79 Jahre und kein bisschen langsam

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Der 79-jährige Eberhard Mahle ist einer der erfolgreichsten Rennfahrer überhaupt. Bei 210 Starts holte er 150 Siege.

Berchtesgaden - Mit inzwischen 79-Jahren lässt es sich Eberhard Mahle nicht nehmen, ins Lenkrad zu greifen. Auch bei der Württembergischen Classic trat er in diesem Jahr an.

Superlative? Die kennt der 79-Jährige zuhauf. In seiner Zeit als Rennfahrer von 1954 bis 1968 ist Eberhard Mahle bei 210 Rennen mitgefahren. 150 davon hat er gewonnen. Auch in Berchtesgaden war er erfolgreich. „Damals, beim Bergrennen am Rossfeld“, erzählt der quicklebendige Ausnahmefahrer. Bei der 17. Auflage der Württembergischen Classic, die dieses Jahr Premiere in Berchtesgaden feierte und an der 200 Oldtimer mitwirkten, war Mahle aktiv dabei.

Schon seit Kindheitsbeinen an ist Eberhard Mahle vernarrt in Autos. Kein Wunder, entstammt er doch einer Familie, in der Vierräder seit jeher eine große Rolle spielten. Die Firma Mahle stellt Fahrzeugzubehör her, ist einer der größten Autozulieferer überhaupt. Heutzutage ist das Unternehmen zwar nicht mehr in Familienbesitz, beschäftigt aber 65.000 Angestellte in 120 Werken und 30 Ländern.

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„Ich bin mit Motoren und Autos aufgewachsen“, erzählt er. Bereits als 16-Jähriger, 1949 war das, sei er Zuschauer bei Motorrad- und Autorennen gewesen, habe im Fahrerlager über die technischen Probleme der Boliden diskutiert. Schon damals zeigte sich, dass der junge Eberhard ein besonderes Faible für schnelle Flitzer hatte. „Ich konnte ganz gut Autofahren“, weiß er. An Rennen mitzuwirken, war nur noch eine Frage der Zeit. Aber den Vater anzupumpen, ob er nicht einen Porsche kriegen könnte, war von wenig Erfolg gekrönt. Mahle lacht, als er das sagt. „Er war ein sparsamer Schwabe“. Und ein weiterer Punkt kommt hinzu, der ausschlaggebend schien, dass es mit einem Porsche in so jungen Jahren zunächst nicht klappen sollte. „Mein Vater empfand den Sport als zu gefährlich.“

Eberhard Mahle musste also sparen. Als er 2.500 Mark zusammen hatte – viel Geld damals -, holte er sich einen DKW-Tourenwagen. Gleich beim ersten Rennen im Jahr 1954, der Rallye Solitude, gewann er den ersten Preis. Ein Sensationserfolg, der den jungen Mahle schnell als Rennfahrer etablieren sollte. Unter der Woche arbeitete er im familieneigenen Unternehmen im Export, am Wochenende warteten die Rennwagen auf ihren Einsatz. Marken wie Abarth, Alfa Romeo, BMW, Borgward, Mercedes-Benz oder Porsche steuerte er erfolgreich ins Ziel.

Mit dem Daimler Benz 280 SE Coupe war Eberhard Mahle unterwegs bei der Fahrerparade der Württembergischen Classic.

Unter seinen Gegnern war er bestens bekannt. Trotzdem sagt er: „Wir hatten alle ein sehr gutes Verhältnis untereinander“. Am Abend gemeinsam am Tisch sitzen und über den vergangenen Renntag plaudern? Kein Problem. Heutzutage seien Rennfahrer, welcher Klassen auch immer, berüchtigte Konkurrenten, die sich nichts gönnen. Und was ist der Hauptunterschied zwischen einem Eberhard Mahle und einem Rennfahrer von heute? „Die verdienen unwahrscheinlich viel Geld“. Früher sei das ganz anders gewesen. Da zählte der fahrerische Erfolg, die Leidenschaft zu den Boliden.

Eberhard Mahle kam in ganz Deutschland herum, holte erste Plätze beim 1000-Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring, bei der Rally Hockenheim, bei der Österreichischen Alpenfahrt – und auch das Bergrennen am Rossfeld, das es Anfang der 60er Jahre noch gab, zählt zu seinen persönlichen Höhepunkten. „Ich verbinde viel mit Berchtesgaden“, sagt die Rennfahrer-Legende, die nie einen Unfall hatte. „In Argentinien habe ich mich während eines Langstreckenrennens überschlagen“, erzählt er beiläufig. Wohl aber auch, weil sein Beifahrer ein falsches Kommando gab. Nicht weiter tragisch. Und trotzdem: „Viele meiner Konkurrenten sind im Laufe der Jahre bei Rennen tödlich verunglückt“.

Zu seinen größten Erfolgen zählen die Titel Deutscher GT-Meister 1957, Deutscher Bergmeister 1959 sowie Europa-Bergmeister 1966. Für seine sportlichen Erfolge wurde Eberhard Mahle 1967 mit dem Silbernen Lorbeerblatt des Bundespräsidenten geehrt. Auch heutzutage ist der ehemalige Profirennfahrer viel im Auto unterwegs. Seit Mitte der 90er Jahre hat er seine Leidenschaft für Oldtimer entdeckt. Eberhard Mahle ist immer dort zu finden, wo historische Gefährte auftauchen. Er hält bundesweit Vorträge. „Ich mache, was mir Spaß macht und pflege die Tradition der alten Autos“, sagt er. Dann holt er seine Autogrammkarte aus der Tasche und unterzeichnet sie. Fans hat Mahle auch noch auf seine alten Tage.

kp

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