Mehr Bäume gefällt als nötig

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Berchtesgaden - Der Baumbestand ist gefährdet, ist sich der Bund Naturschutz einig. Neben der Suche nach Lösungen hierfür wählte die Mitgliederversammlung auch den Vorstand.

Aktuell existieren in Bayern 574 Ortsgruppen, 179.000 Mitglieder mit 6.200 ehrenamtlich Tätigen, die 2011 über eine Million Freiwilligenstunden im Dienste der Natur erbracht haben. Die Berchtesgadener Ortsgruppe zählt 250 Mitglieder. „Nächstes Jahr werden wir 100 Jahre alt“, freute sich Grafwallner, der sich mit seiner Mannschaft auch weiterhin der Natur verpflichtet fühlt, auch dann, „wenn wir in der Öffentlichkeit immer als diejenigen dastehen, die gegen alles sind“. Die Realität sei eine andere: „Wir sind die Stimme der Natur“, so der Vorsitzende. Geologische und natürliche Zusammenhänge zu erklären, sei ein wesentliches Ziel. Im letzten Jahr wurden zahlreiche Aktionen unternommen, von Pflege- über Reinigungsmaßnahmen und Informationsveranstaltungen (Schmetterlinge und Botanik). Auch gehörten Wanderungen mit Experten zu den regelmäßig stattfindenden Aktivitäten der Ortsgruppe.

Der Bau des „Hauses der Berge“ hingegen werde von der Ortsgruppe begrüßt: „Das ist zwar ein reiner Zweckbau“, so die Meinung des Vorsitzenden, „aber auch die Kletterhalle in der Strub wird ja nicht kritisiert, obwohl sie potthässlich ist“. Ebenso setzen sich die Mitglieder der Ortsgruppe dafür ein, dass „endlich eine Bushaltestelle an der Gmundbrücke entsteht“. Mit der momentanen Situation zeige man sich nicht zufrieden. „Mir ist schon klar, dass der Bürgermeister möchte, dass die Gäste, die am Bahnhof ankommen, im Bus durch den schönen Markt in Richtung ‚Haus der Berge‘ fahren“. Trotzdem würde diese Haltestelle die generelle Situation verbessern.

Neuwahlen, Bäume und Flächennutzungsplan

In den vergangenen Wochen und Monaten waren gehäuft Bäume geschlagen worden, etwa im Luitpoldpark oder im Bereich „Haus der Berge“. Alte Bäume in Siedlungsbereichen seien aber sehr wertvoll, produzierten besonders viel Sauerstoff. „Wir möchten eine Sensibilisierung in der Bevölkerung erreichen“, sagte Grafwallner. Bereits nächste Woche steht eine Nachpflanzaktion am König-Max-Weg in der Ramsau an. Dort sollen Buchen gepflanzt werden.

Bei den Neuwahlen wurde Paul Grafwallner im Amt bestätigt. Gegenkandidaten gab es keine. Ortsgruppen-Stellvertreter ist weiterhin Peter Wörnle, Kassier Andreas Rußwurm. Dr. Hermann Amann übernimmt die Funktion des Schriftführers, Beisitzer wurden Kristin Bogner (Schönau am Königssee), Eva Planitscher (Marktschellenberg) und Annemarie Schreyer (Bischofswiesen).

Darüber wurde bei der Mitgliederversammlung diskutiert

Das Thema „Baum“ war das bestimmende während der Diskussionsrunde bei der Mitgliederversammlung des Bund Naturschutz, Ortsgruppe Berchtesgaden. So sagte Dr. Hermann Amann, dass so mancher Baum in der Vergangenheit im Talkessel nicht hätte gefällt werden müssen: „Man sollte sich die Frage stellen, wie viele Leute wirklich von herabfallenden Ästen verletzt wurden“, so Amann. Im innerörtlichen Bereich würde Berchtesgaden wegen nun fehlender Bäume hässlicher: „Früher war das Bild beim Luitpoldpark ein schönes, heute wird es von Verkehrsschildern dominiert“. Bäume fehlen zwischenzeitlich fast komplett, da sie kürzlich erst gefällt wurden.

Peter Wörnle beklagte die mangelnde Grüngestaltung: „Wir erleben hier nur das Wegnehmen von Bäumen“. Es zeige sich aber, dass eine sinnvolle Neubepflanzung durchaus Früchte tragen könne. Noch vor zehn Jahren hatte die Ortsgruppe im Luitpoldpark, anlässlich ihres 90-jährigen Bestehens, drei Linden pflanzen lassen, die sich heute in stattlicher, prägender Größe darstellen: „Das ist unser Beitrag auf einer öffentlichen Fläche“, so Wörnle. Er appellierte an die Verantwortlichen, generell mehr Bäume einzusetzen.

Bürgermeister Franz Rasp sagte, dass innerörtliche Bäume in der Regel alle gesetzt seien, oft zur gleichen Zeit. Wenn dann einer gefällt werden müsse, seien oft auch die anderen betroffen, da ähnlich alt und mit den gleichen Krankheiten behaftet. Fünf Buchen, die vor wenigen Wochen im Bereich „Haus der Berge“ entfernt werden mussten, hätten ursprünglich stehen bleiben sollen. Doch mussten diese aufgrund einer falschen Annahme seitens des Staatlichen Bauamts Traunstein entfernt werden. „Die Glaubwürdigkeit des Amtes hinsichtlich Bäumen ist bekanntlich nicht sehr hoch“, so Kreisvorsitzende Rita Poser.

Bürgermeister Rasp unterstrich nochmals, dass die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit beim Flächennutzungsplan die Chancen habe, fruchtbar zu werden. „Der strategische Ansatz könnte nicht besser sein“. Er betonte, dass es gefährlich sei, Bauleitplanung nach Verfügbarkeit zu machen. „Das ist verlockend, aber gefährlich“. Amann pflichtete Rasp bei, der Flächennutzungsplan sei ein „Qualitätssprung“ in der Zusammenarbeit. Im besten Fall würde der Blick für andere Meinungen geöffnet werden.

kp

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