Baustelle mit Blick auf den Watzmann

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Die Direktorin des Staatlichen Hochbauamtes Traunstein, Doris Lackerbauer, vor der Musterfassade aus heimischem Holz.

Berchtesgaden - Mit dem „Haus der Berge“ soll in Berchtesgaden ein nachhaltiges Zeichen gesetzt werden. Wir haben auf der Baustelle am Berg einen Blick hinter die Kulissen gewagt.

Für das Hochbauamt Traunstein, dem Doris Lackerbauer als Baudirektorin vorsteht, ist das „Haus der Berge“ eine Besonderheit, auf die sie stolz ist – die Entwurfsplanung für das ambitionierte Projekte stammt aus ihrem Haus. Ein Beweis des hiesigen Kompetenzerhaltes, wie sie sagt. Zufrieden zeigt sich Lackerbauer auch angesichts des aktuellen Baufortschrittes: „Wir liegen mit dem Haus der Berge im Zeitplan“, mit jenem Projekt, das in den Jahren zuvor viele Hindernisse bewältigt hatte. Jetzt, nach Fertigstellung des Betonbaus wird die Dämmung aufgebracht. In Kürze folgt der konstruktive Holzbau und Mitte des Jahres soll der Massivbau unter einer aus heimischem Holz hergestellten Holzverschalung verschwinden.

„Wir haben drei Ministerpräsidenten überlebt“, sagt der Leiter des Nationalparks Berchtesgaden, Dr. Michael Vogel. Das Projekt selbst, die Idee, ist inzwischen einige Jahre alt, nun kommen die Zahnräder langsam ins Laufen, die meisten Widerstände sind beseitigt. Die Konzeption steht, der „Harmonische Dreiklang“, der das „Haus der Berge“ einmal auszeichnen soll, eine Kombination aus informativen, bildenden und erlebnisorientierten Inhalten: Ausstellung, Umweltbildungsstätten, Außengelände. Das besondere Highlight dürfte aber jene Ausstellungskonzeption des in der vertikalen Längsachse etwa 100 Meter Länge messenden Gebäudes sein, vertraut man den Worten von Projektleiter Ulrich Brendel. Wir durften mit auf die Baustelle.

Es ist wohl der an exponiertester Stelle gelegene Baucontainer überhaupt – mit bestem Blick, unverbaut, auf den imposanten Watzmann: Innen finden sich Wände voller Skizzen, Pläne, Konzeptionen – auf den Plänen ist das „Haus der Berge“ bereits fertig umgesetzt. Die anwesenden Verantwortlichen haben ein festes Bild vor geistigem Auge – wie das Projekt sich spätestens Ende 2012 einmal zeigen wird, wenn es, den Planungen nach, abgeschlossen ist. Die Stimmung im Baucontainer ist locker, zwar gibt es noch so manche Schwierigkeiten. Sponsoren fehlen im Ausstellungsbereich, die Umsetzungskosten erscheinen mit etwa 19 Millionen Euro hoch, sind dennoch knapp bemessen.

Das Ziel ist ein Bauwerk, das zukunftsweisend sein soll, nicht nur von Seiten der Gestaltung. Die Zielsetzung ist es, den Nationalpark in seiner „Einzigartigkeit und alpenweiten Einbindung“ zu präsentieren, ökologische Zusammenhänge aufzuzeigen, zum nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen der Natur anzuregen und schließlich ein Bewusstsein über den Nationalpark zu bilden. Auszeichnen soll das „Haus der Berge“ jener „Harmonische Dreiklang“, der sich als erkennbarer roter Faden präsentiert und der sich durch die Bereiche der Ausstellung, jener in Richtung des Gmundbergs gelegenen Umweltbildungsstätten und das Außengelände zieht.

Alle Bereichen liegt eine klare Grundkonzeption zugrunde, die dem „Haus der Berge“ ein Alleinstellungsmerkmal garantieren sollen. Über allem trumpft die Bergvitrine. Ein etwa zwölfminütiger Film, der eigens erstellt wird, soll in der Bergvitrine abgespielt werden, ehe sich die zehn Meter langen Lamellen öffnen und den Blick auf den Watzmann offenbaren. Ein dramaturgischer Höhepunkt, eine „große Herausforderung“, sagt Michael Butschkau, Architekt am Staatlichen Hochbauamt Traunstein. Der Baukörper selbst wird von einer vertikalen Längsachse geprägt, 17 Meter Höhenunterschied mussten auf dem Grundstück überwunden werden, eine Zergliederung der Baumaßnahmen fand statt, das Gebäude schiebt sich in den Hang hinein, wirkt straßenseitig unscheinbarer.

Die Verantwortlichen warten auf die Holzkonstruktion aus heimischen Holz, das derzeit im Werk verarbeitet wird und den Massivbau dann in natürlicher Weise ergänzen wird. Kein einziger Quadratmeter Sichtbeton wird an der Fassade dann zu finden sein. Heimische Materialien kommen zum Zug - Tanne, Lärche, Fichte, Kiefer. Der Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit sei beim „Haus der Berge“ besonders wichtig, sagt Doris Lackerbauer und auch Marktbaumeister Helmut Grassl weiß um die natürliche Verwitterung des Holzes Bescheid. Jede Holzart verändert sich auf eigene Weise, ein „gestalterisches Element“, kaum beeinflussbar, „für den einen oder anderen könnte das das auf den ersten Blick schwer verständlich sein.“ Auf den ersten Blick. Denn: Die Natur verändert sich auch, also war es eine logische Schlussfolgerung, auch jene Hölzer an der Fassade sich der Witterung entsprechend entwickeln zu lassen.

„Die Natur ist im Wandel“, sagt Projektleiter Ulrich Brendel. Eine Tatsache, die an der Außenfassade aufgegriffen wird. So auch jener wetterfeste Baustahl, der zum Einsatz kommt – vorbehandelter Cortenstahl, zum einen im Unterhalt „unschlagbar günstig“, aber eben auch als gestalterische Maßnahme, Rosten inklusive. „Rost wird für gewöhnlich als Schande erkannt“, sagt Marktbaumeister Grassl, in diesem Fall zu Unrecht, wie er findet. Ein Bürger denke in Ein- bis Zwei-Familienhaus-Dimensionen, eine derartige „Architektur-Komposition“ sei nicht alltäglich – müsse aber Einmaligkeit dokumentieren. 

Bereits in der zweiten Juliwoche soll, dem Plan nach, das Richtfest stattfinden.

kp

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