Morbus-Bechterew-Info-Tour startete im BGL

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Freuen sich über den gelungenen Auftakt (von links): Marktbürgermeister Franz Rasp, Johann Tschürtz (Morbus Bechterew-Gruppe Traunstein/Traunreut), Landesvorsitzender Dr. Eckhard Pfeiffer sowie Helmut Dürnberger und Franz Gadenz (beide Morbus Bechterew-Gruppe BGL).

Berchtesgadener Land - Morbus Bechterew, eine schwere Krankheit, deren Existenz und Begleitumstände noch zu wenig im Bewusstsein der Bevölkerung verankert ist. Jetzt gab es einen Infotag.

Gerade bei Morbus Bechterew ist frühzeitiges Erkennen und Handeln wichtig, um dem Patienten ein möglichst wenig eingeschränktes Leben zu ermöglichen. Deshalb wurde eine bayernweite Informationskampagne ins Leben gerufen, die landesweit über die Krankheit aufklären will. Startschuss am Welt-Morbus-Bechterew-Tag war am Weihnachtsschützenplatz in Berchtesgaden.

Die ehemalige Behindertensportlerin Christiane Singhammer aus Laufen unterstützte den Aktionstag der DVMB.

Seit 33 Jahren besteht die Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew (DVMB), die bundesweit über 400 Gruppen zählt. Zu diesem Jubiläum hatte die Selbsthilfegruppe des Berchtesgadener Landes zu einem Aktionstag nach Berchtesgaden eingeladen. Am Stand gab's nicht nur Informationsmaterial: Betroffene informierten aus erster Hand über die schwere und nach wie vor unheilbare Erkrankung.

Berchtesgaden war erste Station der bayernweiten Aufklärungstour. Als nächstes wird der Info-Stand in Traunstein Halt machen. In Berchtesgaden freute sich der DVMB-Landesvorsitzende Dr. Eckhard Pfeiffer über den herzlichen Empfang und das große Interesse, dass der Kampagne entgegen gebracht wurde. „Wir wollen unser 33-jähriges Bestehen zum Anlass nehmen, um unsere Krankheit in der Bevölkerung bekannter zu machen. Bisher weiß kaum jemand, was Morbus Bechterew ist.“

Das ist Morbus Bechterew

Die Krankheit mit dem lateinischen Namen Spondylitis ankylosans ist eine schmerzhafte, chronisch verlaufende entzündlich-rheumatische Erkrankung, die sich vor allem an der Wirbelsäule auswirkt. Entzündungen der Wirbelgelenke, der Gelenke zwischen Wirbeln und Rippen sowie zwischen Kreuz- und Darmbein können zur Verknöcherung der Gelenkumgebung und zur knöchernen Überbrückung der Gelenke führen. Die Folge kann eine teilweise, im Endstadium auch vollständige Versteifung sein, oft in mehr oder weniger nach vorn gebeugter Haltung, sowie eine Brustkorbstarre, die das Atemvolumen einschränkt. Die Krankheit beginnt meistens zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr.

Die Erkrankung beginnt mit starken Schmerzen im unteren Rückenbereich, die nicht mehr beherrschbar sind. Eine Abklärung der Symptome ist beim Rheumatologen möglich, oft dauert es laut Dr. Pfeiffer aber jahrelang, bis eine gesicherte Diagnose steht. Umso wichtiger ist frühzeitiges Entgegenwirken: „Wir wollen gezielt auch junge Leute ansprechen, bei denen ein möglichst rasches Einsetzen der Therapie besonders wichtig ist.“ Denn im Zusammenspiel mit verbesserten Behandlungsmöglichkeiten gilt es zum Beispiel, den früher typischen gebeugten Rücken zu verhindern. „Es gibt Fälle, bei denen Erkrankte aufgrund der versteiften Wirbelsäule so gebeugt sind, dass sie ihrem Gegenüber nicht mehr in die Augen sehen können.“

Der DVMB-Landesvorsitzende bedankte sich bei allen Unterstützern der Aufklärungskampagne und hob unter anderem Marktbürgermeister Franz Rasp, den stellvertretenden BGL-Gruppensprecher Helmut Dürnberger und die Leiterin der Selbsthilfe-Kontaktstelle Berchtesgadener Land, Marie-Therese Roozen hervor. Ein spezieller Dank galt zudem Franz Gadenz aus Ainring, 25 Jahre lang BGL-Gruppensprecher sowie zehn Jahre lang Bundesvorsitzender: „Du hast dazu beigetragen, dass die DVMB eine der erfolgreichsten Selbsthilfe-Einrichtungen bundesweit ist.“

Prominente Unterstützung bekam der Aktionstag von Christiane Singhammer aus Laufen, die als Monoski-Rennläuferin internationale Erfolge im Behindertensport verzeichnete und unter anderem an den Paralympics 2002 und 2006 teilnahm. „Es ist bewundernswert, wie man mit einer solchen Behinderung so aktiv sein kann. Das ist für uns mit unserer vergleichsweise geringeren Behinderung ein großes Vorbild“, betonte Dr. Pfeiffer.

Der DVMB-Landesvorsitzende Dr. Eckhard Pfeiffer gab den Startschuss für den Auftakt der Aufklärungskampagne quer durch Bayern.

Bürgermeister Rasp betonte, dass die Marktgemeinde sehr gerne den Gastgeber für den Startpunkt der Info-Tour gibt: „Das ist eine tolle Sache, selbst aktiv zu werden und sich nicht einfach abzufinden. Gerade bei dieser Krankheit ist aktive Prävention besonders wichtig.“ Er wünschte der Info-Tour viel Erfolg und dass eine möglichst breite Masse erreicht wird.

Die Organisatoren hatten ein vielfältiges Programm für den Aktionstag vorbereitet, unter anderem wurde ein spezielles Gymnastik-Programm vorgeführt. Für musikalische Unterhaltung sorgte das „Wolkenbruch-Quartett“ aus Ainring, das seinem Namen allerdings keine Ehre machte und - zum Glück - bei viel Sonne spielte. Zum Abschluss wurde der Infowagen an die gastgebende Gruppe der nächsten Station in Traunstein übergeben.

Die Selbsthilfegruppe Berchtesgadener Land bietet viele eigene Angebote an, die von Fachliteratur zum Ausleihen bis hin zu Gymnastik-Angeboten reicht. So trifft sich unter anderem regelmäßig eine Nordic Walking-Gruppe, die auch für Nicht-Erkrankte offen steht. Weitere Informationen zu den Angeboten gibt es bei Franz Gadenz, Telefon 08654/5675, und bei Helmut Dürnberger, Telefon 08656/505.

tj

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