Hitzige Debatte und zustimmende Worte

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160 Seiten Notwendiges: Der Feuerwehrbedarfsplan der Freiwilligen Feuerwehr Berchtesgaden.

Berchtesgaden - Nach hitzigen Diskussionen im Vorfeld wurde der Feuerwehrbedarfsplan der Freiwilligen Feuerwehr Berchtesgaden aus allen Fraktionen begrüßt.

Dieser soll im Detail aufzeigen, wie es um das hiesige Feuerwehrwesen, das kommunale Pflichtaufgabe darstellt, bestellt ist. „Ich bin froh, dass das alles in einem überschaubaren Rahmen bleibt“, sagte 1. Kommandant Anton Brandner bei der jüngsten Gemeinderatssitzung. Dennoch machen sich Sorgenfalten bei ihm breit: der Personalstand könnte in mittelfristiger Zukunft dünner werden. Und deutliche Kritik hagelte es ebenso: In Richtung der Nachbargemeinde Bischofswiesen und der Kreisbrandinspektion.

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Einzigartig im Landkreis

Das Personal könnte zum Knackpunkt der Berchtesgadener Feuerwehr werden. „Die Personalgewinnung wird immer schwieriger“, sagte Brandner. Auch wenn man sich aktuell gut ausgerüstet sieht. „Wir haben einen soliden Personalstand“, sagte etwa Bürgermeister Franz Rasp. Aber er sagte auch: „Der Fokus muss auf der Zukunft liegen“. Denn da könnte es schwieriger werden, Nachwuchs für die Feuerwehr zu begeistern. Zum einen sind die Geburten rückgängig. Zum anderen wächst der zeitliche Aufwand bei der Feuerwehr deutlich. „Uns war es wichtig, transparent zu machen, wie viel Feuerwehr wir brauchen“, sagte Rasp. Dass die zehnminütige Hilfsfrist nicht immer eingehalten werden könne, sei der Topographie des Berchtesgadener Talkessels geschuldet. Kurse wolle er anbieten, Feuerlösch- Kurse etwa. Was den Gemeindechef freute: Die Feuerwehr verlässt mit dem Feuerwehrbedarfsplan im Hintergrund die Rolle des Bittstellers. „Der Plan stellt das Notwendige dar“, weiß Rasp. Wichtig sei es, dass der finanzielle Aspekt im Auge gehalten werde. „Es muss wirtschaftlich bleiben“. Weiterhin machte er klar, dass die Berchtesgadener Feuerwehr auf die Nachbarwehren angewiesen sei. „Es ist ein blanker Unsinn, dass uns vorgeworfen wurde, wir hätten das Bestreben, andere Feuerwehren aufzulösen“, so Rasp. Gemeinderat Josef Prex (CSU) sagte, der Bedarfsplan, „den es in solcher Form noch nie gegeben hat“, lasse keine Wünsche offen. Wenig Verständnis äußerte er gegenüber Bischofswiesens Bürgermeister Toni Altkofer und Kreisbrandrat Rudi Zeif, die beide dem Feuerwehrbedarfsplan im Vorfeld – vorsichtig ausgedrückt - skeptisch gegenüberstanden. Heftige Diskussionen hatte es gegeben, Anfeindungen unter Feuerwehrkollegen. „Die Sinnhaftigkeit haben die beiden nun, hoffe ich, endlich erkannt“, so Prex. Er appellierte an die Nachbargemeinden, Synergieeffekte zu nutzen und auch in Zukunft gut zusammenzuarbeiten. Michael Koller (Freie Wähler Berchtesgaden) bedankte sich für die ausführliche Ausarbeitung und forderte, dass künftige Fehlalarme dem Einzelnen „künftig richtig wehtun“. Außerdem regte er an, sich Gedanken zu machen, ob es nicht sinnvoll wäre, weitere 400-Euro- Kräfte anzustellen, um dem anfallenden bürokratischen Aufwand gerecht zu werden und nicht weiterhin ehrenamtlich tätige Feuerwehrkräfte damit zu überfordern. „Einfach nur gewaltig“, sagte Michael Widmann (Grüne): „So stelle ich mir eine wohltuende Zusammenarbeit vor“, lobte der Gemeinderat. Als „zukunftsweisendes Konzept“ erkannte Hans-Jürgen Kortenacker (Berchtesgadener Bürgergruppe) den Feuerwehrbedarfsplan. Der Nachbargemeinde attestierte er, ohne den Namen „Bischofswiesen“ aussprechen zu wollen, „Verfolgungswahn“, da im Vorfeld immer wieder Stimmen gegen den Bedarfsplan aufgekommen waren. „Verantwortungslosigkeit“, warf Dr. Bartl Wimmer der Kreisbrandinspektion vor, da diese nicht erkannt habe, wie wichtig eine Umsetzung sei. „Das könnte man ja fast mit einer unterlassenen Hilfeleistung gleichstellen“, wetterte er. In ungewohnt knappen Worten bedankte sich Bartl Mittner (SPD) bei den Planerstellern. Und Bürgermeister Franz Rasp bot an, auch allen Nachbarwehren gerne und jederzeit mit einem offenen Ohr zur Verfügung zu stehen. Immerhin ist der Feuerwehrbedarfsplan etwas, was es im gesamten Landkreis bislang noch nicht gab.

kp

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