Heimatkundeverein feiert Fünfzigsten

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Zum ersten Mal in der Geschichte des Heimatkundevereins wurden vom 1. Vorsitzenden Alfred Spiegel-Schmidt (rechts) langjährige Mitglieder geehrt; zudem wurden Bartl Ponn und Dr. Herbert Pfisterer zu Ehrenmitgliedern ernannt.

Berchtesgaden - Anlässlich des 50-jährigen Bestandsjubiläums des Heimatkundevereins begingen die Mitglieder und Gratulanten des Vereins einen Festabend.

Der Blick in die Geschichte gehört zu den ureigensten Aufgaben eines Heimatkundevereins. Besonderen Reiz bekommt dies, wenn es sich um die eigene Geschichte handelt. Mit einem Festabend feierte der Heimatkundeverein Berchtesgaden sein 50-jähriges Bestehen und durfte sich über zahlreiche Gratulanten und eine Premiere freuen: zum allerersten Mal in der Vereinsgeschichte wurden verdiente und langjährige Mitglieder geehrt. Fast bis auf den letzten Platz besetzt ist der Pfarrsaal St. Andreas bei der Begrüßung der Festgäste, die 2. Vorsitzender Gernot Anders übernimmt. Der geht auf die Wurzeln des Heimatkundevereins ein, die bis in das Jahr 1896 zurückreichen. Doch reicht der Blick nicht nur zurück, sondern auch voraus: So gibt es im Jubiläumsjahr nicht nur ein neues Logo, sondern seit März auch erstmals eine eigene Homepage (www.heimatkundeverein-berchtesgaden.de).

Im Rahmen des Festabends zum 50-jährigen Bestehen des Heimatkundevereins überreichte Vorsitzender Alfred Spiegel-Schmidt Spenden von jeweils 5.000 Euro an Pfarrer Peter Demmelmair (rechts) und Pfarrer Peter Schulz. Das Geld wird für die Restaurierungen der Hubertus- und der Kalvarienbergkapelle verwendet.

170 Mitglieder zählt der Verein derzeit, von denen viele zum Festabend gekommen sind. Und auch einige Ehrengäste, die Anders gesondert begrüßte: unter anderem Landratsstellvertreter Rudi Schaupp, Hausherr Peter Demmelmair und dessen evangelisches Pendant Peter Schulz sowie Dr. Johannes Lang als Vorsitzender des Bad Reichenhaller Heimatkundevereins. Für den Markt Berchtesgaden war 3. Bürgermeister Bartl Mittner zugegen, Gemeindeoberhaupt Franz Rasp sollte später noch nachkommen. „Aus den anderen vier Gemeinden ist kein Bürgermeister gekommen; vielleicht ist das schon das Zeichen, dass wir im Talkessel doch bloß einen Bürgermeister brauchen“, so Anders mit einem Augenzwinkern.

Viel Lob und ein Präsent von Landrat Georg Grabner hatte Rudi Schaupp im Gepäck. Er würdigte den Drang, herauszufinden, „was es mit der Gegend, in der sie aufgewachsen sind oder ihren Lebensmittelpunkt haben, auf sich hat“. Der Heimatkundeverein ist in den Jahren seines Bestehens einer Vielzahl von Fragen nachgegangen und dabei „zu teilweise ganz bemerkenswerten Ergebnissen gekommen“, unter strich der Landrats-Stellvertreter: „Insbesondere auf dem Gebiet der Brauchtumspflege ist dem Heimatkundeverein ein beträchtlicher Wissenszuwachs zu verdanken. Sie haben uns Berchtesgaden transparenter und durchschaubarer gemacht.“

Schaupp wünschte sich, dass dieses Engagement im Heimatkundeverein auch künftig seine Fortsetzung findet: „Es gibt noch viele unbeantwortete Fragen.“ In dasselbe Horn stieß auch Bartl Mittner: „Sie sorgen dafür, dass die Geschichte Berchtesgadens bewahrt wird und in uns allen lebendig bleibt.“ Er erinnerte an die bekannten Namen, die schon den Vereinsvorsitz innehatten, seit 20 Jahren ist dies nun Alfred Spiegel-Schmidt. Ihm und allen engagierten Mitstreitern sprach der 3. Bürgermeister Dank und Anerkennung der Marktgemeinde aus; das Präsent wollte Franz Rasp später noch selbst überreichen.

Für den Festvortrag konnte Hans Roth gewonnen werden, der als stellvertretender Vorsitzender die Grüße des Verbandes bayerischer Geschichtsvereine überbrachte. Auch er unterstrich die wichtige Aufgabe, die Mitglieder des Heimatkundevereins erfüllen: „Sie motivieren und sensibilisieren die Menschen für die Pflege und den Erhalt der Geschichte.“ Der Festredner blickte zurück auf die Geschichte des Heimatkundevereins und handelte auch aktuelle Fragen und Probleme ab - durchaus nicht unkritisch. So hört er oft vom Fehlen junger Leute in den Geschichtsvereinen, doch: „Diese Klage ist nicht neu. Historische Vereine waren noch nie Jugendorganisationen.“ Roth ging dabei auf den Wandel ein, dem auch die Heimatkundevereine unterliegen: „Die Zeiten sind vorbei, dass Mitglieder am Samstag und Sonntag mit Schaufel und Pickel losgezogen sind, um Hügelgräber zu öffnen.“ Er zeichnete das Bild einer Spaß- und Erlebnisgesellschaft, in der es immer schwieriger wird, Menschen für die Übernahme von Ehrenämtern zu begeistern.

Auf der anderen Seite zieht er genau daraus auch Hoffnung: „Eigentlich ist die Zeit reif für uns. In Zeiten von Globalisierung und weltweiter Vernetzung sehnt sich der Mensch nach Geborgenheit.“ Er rief dazu auf, trotz aller Widerstände, die wichtige Aufgabe auch weiterhin zu erfüllen: „Wir werden uns mit unseren Argumenten nicht immer durchsetzen können, aber wir müssen uns zu Wort melden. Wir sind nicht nur das historische Gewissen, sondern auch das Gedächtnis unserer Heimat.“ Besonderes Lob zollte der Festredner dabei dem seit 20 Jahren tätigen Vereinsvorsitzenden Alfred Spiegel-Schmidt. Als Anerkennung für dessen Verdienste überreichte er ihm die Ehrennadel des Verbandes bayerischer Geschichtsvereine. Der gab den Dank postwendend an seine Vorstandsvertreter weiter: „Ihr alle habt diese Nadel mitverdient.“

Nun war es Zeit für eine Premiere: Zum ersten Mal in der Geschichte des Heimatkundevereins wurden langjährige Mitglieder für ihre Treue geehrt. Ehrenurkunde und das Buch „Die Berchtesgadener Holzhandwerker und Bildhauer im Barock“ bekamen für über 40-jährige Mitgliedschaft: Stefan Fischer, Gabriele und Franz Moser, Peter Mayr, Walter Moser, Ludwig Renoth und Anton Stöckl. Dr. Josef Maidl war verhindert und vorab bereits geehrt. Besonders freute es den Vorsitzenden, dass auch zwei Gründungsmitglieder anwesend waren. Bartl Ponn und Dr. Herbert Pfisterer haben sich um den Verein und um Berchtesgaden verdient gemacht und wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Das dritte noch lebend Gründungsmitglied, Gebhard Droßbach, wurde wegen Erkrankung ebenfalls vorab bereits geehrt. Großer Applaus dankte allen Geehrten und nach einem weiteren Stück der Priesberg-Musi beendete Alfred Spiegel-Schmidt den offziellen Teil und bat alle Gäste zu einem Stehempfang als stimmungsvoller Ausklang.

Spendabel zeigt sich der Heimatkundeverein Berchtesgaden im Jahr seines 50-jährigen Bestehens. Den Erhalt heimischer Geschichte haben sich die Vereinsmitglieder auf die Fahnen geschrieben und unterstützen die kostspieligen Restaurierungen zweier barocker Bauten im Talkessel: Jeweils 5.000 Euro werden für die Hubertuskappelle in Unterstein und die Kalvarienbergkapelle gespendet. Beim Festabend zum 50-jährigen Bestehen des Vereins hatte der 1. Vorsitzende Alfred Spiegel-Schmidt zwei große Schecks mitgebracht. Er erinnerte zunächst daran, dass schon zum Anlass des 40-jährigen Bestehens 2002 der Löwe auf dem Marktbrunnen restauriert wurde. Diesmal sollte ein Beitrag zur Restaurierung zweier barocker Bauten der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde geleistet werden. Der ehemals zu Schloss Fürstenstein gehörige Kalvarienberg wurde 1760 erbaut.

Durch eine Stiftung kam die Kapelle letztlich in den Besitz der Pfarrei. Durch einen Brand 1966 und in der Folge auftretende Baumängel wurde die Kapelle schwer beschädigt und drohte auseinander zu brechen. 2011 begann die aufwändige Restaurierung, die nun beinahe abgeschlossen ist. Direkt nach der Kalvarienbergkapelle wurde die Schornkapelle gebaut (1760 bis 1763). Nach dem ehemaligen Schloss Hubertus des Grafen Arco nannte man sie Hubertuskapelle.

2010 ging der mittlerweile dringend renovierungsbedürftige Bau in den Besitz der evangelischen Kirchengemeinde über. „Beides sind barocke Bauten, beide wurden von Fürstpropst Michael Balthasar Graf von Christallnigg direkt hintereinander im Laufe der Gegenreformation erbaut, beide waren der schmerzhaften Mutter Gottes geweiht und beide standen zur selben Zeit zur Reparatur an“, so Spiegel-Schmidt. Dem überkonfessionellen Heimatkunde verein war es ein Anliegen, beiden Kirchengemeinden für die mustergültigen Restaurierungen zu danken: „Wir hoffen, nicht nur finanzielle Lücken zu schließen, sondern auch, dass diese Kleinode weiterhin zu Ehren Gottes und als Augenweide für Einheimische und Gäste gepflegt und erhalten werden.“ Die beiden Pfarrer Peter Demmelmair und Peter Schulz bedankzen sich herzlich für diesen unerwarteten Geldsegen.

tj

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