„Eineinhalb Tage wie ein Rockstar“

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Berchtesgaden - Die Jungs von der Band „First Class Ticket“ haben in den letzten Jahren schon einige große Konzerte gespielt. Am 22. August treten sie bei "Chiemsee Rocks" auf.

„First Class Ticket“ nennen sie sich – und sie liefern feinen Punkrock aus dem Berchtesgadener Land. Die Band rund um Sänger Martin Galler, die Gitarristen Simon Grasser und Moritz Hammrich, Drummer Hubert Öllerer und Bassist Matthias Althaus haben in den letzten fünf Jahren seit ihres Bestehens so manch großes Konzert gespielt. Die Kombo hat ihre ersten CDs veröffentlicht, sie war mit Stefan Dettl, Frontmann von „LaBrassBanda“ auf Tour, absolvierte in der Münchner Olympiahalle einen Auftritt vor Tausenden Musikbegeisterten. Ein weiterer Höhepunkt in diesem Jahr steht noch aus: der erste Konzertauftritt bei „Chiemsee Rocks“ am 22. August.

Ein Leben für die Musik

„Jeder bringt seine Ideen ein“, sagt Martin Galler, der Sänger. Galler ist ein junger Mann, der Kopf der Truppe, zumindest ist er derjenige, der größtenteils antwortet, wenn man Fragen in die Runde stellt. „Meistens ist es ein Gitarrenriff“, sagt er. Eine erste Idee, dann wird gemeinsam überlegt. Ist es gut oder schlecht? Falls die Jungs zufrieden sind, wird ein Song drum herum gestrickt. Hört sich einfach an, ist es aber nicht. Trotzdem hat die fünfköpfige Gruppe schon so manchen Ohrwurm „gebastelt“, die Zutaten scheinen recht simpel zu sein. Knapp 4000 Fans vereinen die Musiker, die unter anderem aus Schönau am Königssee, aus Bayerisch Gmain und aus Feldkirchen kommen, um sich. Keiner der fünf hat eine Ausbildung im musikalischen Sinne: „Wir haben uns alles selbst beigebracht“, sagt der Sänger. Regelmäßig wird geübt, sie leben für die Musik.

Das erste Album

Die erste CD nahmen sie nach einem Jahr bei einem Bekannten auf. Ein paar Lieder, das CD-Cover war ein einfacher Aufkleber. Ein kurzes Kopfschütteln: Im Vergleich zu heute war die Qualität damals bescheiden, was die Aufnahme, aber auch die Songs betrifft, sagen sie. Aber was soll’s: Viele ihrer Fans lieben die alten Lieder, „sie können alles auswendig“, weiß Simon Grasser, der Gitarrist. Und das ist die Hauptsache und der Grund, warum das Quintett immer wieder auf die Bühne möchte. Früher war „MySpace“ ein wichtiger Anlaufpunkt für jene Bands, hinter denen keine Plattenfirma stand. Eine Anlaufstelle im Internet, über die man die Songs anhören – und dann auch direkt eine Platte bestellen konnte. Als die erste CD fertiggestellt war, schossen die Klickzahlen auf „MySpace“ in die Höhe. „Wir hatten am ersten Tag über 1000 Aufrufe“, erinnert sich Martin Galler. Heute spricht niemand mehr von „MySpace“. Nur noch „Facebook“ gilt als Maß aller Dinge.

Facebook ist das neue MySpace

Buchungsanfragen und Fan-Feedback erreicht die Jungs ausschließlich über das soziale Netzwerk. Denn einen eigenen Internet-Auftritt haben sie bislang nicht. Bei ihrer ersten CD-Präsentation kamen 130 Leute, die CD verkaufte sich „ziemlich schnell 500 Mal“. Ein guter Erfolg. Unter der Woche arbeiten alle. Gewöhnliche Jobs – „wir können unseren Chefs echt dankbar sein, dass sie schon oft Nachsehen mit uns hatten“, sagt Galler zufrieden. Denn das Band-Leben erfordert viel Zeit und viel Geld. Konzerte finden meist am Wochenende statt, Freitag und Samstag, „eineinhalb Tage leben wie ein Rockstar“. „Wir fragten am Anfang bei jeder Gelegenheit, ob wir spielen durften.“ Mit Erfolg. Jugendheime, kleinere Konzerte. „Dadurch lernt man neue Menschen kennen“, weiß Galler. So nahm die Sache ihren Lauf.

Ein vollwertiges Album musste her, professionell aufgenommen. „Wir haben viel Zeit investiert“, sagt Simon Grasser. Vier Monate lang wurde „geklimpert“, Songs wurden neu geschrieben, wieder zerlegen, erneut strukturiert. Das große Ziel: eine „dicke“ Release Party zu veranstalten. 400 Menschen kamen, ausverkauft. Durch die Platte folgten erste große Support-Konzerte, Veranstalter wurden angeschrieben, „wir wollten alles machen, was geht“, sagen die ambitionierten Musiker. Das Gute an der Sache: „Der Galler kann saulästig sein, wenn er sich was in den Kopf gesetzt hat“, sagt Kollege Hubert Öllerer. Sie blieben dran.

Auf Tour mit Stefan Dettl

Stefan Dettl, der Frontmann von LaBrassBanda, sollte dann einen ersten großen Traum verwirklichen, nachdem „First Class Ticket“ den Kontakt aufgenommen hatte. Die fünf durften mit auf Tour, spielten zwölf Konzerte in 15 Tagen. Unterwegs waren sie im Tourmobil, das Leben als Rockstar in greifbarer Nähe. Beim Catering durften sie sich bei den „Großen“ bedienen. Ansonsten hieß es: Selbstversorger. Im Circus Krone folgte ein weiteres Highlight. Ein Konzert vor 2000 Musikbegeisterten, 20 Minuten spielen, „Hauptsache, wir bekommen die Möglichkeit dazu“, sagt Galler. Richtig groß wurde es dann aber im Klosterhof von Benediktbeuern. Vorband war „First Class Ticket“ dort, 7000 Menschen hörten zu. In der SAP-Arena in Mannheim haben die Jungs zwischenzeitlich gespielt, in der Olympiahalle in München. Nie als Hauptact, aber man war dabei, immerhin. „Visionen sind wichtig, um interessant zu bleiben“, sagt der Sänger und weiß, wovon er spricht. Zurzeit arbeiten die fünf an einer neuen CD. „Neu und noch besser“ soll sie werden, ein Video wird es geben. Erst kürzlich brachten sie bei „Rock am Rathaus“ in Berchtesgaden die Menge zum Toben. Ein kleiner Auftritt, mit besonderem Herzblut gespielt. „Es ist immer schön, in der Heimat zu spielen“, sagt Simon Grasser. Und obwohl die fünf alle erst Anfang, Mitte zwanzig sind, wissen sie: „Die Zeit tickt“.

In dem Stil weiterzumachen und für das Wochenende zu leben, geht auf Dauer nicht. Der Familienwunsch ist bei so manchem präsent, die feste Freundin wartet im Hintergrund. Aber ans Aufhören denken? Sicher nicht. Dazu ist die Zeit zu gut. Um Geld geht es ihnen nicht, sagen sie, „aber wir erleben viel“. Allein die gemeinsame Zeit im Auto, auf dem Weg zu den Konzerten, sei einmalig und in jeder Hinsicht unbeschwert. Demnächst geht es zu „Chiemsee Rocks“, das am 22. August stattfindet. Da sind sie mit von der Partie. „Das ist ein Band-Höhepunkt“, sagt Martin Galler. Ein weiterer unter vielen. Ein musikalisches Ende? Definitiv noch nicht absehbar.

kp

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