit einer FFP2-Maske deutlich mehr. Wer eine FFP2-Maske trägt, erzeugt überdies auch nicht so viel Aerosol als der Träger einer OP- oder Alltagsmaske.

Viele Bürger klagen unter der FFP2-Maske schlechter Luft zu bekommen. Wie ist das aus ärztlicher Sicht einzuordnen? Wie verhalte ich mich bei starkem Hustenreiz (Raucherhusten) oder allergischer Rhinitis?

Dass man unter einer FFP2-Maske schlechter atmen kann, ist eben so. Je dichter es wird, umso schwieriger wird das Luftholen. Bei allergischer Rhinitis ist eine FFP2-Maske klasse, da man vor den bösen Pollen geschützt ist und weniger Nies-Beschwerden hat. Raucherhusten ist natürlich ungünstig. Wenn Hustenreiz da ist, muss man auch husten und die Maske kurzzeitig abnehmen dürfen.

Die aktuelle Debatte schließt auch Bärte bei Männern ein, da die Maske durch Bartwuchs nicht luftdicht abschließt. Wie denken Sie über diesen Aspekt?

Rein theoretisch ist Mann ohne Bart natürlich besser geschützt. Aber Bart ist gerade Mode und es wird nicht so weit kommen, dass sich alle Männer wegen der Maskenpflicht ihre Bärte abrasieren. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, schneidet sich den Bart ab und lässt ihn wieder wachsen, sobald er geimpft ist. Aber das liegt im Ermessen des Einzelnen.

Herr Dr. Schauerte, herzlichen Dank für das Gespräch und bleiben‘S gsund.

mb

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