Einzigartig im Landkreis

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Berchtesgaden - Es ist ein großer Wurf, den die Freiwillige Feuerwehr Berchtesgaden zusammen mit dem Markt da kürzlich im Gemeinderat präsentierte: der Feuerwehrbedarfsplan.

Einzigartig im Landkreis. Ein Werkzeug, um den Ist-Zustand aufzuzeigen. Darüber hinaus soll „das Schutzniveau für Brandschutz, Technische Hilfeleistung und Katastrophenschutz im Markt Berchtesgaden“ festgelegt und daraus „notwendig Maßnahmen“ abgeleitet werden, sagt Thomas Pfnür, der den 160 seitigen Plan in eineinhalb Jahren ausgearbeitet hat. Denn: Das Feuerwehrwesen ist kommunale Pflichtaufgabe. Und mit der Planung tritt die Feuerwehr auch ganz offiziell aus der Rolle des Bittstellers heraus.

Es waren die Grünen-Fraktion und die Berchtesgadener Bürgergruppe, die den Bedarfsplan ins Rollen brachten. Weil sie es als notwendig erachteten. „Ich freue mich, dass das schließlich so umgesetzt wurde“, sagt Thomas Pfnür, bei der Feuerwehr ist er Zugführer im 1. Zug. Denn ein Feuerwehrbedarfsplan ist in Bayern keine Pflichtaufgabe. Noch nicht. Pfnür macht aber keinen Hehl daraus, wenn er sagt, dass solch ein Werk nur Vorteile mit sich bringt. Denn früher gab es zwar Einzelkonzepte. Notiert waren diese aber nirgends. Jetzt ist die Arbeit fertig. „Die Kenntnisse durch unsere Analysen bleiben in der Gemeinde“, freut er sich nun. Schließlich ist der Feuerwehrbedarfsplan eine wissenschaftliche Arbeit, die viele Ergebnisse aufzeigt. Bis ins Detail herausgearbeitet. 30.000 Euro würde solch ein Werk im Auftrag kosten. In Berchtesgaden hat man sich selbst an das Mammutprojekt gewagt.

Und weiß etwa nun, dass die in den vergangenen Jahren gefahrene Feuerwehr-Strategie gut war. Was man auch weiß: Die zehn Minuten Hilfsfrist, also die Zeit vom Absetzen des Notrufs bis die Feuerwehr eintrifft, kann in so manchen Ortsbereichen nicht eingehalten werden. „Damit muss man leben“, sagt Thomas Pfnür. Deshalb neue Feuerwehrhäuser? Nein, denn das Feuerwehrwesen darf den Kostenrahmen einer Gemeinde nicht sprengen. Man muss also mit anderen Lösungen arbeiten. Bürgermeister Franz Rasp hat zugesichert, all jene, die außerhalb des Hilfsfrist-Bereichs der Feuerwehr liegen, in einem Brief zu informieren. 500 bis 600 Personen sind das immerhin. Angedacht sind vorbeugende Kurse für Interessierte. „Wie bediene ich einen Feuerlöscher im Notfall?“, soll dort etwa geklärt werden. Was keiner wusste: Auch die Anwohner des Rostwalds liegen außerhalb der Hilfsfrist. Das bedeutet, dass es der Freiwilligen Feuerwehr nicht möglich ist, in zehn Minuten nach Notrufeingang vor Ort zu sein. „Bischofswiesen wäre schneller da“, sagt Pfnür – und hofft auch in Zukunft auf eine gute Zusammenarbeit mit den Nachbarwehren. 

Der Feuerwehrb​edarfsplan

Für 17 Prozent aller Straßenkilometer im Marktbereich bräuchte die Feuerwehr länger als zwölf Minuten. In Zahlen gesprochen sind das aber nur knapp vier Prozent an Zielen. Welche weiteren grundlegenden Ergebnisse bringt der Bedarfsplan mit sich? „Vielfältig sind diese“, weiß Pfnür. So wurden etwa die Gemeindebereiche Markt, Au und Gern in Risikokategorien eingestuft. Dort zeigt sich dann, dass Brandfälle im Marktbereich am höchsten sind, Notfälle im Wasser dafür generell selten vorkommen. Dass die Gerätehäuser-Situation in der Au in Ordnung ist, in Maria Gern die Lagerkapazitäten aber ausgereizt sind und im Markt „Defizite durch die Fertigstellung ausstehender Bauabschnitte behebbar“ wären. Der aktuelle Fuhrpark der Freiwilligen Feuerwehr Berchtesgaden deckt die Bedarfe der Gemeindeteile ab, heißt es im Feuerwehrbedarfsplan. Die Analyse hat weiterhin ergeben, dass „Einsparpotenziale bei Ersatzbeschaffungen“ möglich wären. Trotzdem kostet das Feuerwehrwesen auch in Zukunft viel Geld.

Die im Bedarfsplan empfohlenen Ersatzbeschaffungen bis zum Jahr 2017 summieren sich auf 800.000 Euro. Förderungen könnten in Höhe von 170.000 Euro beantragt werden. Diverse Gerätschaften, die im Besitz der Feuerwehr sind, sind zwischenzeitlich überflüssig geworden und können ausgesondert werden. So will die Feuerwehr einen Pulverlöschanhänger veräußern sowie zwei Tragkraftspritzen. In der persönlichen Schutzausrüstung sei man „gut ausgestattet“. Auch die Mindeststärke an Personal werde in allen Bereichen eingehalten. Aber ein deutliches Problem zeichnet sich ab: „Es ist nicht mehr so einfach, an Nachwuchs zu kommen“, sagt Thomas Pfnür.

Da hatte es die Feuerwehr früher einfacher. „Wir sind noch immer attraktiv, aber die Konkurrenz ist stärker geworden“, weiß er. Trachten-, Sportvereine, Blaskapellen, Freundescliquen. Somit stehen die Personalrekrutierung und die Jugendarbeit klar im Fokus der nächsten Jahre. Tagsüber ist es selbst heute schon ein Problem, die Löschzüge im Notfall mit ausreichend Personal auszustatten. Hinzukommt: Als Feuerwehr-Einsatzkraft muss man viel Zeit für sein Hobby aufbringen. Selbst ohne Sonderfunktionen muss jeder Feuerwehrmann pro Jahr mindestens 40 Ausbildungseinheiten à 45 Minuten absolvieren. Von Einsätzen und bürokratischem Aufwand ganz zu schweigen. „Da zeigt sich eine schleichende Überlastung beim Einzelnen“, sagt Thomas Pfnür.

Um dem entgegenzuwirken, gibt es bereits 400-Euro-Stellen, die sich wenigstens um die Bürokratie kümmern, da diese immer mehr Zeit in Anspruch nimmt. Damit sei es aber noch nicht getan. Der Feuerwehrbedarfsplan ist fertig, die Planungsziele vorgegeben. Es wird sich zeigen, was die Zukunft bringt. Und ob auch bei den Nachbarwehren das Interesse geweckt ist.

kp

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