Schwere Zeiten für’s Bürgerheim

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Schlechte Ergebnisse, steigende Personalausgaben: Wie geht es weiter im Bürgerheim? Bürgermeister Franz Rasp möchte darüber im Gemeinderat diskutieren.

Berchtesgaden - In der letzten Gemeinderatssitzung war ein großes Thema das "Bürgerheim", bei dem man einen deutlichen Anstieg der Kosten kritisierte.

Der Jahresbericht der Bruderhausstiftung Berchtesgaden (Bürgerheim und Martin-Beer-Haus) war Thema der vergangenen Gemeinderatssitzung. Kämmerer Richard Beer widmete sich dem Ergebnis des vergangenen Jahres, das bei 1,75 Millionen Euro lag. „Ein schlechtes Ergebnis“, kommentierte Beer. Dramatische Entwicklung: Die Personalkosten steigen deutlich, so mancher Gemeinderat sieht die dahinterstehende Stiftung in Gefahr. Grünen-Gemeinderat Michael Widmann: „Wir sollten eine Diskussion führen, wann die Schmerzgrenze erreicht ist“.

Im Altenwohnheim Martin-Beer-Haus stehen derzeit zehn Wohnungen leer. Zu viele, um ein positives Ergebnis erreichen zu können.

Die Heimgebühren in 2011 lagen bei 969.000 Euro. Noch zwei Jahre zuvor konnte die Bruderhausstiftung 100.000 zusätzliche Euros verbuchen. Von den 39 Heimbewohnern, die Ende letzten Jahres gezählt wurden, waren durch den Medizinischen Dienst 17 Heimbewohner in die Pflegestufe I, acht Heimbewohner in die Pflegestufe II und sieben Heimbewohner in die Pflegestufe III eingestuft worden. „Wir hatten während des Jahres aber leider keine Vollbesetzung“, rechtfertigt Bürgermeister Franz Rasp das wenig zufriedenstellende Ergebnis.

Und trotzdem zeigt sich: Im Bürgerheim ist Handlungsbedarf angesagt, denn steigende Kosten sorgen dafür, dass der Handlungsspielraum immer enger wird. Die Personalkosten befinden sich in etwa gleicher Höhe mit den Bürgerheim-Gebühren. Da hilft es auch kaum, dass seit Anfang Februar die Heimgebühren um durchschnittlich 13 Prozent angehoben wurden. Anfang 2013 sollen diese dann abermals um 2,4 Prozent steigen, ein Ergebnis der Pflegesatzverhandlungen. Das bringt zwar Mehreinnahmen, das Hauptproblem eines fehlenden, zukunftsfähigen Konzeptes wurde damit aber noch nicht behoben. Die Summe der Sachausgaben wurde 2011 um 34.000 Euro überschritten.

Die Personalkosten der 27 Arbeitnehmer, die im Bürgerheim arbeiten, darunter fünf Arbeitnehmer in Teilzeit, eine Auszubildende als Altenpflegerin und eine Auszubildende als Pflegehelferin, lagen bei 947.000 Euro. Vier Jahre zuvor hatten diese bei 724.000 Euro gelegen. Beim Bürgerheim entstand insgesamt ein Fehlbetrag von 362.000 Euro. Darin enthalten sind kalkulatorische Kosten in Höhe von 161.000 Euro. Eine leichte Verbesserung gegenüber dem Haushaltsplan (Fehlbetrag: 399.000 Euro) ist zwar auszumachen. „Die Verbesserung des Ergebnisses hat ihre Ursache vor allem in den überplanmäßigen Heimgebühren“, so Kämmerer Beer. Dadurch konnten auch die überplanmäßigen Sachausgaben aufgefangen werden. Gemeinderat Michael Widmann empfindet diese Entwicklung als besorgniserregend. „Einnahmen und Personalausgaben bewegen sich auf deckungsgleichem Niveau“, stellt er fest.

„Es kann nicht so weitergehen!“

Auch SPD-Fraktionssprecher Bartl Mittner sagte, dass es so nicht weitergehen könne, da anderenfalls „das Stiftungsvermögen schneller aufgebraucht ist, als uns allen lieb ist“. Eine „dringende Aufgabe der Gemeinde, den sozialen Aspekt weiterzuführen“, erkannte FWG-Sprecher Michael Koller. Hans-Jürgen Kortenacker von der Berchtesgadener Bürgergruppe unterbreitete den Vorschlag, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn die Entwicklung denn in eine andere Richtung gelenkt werden solle. Dass dieser Tatsache, den fallenden Einnahmen und den steigenden Kosten, entgegengewirkt werden müsse, stellte auch Bürgermeister Rasp fest: „Wir werden uns in nächster Zeit mit dieser Thematik beschäftigen müssen“, gab er zu Protokoll.

Das Ergebnis müsse klar lauten, mittelfristig eine ertragsreiche Lösung anzustreben. Um diese Lösung zu erreichen, müsse unter anderem über eine Aufstockung der Heimplätze gesprochen werden. Auch im neben dem Bürgerheim liegenden Altenwohnheim Martin-Beer-Haus gibt es indes kaum Positives zu vermelden. „Momentan stehen zehn Wohnungen leer“, sagte Rasp. Deshalb konnten auch die veranschlagten Mieteinnahmen in Höhe von 200.000 Euro nicht erreicht werden. Diese lagen bei 196.000 Euro. Der Verwaltungshaushalt 2011 kann aufgrund des schlechten Ergebnisses des Bürgerheims nur durch eine Zuführung vom Vermögenshaushalt in Höhe von 128.000 Euro ausgeglichen werden.

kp

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