Regionale Energieoffensive: Die FW informieren

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Arnold Fellinger (Geschäftsführer Bioenergie Berchtesgadener Land), Gottfried Obermair (Referent für Umwelt und Energie, Freie Wähler Bayern), Eva Gottstein (MdL, Freie Wähler Bayern) Michael Koller (Vorsitzender Freie Wähler Berchtesgaden).

Berchtesgaden - Schon vor Fukushima haben sich die FW für den Atomausstieg stark gemacht – dass jetzt auch die Bundesregierung dieses Ziel verfolgt, sehen sie äußerst positiv.

Woher kommt der Strom, wenn 2021 in Bayern das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet wird? Dieser Frage gingen die Freien Wähler bei ihrer Informationsveranstaltung „Regionale Energieoffensive“ in Berchtesgaden von kurzem nach. Unter dem Motto „Energiesparen lohnt sich – machen Sie mit!“ wurden interessierte Bürger über Energiesparpotenziale und Säulen einer zukunftsorientierten Energiepolitik informiert.

"Abfallprodukt" erzeugt Wärme und Strom

Gestartet wurde der interessante Abend mit der Besichtigung des Biomasse-Heizkraftwerkes in Schönau am Königssee. Der Geschäftsführer Arnold Fellinger führte die Besuchergruppe durch das hoch moderne und zukunftsorientierte Unternehmen. Angefangen von der Anlieferung des Energieträgers, dem Hackgut, aus den Wäldern der Region, über die Verbrennung und Energiegewinnung in der Kesselanlage bis hin zum Aschebehälter, die Besucher bekamen in alle Bereiche Einblick. Im Herzstück der Anlage, der Steuerung, kann auf jeden Abnehmer per Fernüberwachung im 24 km langen Leitungsnetz zugegriffen, Störungen behoben und bei Bedarf nachgeregelt werden.

Das Biomasse-Heizkraftwerk erzeugt nicht nur Wärme, sondern auch das „Abfallprodukt“ Strom. Dieser wird in das Stromnetz eingespeist. Der Geschäftsführer beantwortete äußerst kompetent und für jedermann verständlich die Fragen der interessierten Besucher. Befürchtungen, dass bei einem Anschluss an das Fernwärmenetz, das Wohnzimmer nicht mehr mit dem Kachelofen beheizt werden darf, oder die Solaranlage auf dem Dach abgeschaltet werden muss, konnte Herr Fellinger schnell aus der Welt schaffen.

Beeindruckend war die Dimension der Anlage, z. B. die Größe des Biomasse-Heizkessels gegenüber dem Ölkessel für den Notfall. Die doppelte Sicherung sozusagen mit „Gürtel und Hosenträger“, gewährleistet den Betrieb der Anlage auch bei Störungen. Die Leitung Richtung Gymnasium Berchtesgaden wird noch heuer erweitert, an verschiedenen Stellen des Fernwärmeleitungsnetzes werden noch Anschlüsse dazu kommen. Wichtig ist dem Betreiber, dass am Ende jedes Leitungsstranges ein Großabnehmer angeschlossen ist. Besonders positiv ist für einen Luftkurort natürlich der geringere CO2-Ausstoß. „Die Emissionswerte der Anlage liegen weit unter den geforderten Grenzwerten.“, merkte der Geschäftsführer an.

Nach der Besichtigung ging es im Bräustüberl Berchtesgaden weiter. Der Vorsitzende der Freien Wähler Berchtesgaden Michael Koller freute sich, dass so viele der Einladung gefolgt sind und konnte die Landtagsabgeordnete der Freien Wähler Bayern Eva Gottstein sowie Herrn Obermair, Referent der Landtagsfraktion für Umwelt und Energie begrüßen. Eva Gottstein stellte in ihrem Grußwort klar fest: „Derzeit wird von den Regierungsparteien Zeit geschunden und auf Großprojekte gesetzt. Die Energieversorgung der Bevölkerung ist nicht Sache der Energieriesen sondern muss runter auf die kommunale Ebene verlagert werden. Bis 2030 soll bayernweit die Energieversorgung zu 100 Prozent aus regenerativen Quellen gedeckt sein. Unabhängig von atomaren und fossilen Energieträgern.“

Energie sparen im Alltag

Mit steigender Weltbevölkerung steigt im gleichen Zug der Bedarf an Energie. Die Folge ist, die Energieressourcen werden knapper und teurer. Die Energiepreise steigen kontinuierlich an – ein Ende ist nicht in Sicht. „Die größten Energiesparpotenziale liegen in den eigenen vier Wänden“, so der Dozent für Photovoltaikfachkräfte und Referent Gottfried Obermair. Mit relativ geringem Aufwand kann jeder Bürger den Energieverbrauch senken, zum Beispiel durch das beseitigen der sogenannten Stromfresser. Die Leistungseinstellung von Umwälzpumpen in der Heizung kann reduziert oder gegen hocheffiziente Pumpen ausgetauscht werden. Die Raumtemperatur in den eigenen vier Wänden prüfen! Jedes Grad Raumtemperatur mehr steigert den Energieverbrauch um 6 %. Der Tausch von Dichtungen und Beschlägen kann oft schon große Einsparrungen zur Folge haben.

Industrie und Forschung sind natürlich gefordert, die Energieeffizienz der Elektrogeräte zu steigern. Das sogenannte „Smart Grid = intelligentes Stromnetz“, d. h. die kommunikative Vernetzung und Steuerung von Stromerzeugern, Speichern, elektrischen Verbrauchern und Netzbetriebsmitteln in Energieübertragungs und -verteilungsnetzen der Elektrizitätsversorgung ist die Zukunft. Diese ermöglicht eine Optimierung und Überwachung der miteinander verbundenen Bestandteile.

Einsatz für kommunale Lösungen

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien auf kommunaler Ebene durch regionale und dezentrale Energieversorgung muss unbedingt vorangetrieben werden. Bieten doch Bürgeranlagen oder Genossenschaftsmodelle Geldanlagemöglichkeiten und sind ein wichtiger Schritt in die Eigenständigkeit der Kommunen auf dem Energiesektor. Durch Installation‚ Wartung und Betrieb von EE-Anlagen werden Aufträge für lokale Betriebe und Landwirtschaft gesichert. Durch das EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) lassen sich zu erwartende Einnahmen kalkulieren und Wärme- und Stromlieferung über eigene Netze gut vermarkten. Durch die Gewerbesteuer entstehen Einnahmen für die Kommunen. „Das Geld des Dorfes dem Dorfe“ ist das Schlagwort. Laut THINK-Studie (Thüringer Institut für Nachhaltigkeit und Klimaschutz) aus dem Jahr 2011 beträgt die Ausschöpfung für das Berchtesgadener Land in den Bereichen Bioenergie, Photovoltaik, Solarthermie, Wasserkraft und Geothermie derzeit insgesamt 26 %. Also ein Viertel ist derzeit genutzt, es ist noch ausreichend Potential vorhanden.

Nachdem Herr Obermair und Herr Fellinger noch die Fragen der Anwesenden beantworteten, dankte Michael Koller allen Beteiligten für den interessanten Abend. Er stellte nochmals heraus, dass die Energiewende uns alle betrifft und zwar in jeder Hinsicht. Ziel müsse es sein, dass unsere Energie erneuerbar ist – gemeinsam geht´s, Stadt und Land – Hand in Hand!

Pressemitteilung Freie Wähler Berchtesgaden

Zurück zur Übersicht: Region Berchtesgaden

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser