"Dunkle Materie ist sehr attraktiv"

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Nur vier Prozent des Universums sind bislang physikalisch erklärbar.

Berchtesgaden - Das findet zumindest Dr. Jean-Côme Lanfranchi von der TU München. Er war zu Gast im Schülerforschungszentrum Berchtesgaden .

„Dunkle Materie ist sehr attraktiv“, sagt Dr. Jean-Côme Lanfranchi von der Technischen Universität München (TUM), der zu Gast im Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land ist. Landrat Georg Grabner begrüßt ihn persönlich. Lanfranchis Spezialgebiet ist die Elementarteilchenphysik, die Astrophysik. Wenn Dr. Lanfranchi, ein junger Wissenschaftler, zu erzählen beginnt, sind die zahlreichen Zuhörer im vollbelegten Klassenraum ganz leise. Lebendig ist dessen Vortragsstil, in einfachen Worten versucht er komplexe Materie näherzubringen – und beweist damit, dass Wissenschaft alles andere als trocken sein muss.

Dr. Jean-Côme Lanfranchi jagt die Dunkle Materie. Bislang ohne den erwünschten Erfolg.

„Am Ende des Vortrags werden Sie keine Antwort auf die Frage erhalten, was Dunkle Materie denn überhaupt ist“, sagt Lanfranchi. Jemand, der diese Antwort wüsste, könnte sich sicher sein, für den Nobelpreis auserwählt zu werden. Bislang ist das aber noch Zukunftsmusik. „Wir sind erst am Anfang“, sagt der Wissenschaftler, der der Dunklen Materie dennoch dicht auf der Spur ist – in einem Untergrundlabor im Gran Sasso-Gebirge, tief unter einer mächtigen Steinschicht. Dort jagt Jean-Côme Lanfranchi jene Dunkle Materie. So sicher, was jene Materie überhaupt ist, die das Universum zusammenzuhalten scheint, ist man sich in Wissenschaftlerkreisen nämlich noch lange nicht. „Wir haben uns Galaxienhaufen angeschaut“, sagt Lanfranchi in einfacher Sprache – „und festgestellt, dass die Rotationsgeschwindigkeit viel zu hoch ist.“ Die Galaxien müssten zerreißen, wenn man sich auf die üblichen Gravitationsgesetze besinnt, sagt er. Da das aber nicht geschehe, existiere eben eine Materie, die alles zusammenhalte: die Dunkle Materie. Vorhergesagt wurde diese bereits in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Bewiesen bis zum heutigen Tag aber wurde sie nicht.

Landrat Georg Grabner verfolgte den Vortrag zur Dunklen Materie: „Spannend“, so sein Fazit.

Trotzdem ist man sich in Expertenkreisen einig, dass es sie gibt. „Ohne diese gäbe es das Universum nicht“, sagt Lanfranchi. Nur vier Prozent des gesamten Universums setze sich aus gewöhnlicher Materie zusammen, solcher, wie wir sie kennen: „Alles, was man anfassen kann“, sagt er. All das, was bislang physikalisch beschreibbar sei. Der Rest, 96 Prozent, bestehe aus Dunkler Materie und aus Dunkler Energie, und sei in keiner Weise beleg- beziehungsweise beweisbar: „Davon haben wir einfach keine Ahnung.“ Und deshalb sitzt Lanfranchi zusammen mit einer Gruppe Experten im Untergrundlabor im italienischen Gran Sasso-Massiv, 150 Kilometer von Rom entfernt. Für viel Geld wurde dort, abgeschirmt von allen äußeren Einflüssen, ein Laboratorium in den Fels gebaut. Ein Detektor befindet sich dort, der in höchstkomplexer Weise jene Materie aufspüren soll, die existent scheint. Viel Physik, viel Chemie, Tonnen an Blei und Kupfer, die genauesten Temperaturmessgeräte der Welt befinden sich dort, „ein riesiger Aufwand“, nennt das der Experte. „Wir warten auf das eine Ereignis, das die Dunkle Materie bestätigt“, sagt Lanfranchi hoffnungsvoll. Zwei Jahre lang hat der letzte Beobachtungszeitraum gedauert. Ein

paar Treffer gab es, jedoch scheint es fraglich, wie und ob man diese auch erklären könne. Dr. Jean-Côme Lanfranchi ist zuversichtlich, tappt aber bislang noch im Dunkeln: „Die Zeiten sind spannend“, sagt er und lacht.

kp

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